Schweizweit einzigartig komplexe Schaltanlage

Schweizweit einzigartig komplexe Schaltanlage
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17.02.2014 | Ende 2013 weiht die UCB Farchim SA in Bulle ein neues Werk für Biotechnologieprodukte ein. Die Energieverteilung erfolgt dabei über 4000-A-Schaltanlagen mit Form 4b, was für die Schweiz eine absolute Premiere darstellt.

über 200 Mitarbeitende führen im Werk der UCB Farchim SA in Bulle verschiedenste Aufgaben im Herstellungsprozess von chemischen und pharmazeutischen Produkten aus. Neben der Fertigung sind sie im Supply-Chain-Management, in der Qualitätskontrolle, der Lagerhaltung oder im Einkauf tätig oder sie sorgen für technischen Support, für die Sicherheit und nicht zuletzt für den Schutz der Umwelt. Pro Jahr produziert und vermarktet das Freiburger Unternehmen 3600 Chargen bzw. 700 Tonnen pharmazeutische Wirkstoffe und Zwischenprodukte sowie 2 Milliarden Tabletten für den Weltmarkt. Die Produkte werden in Italien, in Japan, in den Vereinigten Staaten und in Belgien umverpackt. 

Eine neue Produktionsanlage für Arzneimittel
Wegen der starken Nachfrage entschloss sich UCB Farchim, neben dem bestehenden Werk eine neue Produktionsanlage für Biotechnologieprodukte zu errichten. In der 330 Millionen Franken teuren Anlage konzentriert sich das Freiburger Unternehmen auf die Synthese eines einzigen Arzneimittels: Cimzia (Certolizumab Pegol). Es dient zur Behandlung von Morbus Crohn und rheumatoider Polyarthritis. Die Bauarbeiten begannen im Februar 2012 und dauern noch bis November 2013. Die neue Produktionsanlage ist 85 m lang, 54 m breit und 18 m hoch und zeichnet sich durch eine nüchterne und innovative Architektur aus, die sich gut in die umliegende Landschaft einfügt. Auf einer Fläche von fast 20’000 m2 bietet es Platz für 3 Bioreaktoren sowie zahlreiche Reinigungs- und Lagertanks. «Diese Anlage entspricht dem neuesten Stand der Technik und umfasst im Wesentlichen Produktionsbereiche, Labors zur Qualitätskontrolle, Wartungs- und Lagerflächen sowie Büros. Sie enthält ausserdem alle für die Fertigungsprozesse benötigten Hilfsgeräte», erklärt Lorenzo Zampini, Project Manager bei UCB Farchim.


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Warum entschied sich UCB für Bulle?
Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für das neue Biotechnologiewerk prüfte UCB Farchim mehrere Optionen in verschiedenen Ländern. Verschiedene Gründe sprachen für Bulle: Der bestehende Produktionsstandort besticht nicht nur durch eine überdurchschnittlich verfügbare Fachkompetenz und eine hervorragende Produktivität. Vielmehr bietet die Region auch unzählige weitere qualifizierte Fachkräfte, die industriellen Voraussetzungen für den geplanten Ausbau sind bereits vorhanden und der Standort ist auf Biowissenschaften spezialisiert. Die kontinuierliche Unterstützung der kommunalen und kantonalen Behörden spielte beim Entscheid ebenfalls eine Rolle. Der Standort in Bulle wird damit zum wichtigsten Produktionszentrum für biotechnologische und biopharmazeutische Produkte des Unternehmens. 

Die Stromversorgung des neuen Werks
Die Stromversorgung der neuen Anlagen wurde von Schneider Electric und der Groupe E Connect SA realisiert, nachdem sich die beiden Firmen in der Ausschreibung durchgesetzt hatten. Das Lastenheft stammte von NNE Pharmaplan, einem auf Biotechnologie spezialisierten Ingenieurbüro. Die Anforderungen waren untergliedert in die Bereiche Mittelspannungsversorgung (MS) und Niederspannungsversorgung (NS). Schneider Electric stellte die MS-Ausrüstung direkt beim Kunden bereit, nämlich 2 Trihal-Transformatoren mit einer Leistung von 2500 kVA sowie SM6-Schaltfelder für den Aufbau der Schaltanlagen. Nachdem das Ingenieurbüro die technischen Zulassungsunterlagen freigegeben hatte, übernahm Groupe E Connect die Montage der Geräte. Für das NS-Projekt lieferte Schneider Electric die Ausrüstung an seinen Partner Groupe E Connect, der sich auch hier wieder um die Montage der Geräte kümmerte. Die Lieferung umfasste Prisma Plus Schaltanlagen mit einer Leistung von 2500A und 4000A mit Form 4b, die mit einem Linergy Evolution-Sammelschienensystem 2500A oder 4000A ausgestattet sind, und Canalis- Schienenverteiler für 2500 A und 4000 A. «UCB Farchim hat sich bei der Realisierung der Stromversorgung des neuen Werks für die Firmen Schneider Electric und Groupe E Connect entschieden, weil nicht nur das vorgelegte Angebot die Anforderungen dieser hochmodernen Anlage erfüllte, sondern weil sich auch das Material durch wesentliche technische Neuerungen auszeichnete», erklärt Olivier Bourlès, Verkaufsingenieur für Niederspannungslösungen bei Schneider Electric. Vincent Dafflon, Projektleiter bei Groupe E Connect, ergänzt dazu: «Unser Kunde konnte auf ein Team von Ansprechpartnern zurückgreifen, das aus dem Konsortium ‹Edelweiss Electric› hervorgegangen ist und perfekt zusammengearbeitet hat. So konnten wir alle elektrischen Anforderungen erfüllen. UCB Farchim wusste dabei insbesondere zu schätzen, dass es nur einen einzigen Ansprechpartner für alle Fragen zur Elektrik gab, vom Einspeisungspunkt der Mittelspannung am Standort bis hin zum kleinsten Schalter in jeder Schaltanlage.»


Patrick Spina, Jean-François Collaud, Vincent Dafflon und Philippe Curty, Groupe E Connect; Roman Jenni und Oliver Bourlès, Schneider Electric

Ein aussergewöhnliches Projekt
Aufgrund der Komplexität der Anlagen, des hohen Energiebedarfs für den Betrieb und der Bedingungen des Lastenhefts, insbesondere was die engen Fristen betraf, war dieses Projekt eine echte Herausforderung. So lagen zwischen der Vertragsunterzeichnung und dem Zeitpunkt, an dem die neuen Anlagen unter Spannung gesetzt wurden, kaum mehr als 6 Monate. Die Installation von 4000A Prisma Plus Schaltanlagen mit Form 4b und einem Linergy Evolution- Sammelschienensystem von 4000A stellte in der Schweiz eine absolute Premiere dar. Die beteiligten Firmen mussten nicht nur die optimale Belüftungsmethode für die thermischen Erfordernisse ermitteln und die Machbarkeit des Konzepts prüfen, sondern wegen des hohen Gewichts der Schaltanlagen auch logistische Probleme lösen. Schneider Electric konnte dazu auf die Unterstützung von Electropole zurückgreifen, dem firmeneigenen Forschungszentrum für Elektrotechnik und Elektromechanik in Grenoble, das zahlreiche Validierungsverfahren durchführte. «Dieses Projekt war eine extrem wertvolle Erfahrung, sowohl für uns selbst als Lieferanten als auch für unseren Kunden. Es erforderte die Entwicklung einer speziellen technischen Kultur und die Suche nach innovativen Lösungen, die in optimaler Weise die Anforderungen der Produktionsanlagen erfüllen. Wegen seiner Einzigartigkeit ist dieses Projekt auch eine Investition in die Zukunft. Es eröffnet uns neue Märkte, denn wir sind nun in der Lage, komplexe Schaltanlagen mit einer grossen Leistungsstärke herzustellen», betont Olivier Bourlès abschliessend. Sobald die neue Anlage Anfang 2015 in Betrieb geht, wird sie im Drei-Schicht-Betrieb das ganze Jahr über laufen. Es entstehen 120 bis 140 Arbeitsplätze, von denen 40 % für hochqualifizierte Fachkräfte bestimmt sind.


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