PMI: Dynamische Erholung
auch im Dienstleistungssektor

PMI: Dynamische Erholung auch im Dienstleistungssektor
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Archiv | 03.07.2021 | Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) für die Industrie ist im Juni leicht gesunken und kann damit den historischen Höchststand vom Mai nicht ganz halten (vgl. Abb. 1). Mit einem Wert von 66.7 Punkten liegt der PMI aber nach wie vor derart weit über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, dass die Erholung in der Industrie als Boom bezeichnet werden kann. Weiterhin herrscht Knappheit, und verbreitet steigen die Preise. Der Personalaufbau verläuft indes nach wie vor schleppend, die Kurzarbeit hat aber wesentlich an Bedeutung verloren.

Der Dienstleistungs-PMI ist im Juni auf den dritthöchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Januar 2014 geklettert. Offensichtlich gewinnt die Erholung im mehr auf den Binnenkonsum ausgerichteten Dienstleistungssektor mit den jüngsten Lockerungen der Corona-bedingten Einschränkungen deutlich an Fahrt. Die Arbeitsmarktlage entspannt sich insofern, als dass die Nutzung der Kurzarbeit massiv abnimmt.

 

PMI Industrie
Im Juni hat der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) für die Industrie von seinem historischen Höchststand vom Vormonat leicht nachgegeben (–3.1 Punkte). Der Juni-Wert von 66.7 Zählern entspricht aber immer noch dem dritthöchsten je gemessenen Monatswert seit Beginn der Erhebung 1995. Gesunken ist der PMI aufgrund weniger hoher Stände der Subkomponenten «Produktion», «Lieferfristen» und «Auftragsbestand». Der Blick auf die Subkomponenten lässt indes noch wie vor den Schluss zu, dass die Erholung in der Industrie äusserst dynamisch erfolgt. Offensichtlich herrscht nach wie vor Knappheit, und die Einkaufspreise steigen.

 

Verkäufer bestimmen derzeit die Preise
Die Umfrageteilnehmer orten vor allem bei elektronischen Komponenten und Kunststoffen längere Lieferfristen. Diese beiden Vorprodukte wurden zudem auch teurerer, genauso wie Metalle, Holz oder Stahle. Als Grund für die Preissteigerungen wurde am meisten genannt, dass das Angebot und die Transporte nicht mit der Nachfrage Schritt halten können. Dies, weil die Nachfrage überraschend hoch ist und das Angebot gleichzeitig immer noch durch Massnahmen gegen das Coronavirus eingeschränkt ist. Generell wird von einem «Verkäufermarkt» gesprochen, bei dem die Anbieter die Preise bestimmen
können.


Verhaltener Kapazitätsaufbau
Trotz Knappheit und den besseren Auslastungen werden die Kapazitäten hierzulande nur vergleichsweise schleppend ausgebaut: So haben die Industrieunternehmen zwar den siebten Monat in Folge insgesamt Personal aufgebaut. Die Dynamik des Personalaufbaus ist aber nach wie vor eher verhalten, die Subkomponente «Beschäftigung » liegt mit 57.7 Zählern unter ihren Höchstständen. Die Unternehmen haben aber zumindest die Nutzung der Kurzarbeit deutlich reduziert. Im Durchschnitt war im Juni noch 2% der Industriebeschäftigten davon betroffen und damit deutlich weniger als im Februar 2021 (16%) oder im Lockdown vor einem Jahr (Höchststand im Mai 2020: 28%).

Konzept des PMI

Das Konzept des PMI ist einfach und wird in den USA seit über 50 Jahren mit Erfolg angewandt. Für die Schweizer PMI Industrie und Service liefern über 300 Einkaufsmanager mit ihren monatlichen Angaben anhand eines standardisierten Online-Fragebogens die Basis zum Index. Sie geben an, wie sich die Performance im laufenden Monat im Vergleich zum Vormonat verändert hat. Die Fragen sind qualitativer Art, d.h. die Einkaufsmanager schätzen ein, ob das Aktivitätsniveau höher, gleich oder tiefer liegt als im vorhergehenden Monat. Credit Suisse Economic Research kommentiert und analysiert die aggregierten Antworten.


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