PMI: Dynamische Erholung
und steigende Einkaufspreise

PMI: Dynamische Erholung und steigende Einkaufspreise
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Archiv | 06.03.2021 | Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) für die Industrie zeigt, dass die Erholung der Schweizer Industrie auch im Februar andauert. Die hohe Exportabhängigkeit und die solide Situation insbesondere in Asien dürften sich als Vorteil erweisen. Höhere Transportkosten insbesondere aus Übersee sowie gestiegene Rohstoffkosten lassen derweilen die Einkaufspreise verbreitet stiegen.

Der mehr auf den Binnenkonsum ausgerichtete Dienstleistungssektor konnte im Februar wieder etwas Schwung aufnehmen, nachdem er zuvor während vier Monaten auf der Stelle getreten bzw. sogar leicht geschrumpft war. Weiterhin werden jedoch Stellen abgebaut und der Bezug von Kurzarbeit hat wieder zugenommen – wenn auch in deutlich geringerem Ausmass als zu Beginn der Coronakrise. Dass die Verkaufspreise weniger verbreitet ansteigen als die Einkaufspreise, deutet auf einen nur geringen lokalen Aufwärtsdruck auf die Preise hin.

 

Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) für die Industrie ist im Februar um 1.8 Punkte nach oben geklettert. Mit einem Wert von 61.3 Zählern liegt er auf dem höchsten Stand seit August 2018 und den siebten Monat in Folge oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten (vgl. Abb. 1). Die Erholung der Industrie dauert demnach nicht nur an, sondern sie hat sogar abermals an Breite gewonnen. Die Produktion konnte verbreitet gesteigert werden und der Auftragsbestand nahm zu; die entsprechenden Subkomponenten der PMI-Umfrage notierten weit in der Wachstumszone auf Ständen wie zuletzt im Spätsommer 2018.


Industrie von Stärke der Nachfrage überrascht
Gleichzeitig lassen die trotz reger Produktion und gesteigerter Einkaufsmengen sinkenden Bestände in den Verkaufs- und Einkaufslagern auf eine überraschend starke Nachfrage schliessen. Entsprechend werden hierzulande sogar bereits die Kapazitäten ausgebaut: So haben die Industrieunternehmen den dritten Monat in Folge insgesamt Personal aufgebaut und dies erst noch mit einer abermals leicht höheren Dynamik als in den Vormonaten. Wermutstropfen ist aber, dass die Nutzung der Kurzarbeit gemäss separater Frage wieder etwas zugenommen hat. Im Februar waren rund 16% der Beschäftigten in der Industrie von Kurzarbeit betroffen, dies nach je rund 10% in den beiden Vormonaten. Der Februar-Wert liegt aber immer noch deutlich unter dem Höhepunkt im Mai des vergangenen Jahres (28%).


Verbreitet steigende Preise

Verbreitet angestiegen sind im Berichtsmonat die Einkaufspreise. Die entsprechende Subkomponente kletterte um 6.4 Punkte nach oben und liegt mit 71.9 Zählern auf einem Stand, wie er bisher nur selten erreicht worden ist (Kurzzeitig jeweils in den Jahren 2000, 2004, 2006 und 2018). Teurerer wurden vor allem Güter aus Übersee (Transport), aber auch generell Rohstoffe sowie Elektronikkomponenten. Offensichtlich vermag in diesen Bereichen das Angebot global nicht mit der Nachfrageerholung Schritt zu halten. Dementsprechend sind auch im Februar die Lieferfristen verbreitet länger geworden, auch wenn im Vergleich zum Januar eine gewisse Entspannung zu beobachten war. Die entsprechende Subkomponente jedenfalls ist im Februar um 2.2 Punkte gesunken. Sie notiert mit einem Stand von 75.5 Zählern aber weiterhin auf einem im historischen Vergleich überdurchschnittlich hohen Wert.

Konzept des PMI

Das Konzept des PMI ist einfach und wird in den USA seit über 50 Jahren mit Erfolg angewandt. Für die Schweizer PMI Industrie und Service liefern über 300 Einkaufsmanager mit ihren monatlichen Angaben anhand eines standardisierten Online-Fragebogens die Basis zum Index. Sie geben an, wie sich die Performance im laufenden Monat im Vergleich zum Vormonat verändert hat. Die Fragen sind qualitativer Art, d.h. die Einkaufsmanager schätzen ein, ob das Aktivitätsniveau höher, gleich oder tiefer liegt als im vorhergehenden Monat. Credit Suisse Economic Research kommentiert und analysiert die aggregierten Antworten.


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