Erneuerung der Stromversorgung
der Pumpen des Jet d’Eau im Genfersee

Erneuerung der Stromversorgung der Pumpen des Jet d’Eau im Genfersee
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18.02.2014 | Die Services Industriels de Genève sind zugleich Eigentümer und Betreiber des Jet d’Eau, dem Wahrzeichen der Stadt Genf. Als verantwortliche Stelle für das reibungslose Funktionieren und die ganzjährige Wartung haben sie im Jahr 2012 die Stromversorgung der 2 motorbetriebenen Pumpen, die pro Sekunde 500 Liter Wasser in eine Höhe von 140 Metern fördern, erneuert.

Die Services Industriels de Genève (SIG) sind für die öffentliche Energieversorgung sowie für Umweltleistungen zuständig. Als Netzbetreiber stellen sie die Wasser-, Gas- und Stromversorgung, die Telekommunikation (Glasfaser), die Abwasseraufbereitung, die Müllentsorgung sowie die Fernwärmeversorgung für 250’000 Haushalte im Kanton Genf sicher. Zu ihren Aufgaben zählt ausserdem die Förderung der nachhaltigen Entwicklung bei gleichzeitiger Steigerung der Unabhängigkeit in der Energieversorgung.

Die Geschichte des Jet d’Eau
Die Anfänge des Jet d’Eau im Genfersee gehen auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Zu dieser Zeit, in der Strom noch nicht zum Alltag gehörte, war Wasser die wichtigste Energiequelle sowohl für die Bewohner als auch für die aufstrebende Industrie. Die Stadt beschloss daher, ein Wasserkraftwerk in La Coulouvrenière zu errichten. Das 1886 errichtete Kraftwerk blieb bis zum Jahr 1990 in Betrieb. Seine Pumpen versorgten die Genfer Handwerksbetriebe mit Energie. Und am Abend, wenn diese ihre Maschinen anhielten, führte der überdruck im Leitungsnetz zur öffnung eines Ventils, das eine 30 m hohe Fontäne gen Himmel schiessen liess. So entstand der erste Jet d’Eau im Genfersee. Im Jahr 1891 beschloss der Verwaltungsrat der Stadt, dem Jet d’Eau zu touristischer Bedeutung zu verhelfen und ihn am Ende der Promenade des Stadtviertels Eaux-Vives in die Mitte des Seebeckens zu verlegen. Die Fontäne war damals an das Trinkwassernetz angeschlossen und erreichte eine Höhe von 90 Metern. Ihre Einweihung erfolgte anlässlich des Eidgenössischen Turnfestes und der Wasserstrahl wurde am 2. August zum 600-jährigen Bestehen der Eidgenossenschaft beleuchtet. Im Jahr 1951 wurde eine eigene Pumpanlage installiert, die teilweise unter Wasser lag und das Wasser aus dem See nach oben pumpte, was es ermöglichte, dass der Jet d’Eau fortan eine 140 m hohe Fontäne bildete.


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Technische Eigenschaften
Um pro Sekunde 500 Liter Wasser mit einer Geschwindigkeit von 200 km/h bis auf die halbe Höhe des Eiffelturms fördern zu können, mussten zwei motorbetriebene Pumpen mit einer Leistung von je 500 kW eingebaut werden, die das Wasser direkt aus dem See entnehmen. 12 Scheinwerfer mit Halogen-Metalldampflampen liefern eine Lichtleistung von 9000 W zur Beleuchtung des Jet d’Eau. Sämtliche Anlagen der SIG können zwar über das Computernetzwerk ferngesteuert werden, aber beim Jet d’Eau ist nach wie vor menschliches Eingreifen erforderlich. Der Wasserstrahl ist nämlich äusserst empfindlich: Temperaturen nahe dem Nullpunkt oder auch ein etwas stärkerer Wind erfordern das Abschalten der Pumpen. Je nach Windgeschwindigkeit und Windrichtung über dem Seebecken stoppt ein Wächter den Jet d’Eau, sobald die ersten Tropfen aus dem Wasserstrahl die Promenade des Stadtviertels Eaux-Vives oder die Mont-Blanc-Brücke erreichen. Um eine solch ästhetische Fontäne zum Himmel schiessen zu lassen, musste die Anlage mit einer Düse ausgestattet werden, da eine simple öffnung nur eine Wassersäule mit einem Durchmesser von kaum 10 cm erzeugen würde. Eine Spezialdüse ermöglicht das Aufsteigen einer hohlen Wassersäule mit einem unteren Durchmesser von 16 cm, die mit Millionen Luftbläschen gefüllt ist. Diese Art der Zerstäubung verleiht dem Jet d’Eau seine Geschwindigkeit, seine Höhe und seinen weissen Strahl. 

Die Wächter des Jet d’Eau
Aufgrund seiner Lage in der Stadt, nahe am Quai Gustave-Ador und an der Mont-Blanc-Brücke, erfordert der Jet d’Eau eine ständige überwachung. Die SIG haben daher auf eine Fernsteuerung verzichtet und es vorgezogen, einige ihrer Pensionäre mit dieser Aufgabe zu betrauen. Der älteste der Wächter des Jet d’Eau trägt den passenden Namen Antonio Dell’Acqua! Mit einer Hand stets an der Steuerung und den Blick gen Himmel gerichtet ist der Wächter auch da, um den Touristen Auskunft zu geben und ihnen Unannehmlichkeiten zu ersparen.


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Alain Giuriani, Yvon Desdions, Denis Louis, SIG; Roman Jenni, Bruno Oesch, Roger Bruckl, Schneider Electric; Jean-Marie Rouiller, Bühler Engineering

Einbau neuer Schaltanlagen; die alten Schaltanlagen dienen als Reserve
«Die alten Mittelspannungsschaltanlagen für die Versorgung der 2 Motorpumpen, deren Einbau Anfang der 90er Jahre erfolgte, waren nicht für die SIG standardisiert, sodass es im Fall einer Panne 4 Monate dauerte, bis neue Schaltanlagen verfügbar waren», erzählt Alain Giuriani, Wartungsbeauftragter der SIG und fügt hinzu: «Da der Jet d’Eau jetzt das ganze Jahr über in Betrieb ist und er nicht mehr wie früher während des Winters abgeschaltet wird, musste eine redundante Ausrüstung her, die bei einem Zwischenfall ein möglichst rasches Eingreifen ermöglicht. Daher haben die SIG beschlossen, die neuen Schaltanlagen SM6 mit 7,2 kV von Schneider Electric einzubauen und die alten Schaltanlagen als Reserve zu behalten». Zur Umsetzung dieses Projekts wollten die SIG Partner an ihrer Seite wissen, denen sie blind vertrauen können und die sie bereits seit langer Zeit kennen. Schneider Electric und das Ingenieurbüro Bühler Engineering SA wurden daher mit der Parametrierung und der Inbetriebnahme der Schutzrelais betraut und die Firma F. Borner AG mit der Herstellung der Schaltanlagen. Zwischen den ersten Gesprächen, der Entwurfsplanung, der Konstruktion und der Inbetriebnahme, die in der ersten Novemberwoche 2012 stattgefunden hat, sind nur 3 Monate vergangen.


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