Strom entschärft die schlimmsten Schadstoffe

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Neues elektrochemisches Verfahren zur
Reinigung industrieller Abwässer entwickelt

Strom entschärft die schlimmsten Schadstoffe
Abwasser vor, während und nach der Klärung (Foto: Soares/University of Sydney)
25.07.2020 | Forscher an der University of Sydney haben ein elektrochemisches Verfahren zur Reinigung von stark belasteten Industrieabwässern entwickelt. Die Schadstoffe oxidieren aufgrund des Stroms, der durch das mit organischen und anorganischen Giften belastete Abwasser fließt. Dabei entstehen harmlose Gase, Ionen oder Mineralien. Das Geheimnis verbirgt sich in den für diesen Zweck eigens entwickelten Elektroden.

"Wir haben unser Verfahren an stark belastetem Wasser getestet, das bei der Produktion von Treibstoffen aus Mikroalgen anfällt", sagt Julia Ciarlini Jungers Soares, die an ihrer Doktorarbeit zu diesem Thema arbeitet. Es entsteht in einer universitätseigenen Pilotanlage und enthält Stickstoff-, Kohlenstoff und Phosphorverbindungen.

 

"Wir haben einen unglaublich effektiven Prozess entwickelt, der sogar die hartnäckigsten, biologisch nicht abbaubaren Schadstoffe entschärft", so die Chemikerin. Dazu gehören Medikamentenrückstände, Pestizide und organische Schadstoffe, die in vielen Industrieabwässern vorkommen. Er sei einfach in der Anwendung und benötige keine zusätzlichen Chemikalien oder besondere Sicherheitsmaßnahmen. Außerdem entstehen im Gegensatz zu anderen Aufbereitungstechniken keine Abfälle.

 

Auf dem Weg zum industriellen Einsatz

Soares sagt, das Verfahren könne auch zur Reinigung der Abwässer anderer Industrien genutzt werden, etwa bei der Zellstoffherstellung, der Papierverarbeitung und sogar in Pharmaunternehmen, die alle strenge Umweltschutzauflagen einhalten müssen. "Weltweit arbeiten Forscher an der Entwicklung von verbesserten Verfahren zur Herstellung von Biotreibstoffen", so Soares. Die neue Technik aus Sydney könne dabei helfen, Wasser und Energie einzusparen und sogar Wertstoffe zurückzugewinnen. Die Schwarzlauge beispielsweise, die bei der Zellstoffherstellung übrig bleibt und mit besonders üblen Schadstoffen belastet ist, wird heute meist verbrannt, obwohl der Energieinhalt gering ist.

 

Völlig verstanden ist die Reinigungswirkung durch elektrischen Strom noch nicht. Aus diesem Grund arbeitet das Team jetzt an Methoden, die einzelne Schadstoffe gezielt entschärfen. Dabei hoffen die Forscher herauszufinden, welche Prozesse bei der oxidativen Umwandlung stattfinden, um die Effektivität zu erhöhen. Letztlich ist das Ziel der Einsatz in der Industrie. (pte)


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