PMI: Bislang nur milde Ansteckungssymptome

PMI: Bislang nur milde Ansteckungssymptome
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Archiv | 07.03.2020 | Der procure.ch Purchasing Managers’ Index (PMI) ist im Februar angestiegen und notiert mit 49.5 Zählern nur noch leicht unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten auf dem höchsten Stand seit März 2019. Ein Teil des Indexanstiegs ist aber längeren Lieferfristen zu verdanken, was im derzeitigen Umfeld kein positives Zeichen ist.

Der PMI ist im Februar 2020 um 1.7 Punkte nach oben geklettert. Mit 49.5 Zählern notiert er nunmehr auf dem höchsten Stand seit März 2019 und vergleichsweise wenig unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Positiv stimmt, dass das Produktionsniveau im Vergleich zum Vormonat beinahe gehalten werden konnte (die entsprechende Subkomponente kam dank eines Anstiegs um 2.9 Punkte auf 49.2 Zähler ebenfalls nahe an die Wachstumsschwelle) und die Subkomponente «Beschäftigung» sogar über dieser notiert – Spiegelbild dafür, dass sich die Arbeitsmarktlage nicht eintrübt. Verhaltener präsentiert sich hingegen die Auftragslage: Mit 45.6 Zählern liegt die Subkomponente «Auftragsbestand» deutlich unterhalb der Wachstumszone, was in Zukunft keine Produktionssteigerungen erwarten lässt.

 

Es gibt jedoch Probleme in den Lieferketten
Der Anstieg der Lieferfristen – die entsprechende Subkomponente ist im Februar um 8.1 Punkte auf 55.9 Zähler gesprungen – ist im gegenwärtigen Umfeld kein gutes Zeichen (vgl. Abb. 2). Normalerweise deuten längere Lieferfristen auf höhere Kapazitätsauslastungen hin, weshalb ein Subkomponentenanstieg positiv in den Gesamt-PMI-Index einfliesst (Gewicht 20%). Derzeit dürften die Lieferfristen aber nicht wegen Kapazitätsauslastung, sondern wegen Lieferunterbrüchen durch Massnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus länger werden. Offensichtlich gibt es erste Probleme in den Lieferketten.


Weder Hamsterkäufe noch starker Lagerabbau
Noch scheinen die Herausforderungen in der Logistik aber überschaubar zu sein, zeigen die Lagerveränderungen der Unternehmen doch keine Auffälligkeiten: Der Lagerbestand an Vor- und Fertigprodukten war verbreitet unverändert zum Vormonat. Demnach sind in der aktuellen PMI-Umfrage zwar erste Ansteckungszeichen des Virusausbruchs für die Schweizer Wirtschaft sichtbar, diese sind aber nach wie vor vergleichsweise mild.

Konzept des PMI

Das Konzept des PMI ist einfach und wird in den USA seit über 50 Jahren mit Erfolg angewandt. Für die Schweizer PMI Industrie und Service liefern über 300 Einkaufsmanager mit ihren monatlichen Angaben anhand eines standardisierten Online-Fragebogens die Basis zum Index. Sie geben an, wie sich die Performance im laufenden Monat im Vergleich zum Vormonat verändert hat. Die Fragen sind qualitativer Art, d.h. die Einkaufsmanager schätzen ein, ob das Aktivitätsniveau höher, gleich oder tiefer liegt als im vorhergehenden Monat. Credit Suisse Economic Research kommentiert und analysiert die aggregierten Antworten.


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