100 Jahre Krisen. Und kein bisschen müde.

100 Jahre Krisen. Und kein bisschen müde.
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22.08.2026 | Die Schweizer MEM-Industrie hat Weltwirtschaftskrisen, zwei Weltkriege, Ölkrisen, den Frankenschock, die Finanzkrise, die Covid-19-Pandemie und zahlreiche weitere Herausforderungen überstanden. Eine neue Studie von Swissmechanic und BAK Economics zeigt, warum die Branche trotz dieser Krisen bis heute zu den tragenden Säulen des Werkplatzes Schweiz gehört – und weshalb die Zukunft neue Antworten verlangt.

Wer heute über die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie spricht, verbindet dies oft mit Fachkräftemangel, steigenden Kosten, geopolitischen Unsicherheiten oder internationalem Wettbewerb. Der Blick richtet sich meist auf die aktuellen Herausforderungen. Doch wie entwickelt sich eine Branche wirklich, wenn man nicht nur einzelne Jahre, sondern gleich ein ganzes Jahrhundert betrachtet?

 

Genau dieser Frage ist BAK Economics im Auftrag von Swissmechanic nachgegangen. Die Studie analysiert erstmals die Entwicklung der Schweizer MEM-Industrie über einen Zeitraum von 100 Jahren – von 1925 bis heute. Das Ergebnis überrascht.

 

Reale Wertschöpfung


Die historische Auswertung zeigt, dass Krisen die Branche seit jeher begleitet haben. Weltwirtschaftskrise, Krieg, Ölkrisen, Finanzkrise oder Pandemie führten immer wieder zu Rückschlägen. Trotzdem ist es den Unternehmen gelungen, sich laufend an neue Rahmenbedingungen anzupassen. Die reale Wertschöpfung der Schweizer MEM-Industrie hat sich seit 1925 mehr als versiebenfacht. Die Studie zeichnet damit ein differenziertes Bild und widerspricht der oft geäusserten Annahme eines generellen Niedergangs der Industrie. 

 

Angespannte Auftragslage


Die Untersuchung macht aber auch deutlich, dass sich die Herausforderungen verändert haben. Während Unternehmen früher meist auf einzelne Krisen reagieren mussten, wirken heute mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig. Wechselkurs, Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten, Fachkräftemangel und eine angespannte Auftragslage erhöhen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen die Komplexität. Damit gewinnen verlässliche wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen weiter an Bedeutung. 

 

Für Swissmechanic ist die Studie deshalb weit mehr als ein Blick in die Vergangenheit. Sie liefert eine fundierte Grundlage für die Frage, wie sich der Werkplatz Schweiz auch künftig erfolgreich behaupten kann. Gleichzeitig zeigt sie, dass sich nicht nur Unternehmen laufend weiterentwickeln müssen, sondern auch ihr Branchenverband.

«Wer glaubt, die Schweizer Industrie habe
einfach Glück gehabt, unterschätzt ihre Geschichte.»

«Wer glaubt, die Schweizer Industrie habe einfach Glück gehabt, unterschätzt ihre Geschichte.»
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Erich Sannemann, Hand aufs Herz: Hätten Sie gedacht, dass die Schweizer MEM-Industrie nach einem Jahrhundert voller Krisen heute noch so stark dasteht?


Erich Sannemann: Ehrlich gesagt: Ja – aber nicht in dieser Deutlichkeit. Die Studie zeigt eindrücklich, dass Krisen für unsere Branche nie die Ausnahme waren. Entscheidend war vielmehr, dass sich die Unternehmen immer wieder neu erfunden haben. Diese Anpassungsfähigkeit ist bis heute eine der grössten Stärken des Werkplatzes Schweiz.

 


Die Studie widerspricht in Teilen dem Bild einer Industrie im Niedergang. Was bedeutet das für die öffentliche Diskussion?


Erich Sannemann: Die Zahlen zeigen ein differenzierteres Bild. Natürlich stehen viele Unternehmen unter Druck und die Herausforderungen sind real. Gleichzeitig belegt die Studie, dass die MEM-Industrie seit Jahrzehnten einen wesentlichen Beitrag zu Wohlstand, Innovation und Beschäftigung leistet. Diese langfristige Perspektive geht in der öffentlichen Diskussion manchmal vergessen.

 


Wenn die Branche so widerstandsfähig ist – warum braucht es dann überhaupt Veränderung?


Erich Sannemann: Weil sich die Herausforderungen verändert haben. Früher standen oft einzelne Krisen im Vordergrund. Heute treffen mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig auf die Unternehmen – vom Fachkräftemangel über geopolitische Unsicherheiten bis hin zu steigenden Energiekosten. Gerade für KMU macht das den Alltag deutlich anspruchsvoller.

 


Was bedeutet diese Entwicklung für Swissmechanic?


Erich Sannemann: Die Studie ist für uns mehr als ein Blick zurück. Sie ist ein Auftrag für die Zukunft. Wenn sich die Bedürfnisse unserer Mitglieder verändern, muss sich auch der Verband weiterentwickeln. Wir wollen unsere Mitgliedunternehmen noch gezielter unterstützen, ihre Interessen wirkungsvoll vertreten und dort Mehrwert schaffen, wo sie ihn am dringendsten benötigen. Ein moderner Verband muss zuhören, mitgestalten und Orientierung geben.

 


Wenn wir uns in 25 Jahren wieder zu einem Jubiläum treffen – woran sollte man Swissmechanic messen?


Erich Sannemann: Daran, ob wir unseren Mitgliedern geholfen haben, erfolgreich zu bleiben. Ein Verband ist kein Selbstzweck. Er muss Unternehmen vernetzen, Wissen vermitteln, ihre Anliegen vertreten und sich für gute Rahmenbedingungen einsetzen. Wenn wir unseren Mitgliedern helfen, auch kommende Herausforderungen erfolgreich zu meistern, dann haben wir unseren Auftrag erfüllt.


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