40GBASE-T - ein Quantensprung für Rechenzentren

40GBASE-T - ein Quantensprung für Rechenzentren
11.07.2013 | R&M: neuer Standard lässt unschlagbare ökonomische Vorteile erwarten / Bald 40 Gigabit auf Kupferleitungen über 30 Meter / R&M arbeitet an Messtechnik für Cat. 8 / Entscheidungen sollten nicht der Normung vorgreifen.

Der Schweizer Spezialist für Netzwerk-Verkabelungslösungen R&M sieht im zukünftigen 40GBASE-T-Standard ein enormes Marktpotential. Entsprechend hoch priorisiert er die Entwicklung geeigneter Kupfer-Verkabelungslösungen für Cat. 8, die kommende Generation der Verbindungstechnik für Hochleistungs-Datennetze. Allerdings warnt R&M insbesondere den Rechenzentrums-Markt vor voreiligen Investitionen, so lange die Standards nicht definiert und die entsprechenden Komponenten nicht ausgereift sind.

„Obgleich der grosse Durchbruch von 10GBASE-T immer noch auf sich warten lässt, sind wir davon überzeugt, dass 40GBASE-T ein Renner wird“, sagt Dr. Thomas Wellinger, Market Manager Data Center bei R&M. Die entsprechenden Verkabelungssysteme sollen die Lücke zwischen klassischer Kupferverkabelung für 1 bis 10 Gigabit Ethernet und der Glasfaserverkabelung schliessen. Das ökonomische Potenzial für 40GBASE-T sei zu bedeutsam, als dass es der Markt ignorieren könne, schliesst Wellinger aufgrund aktueller R&M-Marktbeobachtungen und Erfahrungen mit Millionen Installationen der eigenen Highend-Cat. 6A- und Glasfaser-Lösungen.

Während 10GBASE-T für den allgemeinen Einsatz definiert wurde, zielt 40GBASE-T direkt auf die Anwendung in Rechenzentren: Mit einer Reichweite von 30 Metern schliesst der zukünftige Standard die Lücke zwischen Direct-Attach-Kabeln für die Intra-Rack-Verkabelung mit 7 oder 15 Metern und der strukturierten Fiber-Verkabelung mit bis zu 150 Metern Reichweite. Für die strukturierte Verkabelung auf der Mittelstrecke – z. B. zwischen den Cabinets eines Ganges im Computerraum – wird also eine günstige Kupfer-Alternative benötigt, die mehr Datenvolumen schneller als bisher übertragen kann. „Allerdings wird sich das Feld der Verkabelungsanbieter, welche mit funktionierenden Lösungen aufwarten können, aufgrund der technischen Komplexität lichten – ganz gleich, wie die standardisierten Anforderungen letztlich ausfallen“, so die Erwartung bei R&M.

Die Normen entstehen erst

 

Parallel zur Arbeit der internationalen Normungsorganisation IEEE an 40GBASE-T entsteht derzeit der Verkabelungsstandard ANSI/TIA-568-C.2-1, “Specifications for 100O Category 8 Cabling“. Zugleich berät man in der ISO/IEC-Organisation über die Lancierung der zukunftsweisenden Kategorien Cat. 8.1 und Cat. 8.2. Bislang ist der Frequenzbereich noch nicht fixiert, man geht heute aber von 1,6 bis 2 GHz aus.

Im Normungsprozess sind viele Fragen offen: Ob S/FTP das Kabel der Wahl sein wird, welcher Frequenzbereich verwendet wird usw. Manche Parameter wie TCL hat IEEE bisher gar nicht spezifiziert. TCL, ausgeschrieben Transverse Conversion Loss, beschreibt die Erdunsymmetriedämpfung symmetrischer Leiterpaare. „Die Spezifikation von TCL wird das Design von Kabeln für 40GBASE-T signifikant beeinflussen“, betont R&M.

R&M wirkt in wichtigen Normengremien an vorderster Stelle an der Entwicklung der Konnektivität für 40GBASE-T mit, u. a. in IEC-TC46 (Kabel), IEC-TC48 (Steckverbinder) und ISO/IEC JTC1 SC25 (Infrastruktur). R&M unterstützt die Tätigkeit dieser Gremien mit eigener Forschungs- und Entwicklungsarbeit.

 


Messtechnik muss noch entwickelt werden

Eine wesentliche Voraussetzung für die Einführung von 40GBASE-T und die Spezifizierung der entsprechenden Komponenten ist eine geeignete Messtechnik. Manche Parameter kann man bisher gar nicht oder nur aufwändig im Labor messen. Führende Messtechnik-Hersteller arbeiten deshalb mit R&M zusammen, um gemeinsam die nötigen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten voranzutreiben. „Die Messgerätehersteller setzen auf die Expertise des R&M-Labors auf dem Gebiet der hochfrequenten Signalübertragung auf Twisted-Pair-Kupferkabeln“, berichtet Dr. Thomas Wellinger.

 


Was ist zu erwarten?

Die Arbeit an der Implementierung von 40GBASE-T hat gerade erst begonnen. Aufgrund des grossen kommerziellen Interesses hat sich die IEEE ein ambitiöses Ziel gesetzt den Standard 2016 zu publizieren. Der Geschwindigkeits-/Datenvolumen-Vorteil durch 40GBASE-T und die Kostenvorteile durch die Verwendung von Twisted-Pair-Kabeln für mittlere Link-Längen werden die gesamte bisherige Performance der Kupferverkabelung im Rechenzentrum in den Schatten stellen. „Darum ist R&M überzeugt, dass 40GBASE-T entwickelt werden muss“, so der Market Manager Data Center.

R&M warnt jedoch vor zu frühen Erwartungen und voreiligen Entscheidungen. Die Anschluss- und Verkabelungstechnik für 40GBASE-T / Cat. 8 ist äußerst komplex. Nur wirklich ausgereifte, in sich stimmige und kompatible Lösungen sollten auf den Markt gebracht werden. Bis dahin gilt: Nicht mit zukünftigen, sondern mit den besten derzeit zur Verfügung stehenden Lösungen erreicht man die längste Nutzungsdauer einer Verkabelung.


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