Methoden gegen das ungewollte
Lockern von Verbindungselementen

Methoden gegen das ungewollte Lockern von Verbindungselementen
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15.07.2016 | Wir alle kennen es, Schrauben und Muttern lockern sich mit der Zeit – sei es am Fahrrad oder an einem Brillenbügel. Doch was ist die Ursache dafür? Und wie lässt sich das Lockern vermeiden?

Dazu müssen wir erst einmal mehr über die Funktion der jeweiligen Verbindung wissen und darüber, wie die Gewinde von Verbindungselementen miteinander interagieren. Ausserdem müssen  wir  die  entstehenden  Spannungen  untersuchen,  um  zu  begreifen,  wodurch  die Lockerung überhaupt verursacht wird. Nur dann können wir die besten Lösungen zur Minimierung  oder  Vermeidung  von  Lockerungen  bestimmen.  Durch  das  Anziehen  entsteht Reibung am Gewinde des Befestigungselements und an den  entsprechenden Auflageflächen.  Genau  diese  Reibung  soll anschliessend  auch  die  Lockerung  der  angezogenen Verbindungselemente  vermeiden.  Wenn  also  Reibung  die  Verbindung  zusammenhalten soll, wie kommt es dann überhaupt zur Lockerung? 

 


DIE VERBINDUNG 

Im  Idealfall  widersteht  eine  Verbindung  den  dynamischen  Kräften  und  etwaiges  Lockern wird völlig vermieden. Die Verbindungselemente sollten dazu bis zur entsprechenden Vorspannung angezogen werden und Schraubverbindungen sollten ausschliesslich Zugkräften 
ausgesetzt  sein.  Denn  dynamische  Kräfte  können  zu  einer  Lockerung  führen.  

Um  das Lockern  von  Verbindungselementen  zu  vermeiden,  sollte  bei  der  Konstruktionsplanung dafür gesorgt werden, dass ein Abgleiten der montierten Elemente aufgrund von Querbelastungen  ausgeschlossen  wird.  Die  Klemmlänge  ist  hierbei  von  grosser  Wichtigkeit. Verbindungselemente, deren Klemmlänge weniger als das Fünffache ihres Gewindedurchmessers beträgt, können in der Regel nicht elastisch reagieren. Sie sind sehr steif und ihre Rüttelfestigkeit  ist  gering.  Wenn  möglich,  sollte  die  Bauweise  der  Verbindung  angepasst werden,  um  eine  Klemmlänge  zu  erhalten,  die  fünf  Mal  so  gross  ist,  wie  der  Gewindedurchmesser. Schraubverbindungen dieser Art reagieren weitaus elastischer und verfügen über  eine  bessere  Rüttelfestigkeit.  Dies  ist  jedoch  bei  den  meisten  Anwendungen  nur schwer erreichbar. 

 


ÄUSSERE KRÄFTE 

Um eine spätere ungewollte Lockerung zu vermeiden, muss der Konstrukteur die äusseren Kräfte bestimmen. Diese äusseren Kräfte entscheiden, ob die Verbindung die notwendige Reibung  auf  Dauer  aufrechterhalten  kann  oder  ob  andere  Vorsichtsmassnahmen  gegen potenzielles Lockern ergriffen werden sollten. Äussere Kräfte lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: statische und dynamische Kräfte. 
 


DYNAMISCHE KRÄFTE
 
Dynamische Kräfte können auf verschiedene Art verursacht werden – durch die Ausrüstung selbst,  durch  Mutter  Natur  oder  das  Umfeld  der  Verbindung.  Wenn  dynamische  Kräfte auftreten, hilft die Reibung am Gewinde und an den Auflageflächen dabei, die Verbindung festzuhalten.  Bei  standardmässigen  Maschinenschraubengewinden  entsteht  die  Reibung nur  auf  einer  Seite  des  Gewindes,  während  an  den  hinteren  Flanken  eine  Lücke  bleibt. Wenn die auftretenden Kräfte gross genug sind, kann sich die Reibung in den Gewinden dramatisch  verringern, wodurch  nur  noch  die  Reibung  der  Auflagefläche  des  Schraubenkopfes oder der Mutter übrig bleibt, um eine Lockerung der Verbindung zu vermeiden. 
 


STATISCHE KRÄFTE 

Wenn  der  Verbindungsaufbau  nur  statischen  Kräften  ausgesetzt  wird,  kommt  es  in  der Regel nicht zur Lockerung. Allerdings werden Produkte häufig auf dem Seeweg mit Frachtschiffen transportiert, die konstanten Vibrationen ausgesetzt sind, verursacht durch deren grosse  Dieselmotoren  und  spürbar  im  gesamten  Frachtraum  der  Schiffe.

Schraubverbindungen können  sich  aufgrund  dieser  Vibrationen  lockern.  Es kommt  vor,  dass Montagen völlig auseinanderfallen, weil Schrauben oder Muttern sich gelockert oder losgedreht hatten und letztendlich herausfielen. 
 


REIBUNG 

Oft auch Reibungskoeffizient genannt (RK). Das Ausmass der verursachten Reibung hängt von den verwendeten Werkstoffen und Beschichtungen ab. Manche Werkstoffe, wie Edelstahl und Aluminium, verursachen eine hohe Reibung, während Stahl üblicherweise über eine  zusätzliche  Beschichtung  verfügt,  die  den  Reibungskoeffizienten  bestimmt. In Beschichtungsmaterialien werden oft reibungssenkende Additive verwendet, um den RK zu steuern und dadurch Streuungen während des Anziehens zu vermeiden und die Klemmlast zu  steuern.  Das  bringt uns  in  eine  Zwickmühle:  Durch  das  Verwenden  von  reibungssenkenden Additiven können wir in der Regel die korrekte Klemmlast und dadurch das maximale Potenzial der Verbindungselemente erreichen. Gleichzeitig senken wir dadurch jedoch den  RK,  wodurch  sich  das  Risiko  einer  Verbindungslockerung  durch dynamische Kräfteauswirkung erhöht. Wenn wir das volle Potenzial der Klemmlast eines Verbindungselements  ausnutzen,  und  dadurch  so  viel  Kraft  wie  möglich  auf  die  Gewindeflanken  und Auflageflächen ausgeübt wird, kann die Verbindung grössere dynamische Kräfte aushalten. In  einigen  Fällen,  wenn  in  weichere  Materialien,  wie  Plastik,  Aluminium  etc., geschraubt wird, ist dies jedoch nicht immer möglich. Daher müssen andere Vorkehrungen gegen das Lockern ergriffen werden. 

 


KOPFAUSFÜHRUNG FLACH-/HALBRUNDKOPF MIT BUND
 
Durch  die  Verwendung  von  breiteren  Köpfen,  wie  Flach-  oder  Halbrundköpfen  mit  Bund, entsteht mehr Reibung zwischen dem Kopf und der Oberfläche des Gegenstücks. Dadurch reduziert sich auch der Oberflächendruck auf die Auflageflächen, wodurch ein Setzen der Schraubenverbindung vermieden wird, und die grössere entstehende Reibung führt wiede-
rum zu einer höheren Sicherung der Verbindung gegen dynamische Kräfte.

 


SÄGE-/SPERRZAHN-FLANSCHKOPF 

Durch das Verwenden von Sägezähnen/Sperrzähnen auf den  Auflageflächen  eines  Flanschkopfes  entsteht  eine Losdrehsicherung. Während des Anziehens graben sich diese  Zähne  in  die  Oberfläche  des  Gegenstücks  ein, wodurch  eine  hohe  Sicherung  erzeugt  wird.  Bei dieser Art von Schraubensicherung kann es zur Beschädigung der  Gegenstückoberfläche  kommen,  vor  allem  wenn diese lackiert ist.

Wenn Sperrzahnschrauben verwendet werden, muss auch die entsprechende Gegenmutter über Sägezähne verfügen, damit an allen Verbindungsschnittstellen hohe Reibung besteht. Ausserdem sollten zusammen mit Sägezahnprodukten keine Unterlegscheiben verwendet werden. 

 


 MUTTERN 

Alternativ  zu  Sägezähnen,  die  Reibung  an  den  Auflageflächen erzeugen, kann mithilfe von Muttern eine Losdrehsicherung mittels Gewinde  geschaffen  werden.  Oft  werden  Muttern  jedoch  falsch eingesetzt,  wodurch  es  zu  Lockerungen  kommen  kann.  „Muttern mit  Klemmteil  mit  metallischem  oder  nichtmetallischem  Einsatz“. Dieser  Name  selbst  kann  irreführend  sein,  da  diese  Muttern  oft auch  einfach  als Sicherungsmuttern“  bezeichnet  werden.  Indem ein Polyamidring oder eine metallische Verformung des Gewindes eingeführt  wird,  wird  ein  Reibungsverlust  der  Verbindung  vermieden.  Muttern  mit  Klemmteilen  sind  jedoch  nicht  in  der  Lage, ungewolltem Lösen durch Rotationsenergien zu widerstehen. Das Klemmteil verläuft nie über die gesamte Höhe dieser Muttern. Der Klemmeffekt  beschränkt  sich  auf  einige  wenige  Gewindesteigungen  auf  der  Oberseite  der  Mutter,  während  der  Rest  des  Muttergewindes freilaufend bleibt. 

Wenn die dynamischen Kräfte gross genug sind, um die Vorspannung der Verbindung zu verringern, verhindert diese Art von Losdrehsicherung den völligen Verlust der Mutter, aber ein leichtes Drehen und ein weiterer Verlust der Vorspannung können nicht verhindert und ohne Nachziehen kann keine Abhilfe geschaffen werden. In solchen Fällen kann es zum Verschieben der Verbindungselemente und schliesslich zum Ermüdungsversagen kommen. Bei  der  Verwendung  von  Muttern  mit  Klemmteil  ist  ausserdem  die Notwendigkeit  einer späteren  Wiederverwendbarkeit  zu  berücksichtigen,  da  der  Sicherungseffekt  nach  jeder Wiederverwendung abnimmt.

MERKMALE DER GEWINDESICHERUNG

MERKMALE DER GEWINDESICHERUNG
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POLYMER-FLECKBESCHICHTUNG 

Nichtmetallische Klemmteile werden aus Polyamid hergestellt. Dabei handelt es  sich  um  einen  thermoplastischen  Kunststoff,  der  bei  Erhitzung  auf  über 120°C weich wird. Ab dieser Temperatur verschwindet auch der Sicherungseffekt. Klemmteile für Gewinde werden normalerweise hergestellt, indem eine lokale Polyamidbeschichtung in Form eines feinen Pulvers auf eine vorgegebene erhitzte Gewindefläche geblasen wird. Durch die hohe Temperatur der Gewindeoberfläche weicht die Pulverschicht sofort auf und verklebt sich mit dem Gewinde der Schraube. Es bleibt so ein kleiner, weicher Polyamid-Fleck auf  dem  Gewinde  der  Schraube  zurück,  der  beim  Einschrauben  in  das Gegengewinde  eine  klemmende  Wirkung  erzeut.  Eine  bereits  lockere Schraube kann sich somit nicht weiter durch Eigendrehung lösen. 
 
Wenn  die  Schraube  während  der  Beschichtung  gedreht  wird, bildet  sich  eine  Polyamid-Rundumbeschichtung.  Dadurch  wird nicht  nur  eine  Klemmwirkung  erzielt,  das  Gewinde  wird  auch gleichzeitig  versiegelt  – dies  ist  vor  allem  bei  solchen  Schraubverbindungen  wichtig,  die  für  das  Versiegeln  von  Behältern  gedacht  sind.  Die Polyamidbeschichtung  kann  direkt  auf ihre vorgesehene  Einsatzfläche  aufgetragen  werden,  d.  h.  dort,  wo die externen/internen Gewinde greifen. Die Dicke des Überzugs kann  bis  zu  einem  bestimmten  Grad angepasst  werden  und dadurch auch dessen Klemmwirkung. Üblicherweise werden 2-3  Gewindesteigungen  am  Ende  des  Gewindes  unbeschichtet belassen.  Dadurch  kann  die  Schraube  ohne  Anfangsschwierigkeiten in das Gegengewinde geschraubt werden.  Schrauben mit Klemmteilen werden oft als Einstellschrauben verwendet. 

 


SELBSTKLEBENDE FLECKBESCHICHTUNG 

Spiel  im  Gewinde  zwischen  normalen  Schrauben  und  Muttern bzw.  Innengewinden  kann  auch  durch  die  Verwendung  von sogenannten  „selbstklebenden" Patches“  vermieden  werden. Während der Montage füllen diese Produkte die Zwischenräume aus, härten dort aus und verhindern das Abgleiten der Gewindeflanken  aneinander.  Die  Reibung  wird  somit  beibehalten und  die  Schrauben/Muttern  sind  rüttelfest.  Das  vollständige Aushärten kann bis zu 72 Stunden dauern, aber in den meisten Fällen  besteht  die  Sicherung  bereits  nach  kurzer  Zeit.  Daher sollte  ein  Nachziehen  solcher  Verbindungselemente  nach  der Montage  vermieden  werden,  da  dies  die  Sicherungswirkung beeinträchtigen  kann.  Aus  dem  gleichen  Grund  sollten  auch Klebstoffsicherungen nur einmal verwendet werden. Wenn eine Demontage nötig wird, müssen Verbindungselemente dieser Art entsorgt  werden.  Selbstklebende  Patches  stellen  immer eine Rundumsicherung  dar,  wodurch  auch  eine  versiegelnde  Wirkung  erzielt  wird.  Bei  ihrer  Verwendung  ist  Vorsicht  walten  zu lassen, da ihr Haftvermögen der Kraft der Verbindungselemente entspricht. Wenn die Sicherungswirkung des Patchs sehr stark ist, kann dies zum Bruch der Verbindungselemente führen. 
 


UNTERLEGSCHEIBEN 

Unterlegscheiben gehören zu den Verbindungselementen, die keine direkte Verbindungsfunktion haben. Weltweit treten immer wieder Anwendungsfehler bei Unterlegscheiben auf, da  die  Kraft  von  Verbindungen  durch  diese  Fehler  oft  verringert  bzw.  das  Risiko  einer Lockerung bei dynamischen Verbindungen oft erhöht wird. 
 


FLACHE UNTERLEGSCHEIBEN 

Im  Zusammenhang  mit unserer  Zielgebung können  Unterlegscheiben (bei korrekter Anwendung) dabei helfen, den Oberflächendruck auf weiche Materialien zu verringern, wodurch wiederum ein, durch Setzen der Schraube verursachter, Verlust an Klemmlast minimiert werden  kann.  Die  Auflagefläche  von  Unterlegscheiben  ist  in  der Regel  grösser  als  die  von  Schrauben  bzw.  Muttern.  Durch  die höhere  Berührungsfläche  entsteht  ein  höherer  Reibungswiderstand. Dadurch dreht sich der Schraubenkopf während des Anziehens ausschliesslich auf der Unterlegscheibe und nicht die Unterlegscheibe auf dem Werkstück. Somit wird das weichere Material geschützt  und  das  Risiko  einer  Lockerung  durch  dynamische Kräfte  wird  reduziert.  Je  nach  Festigkeitsklasse  des  gewählten Verbindungselements  muss  eine  Unterlegscheibe  von  entsprechender Härte verwendet werden. Das Verwenden falscher Unterlegscheibenhärten  kann  in  der  Tat  das  Risiko  einer  Lockerung erhöhen, und wenn das Material zu weich ist, um den Schraubenkopf zu stützen, kommt es zu dessen Setzen.

 


FEDERRINGE 

Es wird allgemein oft irrtümlich angenommen, dass Federringe das Risiko  des  Losdrehens  verringern  würden.  In  den  meisten  Fällen ist  diese  Annahme jedoch falsch.  Der  Zweck  von  Federringen  ist es, den durch ein Setzen verursachten Klemmlastverlust zu reduzieren. Wenn sie also korrekt verwendet werden, nimmt das Risiko durch dynamische Krafteinwirkung tatsächlich ab. Die Kraft solcher Federringe  wird  jedoch  oft  überschätzt  und  ein noch höheres Lockerungsrisiko  infolge  eines  Setzens  und/oder  durch  dynamische Kräfte entsteht. 
 
Was ihre Kraft betrifft, sind Federringe jedoch nur in der Lage, Klemmlasten zu widerstehen, die von Verbindungselementen mit einer Festigkeitsklasse von 5,8 verursacht werden (wenn das volle Potenzial der Verbindungselemente ausgeschöpft wird). Wenn Federringe zusammen  mit  solchen Verbindungselementen  eingesetzt  werden,  reduzieren  sie  den Verlust an Klemmlast, was wiederum zur Reduzierung des Risikos einer Lockerung durch dynamische  Kräfte  führt.  Die  meisten  Federringkanten  sorgen  ausserdem  auf weichen Oberflächen  für  eine  mechanische  Sperre,  wodurch  die  Sicherungswirkung  insgesamt verbessert wird. 
 
Es ist wichtig zu beachten, dass die Effizienz von Federringen sehr niedrig oder gar inexistent  ist,  wenn  sie  mit  wärmebehandelten  Verbindungselementen  von  8,8  (Grad  5)  oder höher  verwendet  werden.  Die  Federrate  des  Rings  ist dazu  zu  niedrig und  seine  Kanten können sich nicht in die harte Oberfläche des Verbindungselements graben. Bei Verwendung mit Verbindungselementen von hoher Festigkeit erhöhen sie sogar das Risiko, da der Ring unter hohen Belastungen zerdrückt werden und brechen kann. 

 
FÄCHERSCHEIBEN 

Hierbei handelt es sich nicht um Sicherungsscheiben. Ihre Funktion ist einzig und allein das Unterstützen der elektrischen Leitfähigkeit.  In  der  Tat  werden  sie  häufig  bei  Erdungsanwendungen eingesetzt,  wie  bei  Autobatterien.  Die  verwundenen  Zähne  der Scheibe könnten eine Sicherungsfunktion suggerieren, in Wirklichkeit können Scheiben dieser Art dem während der Montage auf sie ausgeübten  Druck  aufgrund  ihrer  Bauform  häufig  nicht  standhalten.    Dadurch  erhöhen  sich  das  Risiko  des  Setzens  und  somit auch  das  Lockerungsrisiko.  Obwohl  ihre  Zähne  die  Reibung  auf weicheren  Materialien  erhöhen  könnten,  ist  die  Oberflächenhärte der  meisten  Verbindungselemente  (ab  Festigkeitsklasse  8,8)  zu hoch, um eine effiziente Sicherung zu bewirken. In einigen Fällen kann durch sie bei Verbindungselementen bis zur Klasse 6,8 eine gewisse  Sicherung  erzielt  werden,  da  dort  der  Oberflächendruck und die Klemmlast sehr gering sind. 

 


GERIPPTE SCHEIBEN 

Gerippte  Scheiben  weisen  mindestens  auf  einer  Seite  Zähne  auf.  Gemeinsam  mit  der Gewindereibung verhindert die Reibung auf den Auflageflächen eine spontane Losdrehung der  Schrauben  bzw.  Muttern,  indem  die  Reibung  zwischen  den  Auflageflächen  erheblich erhöht wird. 
 
Ihre Rippen (Zähne) sind dazu gedacht, sich sowohl in den Auflageflächen der Gegenstücke als auch der Schrauben bzw. Muttern zu verankern und einer Lösung zu widerstehen. Wie auch Spannscheiben  aus  Federstahl  und  Federringe  sind  gerippte  Unterlegscheiben dazu da, ein Risiko eines Setzens zu verringern. Wie bei flachen  Unterlegscheiben  gibt  es  auch  verschiedene  Arten  von gerippten Scheiben, die je nach ihrer Funktion auch verschiedene Formen  aufweisen.  Federringe  mit  Rippen  verfügen  über  einen äusseren  Durchmesser,  der  ungefähr  so  gross  ist,  wie  der Durchmesser  der  Auflagefläche  der  Schraube  bzw.  Mutter.  Sie sind auf beiden Seiten gerippt. 

Federringe  des  Typs  Rip-Lock  verfügen  über  einen  weitaus  grösseren  Aussendurchmesser.  Diese  bedecken  grosse  Spanlöcher  und  Längslöcher.  Der  Kopf  der  Schraube  oder  Mutter  liegt immer auf der gerippten Seite auf. Die Unterseite dieser Scheiben ist  nicht  gerippt.  Der  grosse  Scheibendurchmesser  verursacht genug Reibung auf dem Gegenstück, dass ein Drehen der Scheibe vermieden wird. 
 


NORD-LOCK 

Nord-Lock-Scheiben  stellen  eine  besondere  Art  der  gezahnten Sicherungsscheiben dar. Diese Unterlegscheiben kommen immer paarweise  vor,  um  gemeinsam  für  die  Sicherung  zu  sorgen.  Die äusseren Oberflächen sind gerippt und greifen auch in den härtesten Materialien, während die inneren Oberflächen über präzisionsgeschliffene Keilflächen verfügen.  

Wenn  eine  Schraube  bzw.  Mutter  angezogen  wird,  bleiben  die Keilflächen  zwischen  den  zwei Sicherungsscheiben  geschlossen und  die  beiden  Scheiben  bleiben  in  engem  Kontakt.  Wenn die Schraube Vibrationen ausgesetzt wird und dadurch versucht, sich loszudrehen, dreht sich die obere Scheibe und entfernt sich leicht von der unteren. Dadurch, dass jedoch der Winkel der Keilflächen [a] stets grösser als die Gewindesteigung [ß] ist, wird ein Losdrehen der  Schraube  zuverlässig  vermieden  und  die  Klemmlast  erhöht sich  sogar  leicht  während  dieser Drehbewegung.  Nord-Lock-Scheiben  können  sehr  häufig  wiederverwendet  werden.  Um  die von ihnen benötigte Klemmlast zu erreichen, ist ein leicht höheres Drehmoment  nötig.  Empfehlungen  diesbezüglich finden  Sie  im Bossard-Katalog.  
 
Die  Original-Nord-Lock-Scheiben  verhindern  im Gegensatz  zu konischen  Schraubensicherungen  mit  Rippen  die  Entspannung nicht.  Vor  kurzem  hat  Nord-Lock  jedoch  konisch  gerippte  Nord-Lock-Scheiben vorgestellt, die ausser den vorherigen Eigenschaften auch noch Entspannungen reduzieren.

Alle hier erwähnten Schraubensicherungen: 

  • müssen zur Sicherung sowohl auf der Seite der Schrauben als auch der Muttern verwendet werden
  • können auch mit gehärteten Verbindungselementen verwendet werden. Jedoch können nur Nord-Lock-Scheiben bei Verbindungselementen der Festigkeitsklasse 12,9 verwendet werden und diesen widerstehen.


GEWINDEFURCHSCHRAUBE 

Indem  das  Spiel  zwischen  den  Gewinden  eliminiert  wird,  können sich  Gewindefurchschrauben  unter  Einwirkung  von  dynamischen Kräften  (Vibrationen)  nicht  losdrehen.  In  der  Regel  besteht  zwischen  Gewindepaaren  von  Schrauben  und  Muttern  immer  ein gewisses  Spiel.  Gewindefurchschrauben  bilden  hingegen  beim Einschrauben in das Werkstück ihr eigenes inneres Gegengewinde und es besteht somit keinerlei Spiel.  
 
Auch  wenn  die  montierten  Stücke  intensiven Vibrationen  ausgesetzt werden, können die Gewindeflanken nicht aneinander abgleiten. Die bestehende Gewindereibung wird komplett aufrechterhalten,  wodurch  zusätzliche  Sicherungselemente  nicht  benötigt  werden. Die Rüttelfestigkeit wird auch nach einer Demontage und erneuten  Remontage aufrechterhalten.  Gewindefurchschrauben werden immer ohne Muttern und bei Montagen mit Grundbohrungen  oder  Durchgangsbohrungen  verwendet.  Da  Gewindefurchschrauben  so  rüttelfest  sind,  werden  sie  sehr  erfolgreich  von Entwicklungsingenieuren  für Maschinen  und  Ausrüstungsgegenstände  eingesetzt,  die  starken  Erschütterungen  und  Vibrationen 
ausgesetzt sind. 
 
Gewindefurchschrauben können für allgemeinen Baustahl, Leichtmetalllegierungen und die meisten Kunststoffe verwendet werden, wobei für jedes Material passende Gewindeformen angewandt werden. Empfehlungen bezüglich der Lochweiten und Gewindelängen, die für die  Gewährleistung  einer  guten  dynamischen Sicherung  nötig  sind, finden  Sie  im  technischen Abschnitt des Bossard-Katalogs. 
 


ZUSAMMENFASSUNG
 
Es  gibt  keine  Allround-Lösung,  die  für  jede  Art  von  Verbindungsanordnung  geeignet ist. Entwicklungsingenieure müssen die Möglichkeit einer Lockerung der Verbindungen kalkulieren / schätzen. Entwicklungsingenieure müssen bei jeder Anwendung Faktoren wie physikalische  Kräfte,  Materialien, Sicherheit,  Aufbau,  Wiederverwendbarkeit,  Montage  etc.  bei der Wahl der entsprechenden Verbindungselemente berücksichtigen.

 

VON MICHAEL KAAS, BOSSARD EXPERT TEAM


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