Die reibungslose
Modernisierung des Werks «Les Cheneviers»

Die reibungslose Modernisierung des Werks «Les Cheneviers»
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10.02.2014 | Die in der Genfer Gemeinde Aire-la-Ville gelegene Kehrichtverbrennungsanlage «Les Cheneviers» wandelt die verbrennbaren Abfälle des Kantons Genf in Strom und Wärmeenergie um. Den Genfer Stadtwerken (Services Industriels de Genève, SIG), Eigentümer der Anlagen, ist es gelungen, das gesamte Steuer- und Leitsystem auszutauschen, ohne dabei den Betrieb der Öfen zu beeinträchtigen.

Die erste Kehrichtverbrennungsanlage wurde 1966 eingeweiht. Heute werden in der Anlage aus dem Jahr 1993 jährlich rund 250’000 Tonnen an verbrennbaren Abfällen wiederaufbereitet. Einst umfasste das Werk noch 3 Brennöfen für die Verbrennung von Haushalts- und Industrieabfällen sowie 1 Drehrohrofen für die Sondermüllverbrennung. Heute sind nur noch 2 Verbrennungslinien in Betrieb. Die Anlage erzeugt Wärmeenergie für das Fernwärmenetz Cadiom. So lässt sich der Heiz- und Warmwasserbedarf von rund 25’000 Einwohnergleichwerten decken. Die erzeugte elektrische Energie versorgt die Anlage mit Strom, wobei überschüsse in das SIG-Netz eingespeist werden. Das Werk gilt als der drittgrösste Stromproduzent des Kantons. 

Eine Verwertungsanlage für Haushaltsabfälle
«Les Cheneviers» ist jedoch viel mehr als nur ein Kehrichtverbrennungswerk. Die Anlage dient auch der Wiederaufbereitung von Haushalts- und Industrieabfällen sowie von Sperrmüll. Gut die Hälfte aller Haushaltsabfälle zwischen dem Stadtzentrum Genf und dem Werk wird auf dem Wasserweg befördert. So lassen sich pro Tag 60 bis 80 LKWs einsparen. Die Abfälle werden mit einem Greifer in die Verbrennungsöfen befördert. Die Verbrennung findet dann auf dem Ofenrost statt, wobei die Verbrennungsgase durch den Kessel sowie durch die der Rauchreinigung dienenden Anlagen strömen. Dank der hierdurch erzeugten Hitze kann Dampf im Kessel produziert werden, der dann zu 2 Strom erzeugenden Turbinen geleitet wird. Am Kesselausgang wird der abgekühlte Rauch in einem Elektrofilter entstaubt. Anschliessend strömt er durch eine Denitrifikationsanlage sowie durch 2 Gaswaschtürme. Letztlich wird der Rauch dann über einen Kamin in die Atmosphäre abgeleitet. Das verbleibende Wasser muss dann in einer Kläranlage wiederaufbereitet werden. Die nach der Verbrennung verbleibenden festen Rückstände (Schlacken) werden vom Eisen befreit und anschliessend auf Deponien abgelagert. Damit all diese Anlagen ständig laufen können, bedarf es selbstverständlich eines ausgeklügelten Steuer- und Leitsystems.

Ein Steuer- und Leitsystem mit Neuerungsbedarf
Nachdem das Steuer- und Leitsystem 20 Jahre alt geworden war, beschlossen die SIG, es durch modernere Geräte zu ersetzen. Eins musste unbedingt beachtet werden: Der Betrieb selbst sollte so wenig wie möglich beeinträchtigt werden, und vor allem durfte die Wasserpumpstation der Rhone nicht gestoppt werden. Im Grunde können die Anlagen nur dann laufen, wenn sie mit ausreichend Wasser versorgt werden, da dieses für ihre Kühlung und für die Rauchgaswäsche benötigt wird. Zudem soll ein «geschlossenes System» durch ein «offenes System» ersetzt werden, damit die Mitarbeiter der SIG bei Bedarf selbst eingreifen können.


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Ein einschlägiges Konsortium
Die SIG hatten sich an das Konsortium SALEGE gewandt, um das Fachwissen der Unternehmen Schneider Electric (Schweiz) AG und Amics SA sowie der LeitTec AG gemeinsam nutzen zu können. Während Schneider Electric die Geräte lieferte und sich Amics um die Programmierung, die Abwicklung sowie die Inbetriebnahme kümmerte, war LeitTec für die überwachung und Visualisierung verantwortlich. «Und nicht zu vergessen: die aktive Mitarbeit der SIG, die 2 Mitarbeiter zur Verfügung gestellt haben, die anschliessend vollständig in das Projektteam integriert wurden. Die gesamte Verkabelung wurde seitens der SIG vorgenommen; diese haben uns permanent unterstützt und dabei auch noch ihre Beschäftigten weitergebildet», erklärt Marc Studer, Projektingenieur bei der Amics SA.

Eine clevere Umrüstung
Die Modernisierung des Steuer- und Leitsystems des Werks erfolgte in mehreren Etappen. Trotz der Gesamtdauer von 3 Jahren mussten die Anlagen dabei kein einziges Mal gestoppt werden. Das Projektteam selbst hat die Umrüstung der Geräte Schritt für Schritt vorangetrieben und konnte dabei nicht nur von den Zeiträumen profitieren, in denen die Ofenlinien überholt wurden, sondern auch von einem Stillstand des Werks während der Entleerung des Stausees von Verbois im Jahr 2010. «Die Umrüstung der 72 Schaltschränke kann man wirklich als Handwerkskunst bezeichnen», so Alfredo Pastanella, Betriebsfachmann bei den SIG. «Dabei haben wir die neuen Schränke über den alten aufgehängt, sie dann angeschlossen und nacheinander mit etwa eintausend zu den Steuerungen führenden Leitungen gekennzeichnet », fügt er hinzu.


Marc Studer, Amics SA; Patrick Pamingle, SIG; Alfredo Pastanella, SIG; Manuel Florez, Schneider Electric

Eine unerlässliche Simulation
Nach Abschluss der Programmierung musste überprüft werden, ob alles auch richtig funktionierte. Um endlose Tests vor der Inbetriebnahme zu vermeiden, führte Amics schliesslich zusammen mit den Betreibern der Werkstatt Simulationen durch. «So konnten wir das Anlaufen einer Ofenlinie nachstellen – und zwar so gut, dass letztlich vor der Inbetriebnahme nur noch wenige Details einzustellen waren. Die Mitarbeiter konnten im Rahmen des Projekts umfassend geschult werden, sodass sich die letzten Probleme lösen liessen. Die Mitarbeiter können nun sogar direkt änderungen an der Software vornehmen», bestätigt Marc Studer. Das frühere überwachungssystem wurde durch das Prozessvisualisierungs- und Kontrollsystem PVSS ersetzt. Dieses System umfasst u. a. Entwicklungstools für die grafische Schnittstelle, die Steuerung des Alarms sowie – mit Hilfe eines Datenbankzugangs – auch für die Archivierungen. Dank des Know-hows sämtlicher Partner, die im Rahmen des Konsortiums SALEGE an einen Tisch gekommen waren, ging so die Umrüstung der für das neue Steuer- und Leitsystem erforderlichen Geräte vollkommen reibungslos über die Bühne – zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten.


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