PMI: Schweizer Wirtschaft
reagiert auf steigende Fallzahlen

PMI: Schweizer Wirtschaft reagiert auf steigende Fallzahlen
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Archiv | 07.11.2020 | Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) für den Dienstleistungssektor und derjenige für die Industrie haben im Oktober nachgegeben. Im mehr konsumorientierten Dienstleistungssektor ist die Erholung angesichts der zweiten Coronawelle bereits vor den verschärften Massnahmen des Bundesrates vom 28. Oktober zum Stillstand gekommen, in der Industrie dauert sie hingegen an.

Die befragten Unternehmen haben bereits Ende Oktober auf den Appell des Bundesrates zu mehr Homeoffice reagiert. Zum Umfragezeitpunkt (23. bis 27. Oktober) arbeitete wieder fast jeder zweite Angestellte im Dienstleistungssektor und fast jeder dritte in der Industrie von zu Hause aus – Zahlen, die insbesondere im Dienstleistungsbereich beinahe gleich hoch sind wie während des Lockdowns im Frühling.

 

Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) für die Industrie hat im Oktober um 0.7 Punkte nachgegeben. Mit einem Wert von 52.3 Zählern liegt er aber dennoch weiterhin oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, dies den dritten Monat in Folge. Die Erholung hat aber an Schwung eingebüsst. Sämtliche Subkomponenten, die in den Index einfliessen, gaben im Oktober nach, mit Ausnahme derjenigen, welche die Entwicklung der Lieferfristen abbildet.

 

Produktion und Auftragsbestand nehmen nur noch wenig zu
So nahm im Oktober zwar die Produktion nach wie vor zu, jedoch weniger verbreitet als im Vormonat. Die entsprechende Subkomponente ist innerhalb der Wachstumszone um 1.3 Punkte abgesunken und notiert nunmehr auf 55.2 Zählern. Gesunken ist auch die Subkomponente «Auftragsbestand» und zwar um 1.4 Punkte. Mit 53.1 Zählern deutet sie zwar auf einen steigenden Auftragsbestand hin, doch hat sich die Zunahme bereits wieder verlangsamt. Der Personalabbau hat sich wieder etwas beschleunigt («Beschäftigung» notiert mit 44.1 Zählern auf dem tiefsten Stand seit Juni dieses Jahres), gleichzeitig hat aber zumindest gemäss Zusatzfrage die Nutzung der Kurzarbeit im Oktober weiter abgenommen, wenn auch nur leicht. Die befragten Unternehmen gaben an, dass durchschnittlich 14% der Belegschaft in Kurzarbeit ist und damit etwas weniger als im Vormonat (16%) und halb so viel wie auf dem Höhepunkt im Mai (28%).


Erste Indizien für schlechtere Versorgungslage
Ebenfalls abgenommen haben die Lagerbestände und zwar sowohl diejenigen an Vor- als auch diejenigen an Fertigprodukten. Sinkende Fertigproduktelager sind in der Regel ein Zeichen für eine überraschend starke Nachfrage. Dies scheint derzeit aber eher unwahrscheinlich zu sein. Die Abnahme der Vorproduktelager deutet demgegenüber wohl darauf hin, dass sich die Versorgungslage als wieder schwieriger präsentiert. Schliesslich haben im Oktober auch die Lieferfristen wieder merklich zugenommen. Die entsprechende Subkomponente kletterte jedenfalls um 7.1 Punkte nach oben und deutet mit 61.2 Zählern auf längere Lieferzeiten hin.

Konzept des PMI

Das Konzept des PMI ist einfach und wird in den USA seit über 50 Jahren mit Erfolg angewandt. Für die Schweizer PMI Industrie und Service liefern über 300 Einkaufsmanager mit ihren monatlichen Angaben anhand eines standardisierten Online-Fragebogens die Basis zum Index. Sie geben an, wie sich die Performance im laufenden Monat im Vergleich zum Vormonat verändert hat. Die Fragen sind qualitativer Art, d.h. die Einkaufsmanager schätzen ein, ob das Aktivitätsniveau höher, gleich oder tiefer liegt als im vorhergehenden Monat. Credit Suisse Economic Research kommentiert und analysiert die aggregierten Antworten.


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