Neuer Test erkennt Infektionen binnen Minuten

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Technologie der McMaster University
verspricht schnelle, exakte Diagnose beim Arzt ohne Labor

Neuer Test erkennt Infektionen binnen Minuten
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Test-Stick am Smartphone: liefert Ergebnis auf das Handy (Foto: mcmaster.ca)
Archiv | 10.07.2021 | Eine exakte Diagnose im Krankheitsfall erfordert bislang oft längeres Warten auf Labortests. Eine Entwicklung von Forschern der kanadischen McMaster University könnte das für Infektionskrankheiten unnötig machen. Denn der Schnelltest in der Größe eines USB-Sticks verspricht eine genaue, zuverlässige Bestimmung von Erregern in weniger als einer Stunde. Dadurch könnten Hausärzte praktisch sofort mit der wirklich richtigen Behandlung beginnen.

Schnelle Klarheit

Das Gerät nutzt DNA-basierte Technologie. Ein Mikrochip analysiert einen Tropfen Blut, Speichel oder Urin mithilfe von Molekülen, um die charakteristische Protein-Signatur einer Infektion nachzuweisen. Der Stick wird dann an ein Smartphone gesteckt, um die Ergebnisse anzuzeigen. In "Nature Chemistry" beschreibt das Team konkret, dass das mit echten Proben für Harnwegsinfekte funktioniert. Die Forscher haben nun daran gearbeitet, derart diverse Bakterien und Viren nachzuweisen. "Das wird Ärzten Fakten geben, um zu stützen, was sie aufgrund ihrer Fähigkeiten und Erfahrung vermuten", sagt Yingfu Li, McMaster-Professor für Biochemie und Biomedizin.

 

Mit dem Schnelltest ließe sich also direkt in der Arztpraxis ermitteln, was genau der Patient hat, statt auf einen Labortest warten zu müssen. "Dies bedeutet, dass Patienten eine bessere Behandlung bekommen und schwerwiegende Komplikationen vermeiden könnten", meint Leyla Soleymani, McMaster-Professorin für Technische Physik. Nicht nur für den Einzelnen wichtig ist, dass sich somit Fehlbehandlungen verhindern lassen dürften. "Das könnte unnötige Antibiotikagabe vermeiden, was uns Zeit im Kampf gegen Antibiotikaresistenz verschaffen könnte", betont Soleymani.

 

Breit anwendbar

Die Technologie soll einerseits durch ihre Vielseitigkeit punkten. So arbeitet das Team derzeit auch daran, damit COVID-19 nachzuweisen. Die Forscher wollen zudem testen, ob der Ansatz neben Bakterien und Viren auch Krebsmarker nachweisen kann. Jedenfalls befasst man sich bei der McMaster University schon mit dem regulatorischen Rahmen für eine Zulassung sowie möglichen Industriepartnerschaften, damit die Technologie bald zum Praxiseinsatz kommt - und das nicht nur in Kanada. Denn sie könnte gerade in jenen Teilen der Welt von großem Nutzen sein, wo Labortests und damit gesicherte Diagnosen ohnehin schwer möglich sind. (pte)


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