Wenn gute Ideen wirklich gut sind

Wenn gute Ideen wirklich gut sind
14.02.2014 | Aus der Idee, betriebsfertige Pumpenanlagen herzustellen, entwickelte sich in 20 Jahren ein erfolgreiches Unternehmen, das aus allen Nähten zu platzen begann. Ein Neubau entspannt nun die Situation und deckt durch die Stromproduktion der auf seinem Dach installierten Photovoltaikanlage zudem den Strombedarf der Firma. Dies unterstreicht die lokale Herkunft der Biltener Pumpen um ein Weiteres.

Gute Ideen sind oft die Basis eines erfolgreichen Betriebs, auch wenn sich natürlich immer erst im Nachhinein zeigt, ob die Idee tatsächlich gut war. Im Fall der Pumpen Lechner GmbH ist in dieser Hinsicht aber alles klar: Hier entstand aus einer guten Idee ein erfolgreicher Betrieb, der mittlerweile viele Nachahmer, aber noch immer keinen Klon hat, ganz nach dem Motto «oftmals kopiert, aber nie erreicht». 

Fertige Systeme aus Pumpe, Speicher und Steuerung 
Statt Pumpen oder Ersatzteile, Muffen, Anschlüsse und Dichtungen zu verkaufen, beschloss Richard Lechner vor 20 Jahren, ganze Pumpenanlagen auf den Kunden zugeschnitten herzustellen und diese quasi schlüsselfertig zu liefern. Die gute Idee dahinter besteht darin, dass die Kunden sich selber weder um die Einzelteile noch um die Schnittstellen zu kümmern brauchen. «Wir beraten unsere Kunden bei ihren Vorhaben und bauen danach eine exakt auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Einzellösung», erklärt Richard Lechner sein Vorgehen. Kurz zusammengefasst findet sich diese Idee als Leitmotiv auf seiner Website: «Egal, ob Sie Wasser vorwärts, rückwärts, aufwärts oder abwärts fördern wollen – wir lösen das für Sie.» Dank dieser Haltung und dem notwendigen Knowhow baut Lechner Pumpenanlagen, die mittlerweile auf der ganzen Welt Verwendung finden. Seine Systeme bestehen im Grund immer aus einer unterschiedlich grossen Zentrifugalpumpe, den notwendigen Gehäusen und aus Steuerungskomponenten, die zu über 90 % von Schneider Electric stammen.


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Breites Einsatzgebiet und findiger Kopf
«Irgendwo muss immer Wasser gefördert werden», meint Richard Lechner, «so zum Beispiel im Siedlungswasserbau. Da gibt es Bauern, die ihren Betrieb aufgeben und damit die Bewilligung verlieren, ihr Abwasser in die hauseigene Jauchegrube zu leiten.» Dann müssen sie sich an die Kanalisation anschliessen lassen. Und wenn sie nicht gleich einen Totalumbau ins Auge fassen wollen, bietet sich nur ein Pumpbetrieb an, der die Jauchegrube mit der Kanalisation verbindet. Oder es handelt sich um eine Seegemeinde, die immer wieder damit zu kämpfen hat, dass ihr Meteorwasser nicht mehr in den See abfliesst, wenn dessen Pegel ein bestimmtes Mass überschreitet. Die Lösung: ein Pumpbetrieb. Weitere Einsatzgebiete findet Pumpen Lechner im Baubereich. Bei der Entwicklung des ehemaligen Industriegebiets in Zürich-West werden viele Baugruben abgetieft, die alle im Grundwasser liegen. Dass sie zu Lenzzwecken einen Pumpbetrieb benötigen, liegt auf der Hand. Daneben müssen die Ersteller aber auch dafür sorgen, dass sich Grund- und Brauchwasser nicht mischen, denn die Grundwasserfassung der Wasserversorgung Zürich liegt nicht weit entfernt. Hier kommt die gute Idee wieder zum Tragen, indem Lechner ein von ihm entwickeltes Pump- und Abschottsystem anbietet, das bis zu 10 Metern Stauhöhe trotzt. «Das bauen Sie ein und schon haben Sie das Problem gelöst», freut sich der Firmeninhaber über seinen Erfindungsreichtum.

Auf allen berühmten Baustellen dabei
Auch im Tunnelbau stösst man immer wieder auf Pumpenanlagen aus Bilten. So benötigen Tunnelbohrmaschinen, die in steilem Winkel Druckstollen für Wasserkraftwerke auffahren, Wasser zur Kühlung ihrer Bohrmeissel. «Hier sind hohe Drücke gefragt, denn das Wasser muss rasch einmal einige hundert Meter an Höhe überwinden». Das beeindruckt Richard Lechner aber nicht, vielmehr scheint er sich über solche Herausforderungen an seine Pumpenanlagen zu freuen. Die für solche Zwecke notwendigen Druckerhöhungsanlagen sind mit Frequenzumrichtern und Bedienpanels von Schneider Electric ausgerüstet. Deren Komponenten gelangen so zusammen mit den Pumpen aus Bilten auch auf alle berühmten Baustellen der Schweiz: In Sedrun waren und sind solche Pumpenanlagen für die Neat im Einsatz und beim Bau der Zürcher Durchmesserlinie stand ein Notaggregat mit einer installierten Förderleistung von bis zu 800 Litern pro Sekunde auf Abruf bereit. Auch der Muttsee wurde im Zug des Ausbaus der Kraftwerke Linth-Limmern mit Lechnerpumpen abgesenkt. Darüber hinaus finden sich aber auch immer wieder neue Einsatzgebiete, so zum Beispiel bei den neuen Anlagen, die Strassenabwässer von Pneuabrieb, Schmutz und ölrückständen reinigen. Diese von Lechner entworfenen Systeme sind neben den Pumpen und einer ausgeklügelten Steuerung auch mit einem Analysegerät ausgestattet.


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Patrick Lechner und Richard Lechner, Pumpen Lechner GmbH; Thomas Steiner und Thomas Diethelm, Schneider Electric; Thomas Caldara, Ecolution Energy AG

Betriebsenergie selber herstellen
Die gute Idee hat mittlerweile viele Nachahmer gefunden, aber bisher noch keinen zweiten Anbieter, der auch alles selber zusammenbaut. Der Erfolg hat sich längst eingestellt, und der Personalbestand ist in den letzten 10 Jahren von 6 auf 27 hochgeschnellt. «Der Platzmangel machte sich immer stärker bemerkbar, eine zusätzliche Halle mit Lager-, Werkstatt- und Büroräumen musste dringend her», erläutert Richard Lechner. War es der Tüftler, der kühl rechnende Geschäftsmann oder der sich für nachhaltige Lösungen interessierende Vater und Grossvater? Jedenfalls liess sich Richard Lechner darauf ein zu prüfen, ob sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der neuen Halle installieren lasse. Neben wirtschaftlichen überlegungen war für ihn wie beim Bau der Halle Bedingung, dass einheimische Produkte und lokale Firmen zum Zuge kämen. Thomas Steiner, Verkaufsingenieur bei Schneider Electric, machte ihn auf die Firma Ecolution Energy aufmerksam, deren Philosophie sich mit seinen Absichten deckte. Damit ging es daran, das wirtschaftliche Potenzial auszuloten, das ein Dach in Bilten aufweisen kann. «Die über 1600 Meter hohen Voralpengipfel nehmen im Winter zwar viel Sonne weg, die Einspeisevergütung des lokalen Elektrizitätswerks ist aber sehr gut», führt Thomas Caldara von Ecolution Energy aus. Um die mögliche Strommenge noch etwas zu optimieren, wurden die Lage der Halle sowie die Form und Grösse des Dachs leicht geändert. Als Resultat steht nun auf dem Neubau die grösste Photovoltaikanlage des Kantons Glarus. Den von ihr erzeugten Gleichstrom wandeln Schneider- Komponenten in Wechselstrom um und speisen diese wieder ins öffentliche Netz zurück. Schneider Electric bietet auch in diesem Bereich ein vollumfassendes Lösungsangebot. 

Neuer Bezug zum eigenen Strom
Und was meint der Bauherr zum Strom aus eigener Ernte? «Heute ertappe ich mich dabei, wie ich die Lichter in leeren Räumen lösche, weil ich offensichtlich ein anderes Verhältnis zu ‹meinem› Strom entwickelt habe», schmunzelt Richard Lechner. «Auch hat mich der überaus schneereiche Winter manchmal etwas geärgert, wenn die ganze Zeit über Schnee auf gewissen Panels lag», fährt er fort. Da die Anlage aber erst seit Ende September 2012 in Betrieb ist, dürfte sich die Situation erheblich verbessern. Die sonnigeren Stunden stehen mit dem Sommerhalbjahr an, sodass sich der berechnete Jahresertrag von 92,5 Megawattstunden wohl wirklich auch einstellen wird. Wenn die Pumpenanlagen dann – über’s Jahr gemittelt – mit hauseigenem Strom erzeugt werden, verdienen sie ihr «Made in Bilten» erst recht.


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