PMI: Zweite Coronawelle bremst
bislang vor allem Dienstleister aus

PMI: Zweite Coronawelle bremst bislang vor allem Dienstleister aus
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Archiv | 05.12.2020 | Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) für die Industrie deutet darauf hin, dass die Erholung der Schweizer Industrie gegen Jahresende trotz der zweiten Coronawelle andauert. Die hohe Exportabhängigkeit und die solide Situation insbesondere in Asien dürften sich als Vorteil erweisen. Demgegenüber leidet der mehr auf den Binnenkonsum ausgerichtete Dienstleistungssektor unter der angespannten Situation hierzulande. Der Dienstleistungs-PMI weist auf einen leichten Rückgang der Aktivität in diesem Sektor hin. Der Rückgang ist jedoch deutlich geringer als derjenige in der ersten Welle im Frühling.

Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) für die Industrie ist im November um 2.9 Punkte nach oben geklettert und liegt mit einem Wert von 55.2 Zählern deutlich oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Obwohl die Schweiz im Herbst heftiger als erwartet von einer zweiten Coronawelle erfasst worden ist, notiert der Industrie-PMI seit August ununterbrochen in der Wachstumszone. Für die bessere Entwicklung als in der ersten Welle sind wohl zwei Gründe verantwortlich: Erstens funktionieren im Gegensatz zum Frühling heute die Lieferketten, und zweitens hat insbesondere Nordasien, namentlich China, aber auch Japan und Südkorea, die Pandemie im Griff. Von der Nachfrage aus Asien profitiert die Schweizer Industrie nicht nur direkt, sondern auch indirekt, beispielsweise als Zulieferer für die deutsche Automobilindustrie.

 

Regere Produktion und höherer Auftragsbestand

Sämtliche Subkomponenten, die in den Index einfliessen, sind im November nach oben geklettert. Die Produktion ist im November verbreitet gesteigert worden, die entsprechende Subkomponente hat dank einem Anstieg um 1.7 Punkte mit 56.8 Zählern den höchsten Stand seit Dezember 2018 erreicht. Auch der Auftragsbestand hat verbreitet zugenommen – der Novemberwert von 59.7 Zählern ist sogar der höchste seit August 2018. Der gute Auftragsbestand lässt in Zukunft Produktionssteigerungen erwarten.


Kapazitäten wieder besser ausgelastet
Zugenommen haben auch die Lieferfristen, was als Indikator für die Auslastung der Kapazitäten gilt. Anders als in der ersten Welle, wo die Lieferfristen länger geworden sind, weil die Lieferketten geschlossen waren, dürfte der Anstieg der entsprechenden Subkomponente um 1.3 Punkte auf 62.4 Zähler nunmehr tatsächlich als positives Zeichen zu werten sein. Zuversichtlich stimmt auch der Abbau der Lager. Die Bestände sowohl der Vorprodukte- als auch der Fertigproduktelager haben im November abgenommen. Beides deutet in Kombination mit der regen Produktion und einer unveränderten Einkaufsmenge darauf hin, dass die Nachfrage grösser als erwartet ausgefallen ist.

Konzept des PMI

Das Konzept des PMI ist einfach und wird in den USA seit über 50 Jahren mit Erfolg angewandt. Für die Schweizer PMI Industrie und Service liefern über 300 Einkaufsmanager mit ihren monatlichen Angaben anhand eines standardisierten Online-Fragebogens die Basis zum Index. Sie geben an, wie sich die Performance im laufenden Monat im Vergleich zum Vormonat verändert hat. Die Fragen sind qualitativer Art, d.h. die Einkaufsmanager schätzen ein, ob das Aktivitätsniveau höher, gleich oder tiefer liegt als im vorhergehenden Monat. Credit Suisse Economic Research kommentiert und analysiert die aggregierten Antworten.


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