Exporte im Zangengriff von China-Schwäche und US-Zöllen
Die Güterexporte der Schweizer Tech-Industrie lagen im ersten Halbjahr 2025 unter dem Vorjahresniveau (-0,9%). Hauptverantwortlich für dieses Ergebnis ist die schwache Entwicklung nach Asien (-7%), wobei China besonders negativ auffällt (-16,8%). Die Ausfuhren in die EU stagnierten (-0,1%) und jene in die USA stiegen insgesamt leicht an (+1%). Allerdings haben sich im Semesterverlauf die Vorzeichen im Handel mit den USA komplett umgedreht. Während die Exporte im ersten Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode noch kräftig angestiegen waren (+5,3%), brachen sie nach den Zollandrohungen im zweiten Quartal ein (-3,1%).
Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem, ist tief besorgt: «Die politischen Unsicherheiten haben im zweiten Quartal voll auf die Investitionsgüternachfrage durchgeschlagen. Wir befinden uns in einem gefährlichen Abwärtsstrudel, dessen Sogwirkung durch die US-Zölle nun noch verstärkt wird. Das ist dramatisch für die betroffenen Firmen, Mitarbeitenden und Regionen.»
Tech-Industrie zwischen Kampfgeist und Krisenplänen
Swissmem hat nach dem 7. August eine Umfrage unter den Mitgliedfirmen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass die grössten Belastungsfaktoren der starke Franken und die generelle Nachfrageschwäche sind. Danach folgen der Regulierungsdruck sowie das Wegbrechen des US-Geschäftes, was die Bedeutung dieses Markts unterstreicht. Der grösste negative Hebel ist jedoch die kumulierte Wirkung der insgesamt 15 Belastungsfaktoren: 70 Prozent der Unternehmen bewerten die Gesamtbelastung als erheblich bis sehr stark.
Trotz der schwierigen Lage kämpfen die Unternehmen der Tech-Industrie weiter. 80 Prozent der Firmen wollen neue Märkte erschliessen und 60 Prozent neue Geschäftsfelder aufbauen. «Das zeigt den Spirit der Schweizer Tech-Industrie. Die Firmen jammern nicht, sondern suchen neue Wege», betont Martin Hirzel, Präsident Swissmem. Aber der Anteil der Firmen, die einschneidende Massnahmen wie Stellenabbau (37%), Verlagerungen in die EU (31%) oder Kurzarbeit (28%) planen, ist hoch. «Wir befinden uns in einer heiklen Phase. Zahlreiche Firmen bereiten Abbau- und Verlagerungspläne vor. Entlassungen sind unausweichlich. Wie umfangreich diese ausfallen werden, hängt davon ab, wie schnell die Politik den US-Zoll von 39 Prozent entschärfen kann. Im Inland muss sie dringend die Kosten für die Industrie senken.»
Petition an Bundesrat und Parlament: echte Unterstützung statt neuer Lasten!
Bundesrat und Parlament sind gefordert, die Gesamtbelastung für die Unternehmen zu senken. Die Umfrageergebnisse unterstreichen: Es braucht zwingend einen Abbau von Bürokratie und einen Stopp bei neuen Regulierungen. Zudem darf es keine zusätzlichen Abgaben geben. Das betrifft u.a. die Lohnnebenkosten. Das Parlament hat es in der Herbstsession überdies in der Hand, die Bezugsdauer für die Kurzarbeitsentschädigung auf 24 Monate zu erhöhen. Das kann Massenentlassungen verhindern. Weiter muss die Revision des Kriegsmaterialgesetzes abgeschlossen werden. Nur so kann die Rüstungsindustrie in der Schweiz gerettet und die Sicherheit der Schweiz gewährleistet werden.
Auch Parteien, NGO und Verbände müssen einen Beitrag leisten, indem sie auf Referenden gegen neue und aktualisierte Freihandelsabkommen verzichten. Im Weiteren gewinnen die bilateralen Verträge mit der EU eine noch höhere Bedeutung. Wir brauchen gute und stabile Beziehungen zu unserem wichtigsten Handelspartner. Der Prozess zum Abschluss der Bilateralen III muss deshalb beschleunigt werden. Martin Hirzel betont: «Die Firmen brauchen jetzt Zeit und finanzielle Mittel zur Anpassung. Zeit gewinnen sie durch die Verlängerung der Kurzarbeitsentschädigung. Und finanzielle Mittel werden durch tiefere Standortkosten frei.»
» Kennzahlen Tech-Industrie Q2/2025 [pdf, 1.2 MB]