PMI: Neue Tiefstände

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PMI sinkt weiter

PMI: Neue Tiefstände
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Materialwirtschaft
Archiv | 09.05.2020 | Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) für die Industrie und der PMI für den Dienstleistungssektor sind im April weiter gesunken – die Abwärtsbewegung hat sich aber zumindest etwas verlangsamt. Gleichzeitig ist aber die Beschaffung von Vorleistungen noch einmal schwieriger geworden, unter anderem auch im Inland.

Beinahe zwei Drittel aller Unternehmen haben Kurzarbeit beantragt, insgesamt liegen Anträge für mehr als einen Drittel aller Angestellten vor. Im Durchschnitt wird die beantragte Kurzarbeit von zwei Dritteln der Industrie- und von rund 80% der Dienstleistungsunternehmen tatsächlich genutzt. Demnach sind ein Fünftel der Beschäftigten in der Industrie und ein Drittel im Dienstleistungssektor derzeit in Kurzarbeit.

 

Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) ist im April 2020 abermals gesunken, wenn auch etwas weniger stark als im März. Damals, unmittelbar nach Ankündigung des Lockdowns, verlor der PMI 5.9 Punkte. Ende April, nach Ankündigung der Lockerungen, sind es 2.9 Zähler (korrekt gerundet). Mit einem Stand von 40.7 Zählern liegt der PMI nur noch unwesentlich über den Tiefstständen der Finanzkrise von 2008/2009.

 

Der PMI käme im April sogar auf einen neuen Tiefststand zu liegen, wenn berücksichtigt wird, dass die derzeit längeren Lieferfristen kein positives, sondern ein negatives Zeichen sind. Die Subkomponente «Lieferfristen» notiert im April mit 72.8 Zählern weit über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Normalerweise deuten längere Lieferfristen auf höhere Kapazitätsauslastungen hin, weshalb ein Subkomponentenanstieg positiv in den Gesamt-PMI-Index einfliesst (Gewicht 20%). Derzeit dürften die Lieferfristen aber nicht wegen der Kapazitätsauslastung, sondern wegen Lieferunterbrüchen durch Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus länger werden. In einer entsprechenden Zusatzfrage sind am häufigsten Probleme mit Importen aus Italien genannt worden. Verbreitet schlechter geworden ist auch die Verfügbarkeit von Gütern aus Deutschland und der Schweiz – beinahe 80% der Unternehmen melden hier eine Verschlechterung. In Bezug auf China haben doch immerhin 14% angegeben, dass sich die Lage im Vergleich zum Vormonat verbessert hat.

Konzept des PMI

Das Konzept des PMI ist einfach und wird in den USA seit über 50 Jahren mit Erfolg angewandt. Für die Schweizer PMI Industrie und Service liefern über 300 Einkaufsmanager mit ihren monatlichen Angaben anhand eines standardisierten Online-Fragebogens die Basis zum Index. Sie geben an, wie sich die Performance im laufenden Monat im Vergleich zum Vormonat verändert hat. Die Fragen sind qualitativer Art, d.h. die Einkaufsmanager schätzen ein, ob das Aktivitätsniveau höher, gleich oder tiefer liegt als im vorhergehenden Monat. Credit Suisse Economic Research kommentiert und analysiert die aggregierten Antworten.


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