Kostenexplosion durch mangelhafte Verpackung

Kostenexplosion durch mangelhafte Verpackung
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Teure Reparaturen: Mit einer optimalen Verpackung wären die blanken Stellen korrosionsfrei, das Steuerpult nicht geknickt, die Blechteile unverbeult.
18.01.2012 | Mehrere 10'000 Franken Schaden belasten den Hersteller einer 10 Tonnen schweren Drehbank. Bestimmungsland: Algerien. Der Hersteller hat bei der seemässigen Holzverpackung gespart und blieb in der Kostenfalle hängen. Die Maschine war schlecht ver-ankert und nicht gegen Korrosion geschützt. Der Schadenfall be-legt: Folgekosten übersteigen den Preis für eine zuverlässige Verpackung meist um ein Vielf

„Es musste so kommen“ stellt der unabhängige Schadensexperte fest. Die 10-Tonnen-Sendung ist für Afrika bestimmt. Ursprungsland Taiwan. In der Schweiz soll die Drehbank zwischengelagert und mit anderen Maschinen weiter zum Endkunden versendet werden.
 

Die Spitze des Eisbergs

Die Spitze des Eisbergs
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Gewinn verschenkt: Von aussen sieht man es ihr nicht an, diese Verpackung hat ihre Schutzaufgabe nicht erfüllt und belastet den Gewinn.
Die Holzkiste wird vom Hafen per Lastwagen ins zürcherische Attikon zur Wegmüller AG geliefert. Vor dem Anlegen der Krangurten werden die Verpackungsprofis misstrauisch: Alle Längs- und Querbalken der Billigverpackung sind geknickt. Ist der Holzboden zu schwach fürs Maschinengewicht, brechen die tragenden Balken. Zudem fehlen die Deckelbalken, die die Seilkräfte an den Seitenwänden aufnehmen. Die Kiste würde beim Ablad einknicken. Das verwendete Holz entspricht nicht den internationalen ISPM Pflanzenschutz-Vorschriften.
Im Beisein des Kunden öffnen die Profis von Wegmüller den Kistendeckel. Erstaunt stellen sie fest: Hier drin gibt’s keinerlei Korrosionsschutz. Weder korrosionshemmende VCI-Plane noch luftdichte Aluhülle; nur eine gewöhnliche, zerrissene Plastikfolie vom Baumarkt sollte den Koloss auf hoher See vor Feuchtigkeit schützen.

Rost, Beulen, gebrochener Guss

Rost, Beulen, gebrochener Guss
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Nicht noch einmal: Für den problemlosen Weitertransport nach Algerien verpackt Wegmüller die frisch reparierte Drehbank professionell.
Nach und nach offenbart sich die Bescherung. Fast alle blanken Stellen tragen braune Korrosionsspuren. In der blechernen Verkleidung sind Beulen eingedrückt. Halterungen aus Guss sind in Stücke gespalten. An Kartonschachteln und Zurrbändern hat sich Schimmel gebildet.

Der Havariekommissär rollt den Schadenfall auf: Als die Kiste zum ersten Mal am Kran hing, mussten die dünnen Bodenbalken dem hohen Gewicht nachgeben. Die Maschine sackte im Innern der Kiste ab. Dadurch lösten sich die Transportsicherung und die Zurrbänder. Entsprechend raste der Werkzeugschlitten der Drehbank bei jeder Transportbewegung von Anschlag zu Anschlag. Er riss Kabel aus, schlug Beulen ins Blech, scheuerte das schützende Fett vom blanken Metall und zerriss die Plastikhülle. Dadurch gelangte Feuchtigkeit ins Innere und beschleunigte die Korrosion.

Den Wegmüller Leuten gelingt der Ablad, indem spezielle Stahlrohre den Boden stützen und ein Kranjoch die Kiste gleichmässig anhebt.

Optimal verpackte Güter sind vor äusseren Einflüssen wie Stössen, Vibrationen oder Feuchtigkeit beim Auf-, Um- und Ablad geschützt. Auch korrosionsanfällige, zerbrechliche oder fragile Exportgüter erreichen nach einer langen Reise auf dem Lastwagen, im Flugzeug oder auf hoher See ihr Ziel unbeschädigt.

Mit den werkseigenen Spezialfahrzeugen gelangen die Transportgüter zu Wegmüller. Dort übernehmen Spezialisten die Verpackungsarbeiten und halten die fertig verpackten Güter in den Lagerhallen versandbereit.

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