Wie viele Chancen haben Sie sich schon verbaut?

18.09.2013 | Ein Erfinder, der mit seinem neuen Produkt heute viel Geld verdient, hat geklagt, dass er fünf Jahre lang die CEO’s und Inhaber von entsprechenden Firmen bearbeiten musste, bis sich endlich jemand kooperativ zeigte und das Produkt in den Markt brachte. Es sei zwar eine kleine Firma gewesen, doch in sechs Jahren hat sie ihren Umsatz – dank des Produktes des Erfinders - versiebenfacht.

Der Erfinder spricht vom „Vakuum-Syndrom“, das in den Chefetagen herrsche. Jeder versuche sich nach aussen völlig abzuschotten, damit er intern in einem „Kreativitätsvakuum“ leben könne, das keine Probleme kenne. Neue Ideen, die vielleicht die Firma weiterbringen könnte, seien unerwünscht, denn sie könnten Veränderungen bedingen. Aus der fünfjährigen Akquisitionszeit für sein Produkt hat er die meist gleichlautenden Aussagen der CEO’s und Inhaber in vier Gruppen zusammengestellt:

  1. Momentan habe ich keine Zeit, aber sie können das Produkt mit unserem Mitarbeiter für Produkteentwicklung besprechen (was dazu führt, dass der Produkteentwickler das Produkt ablehnt, denn es ist nicht auf seinem Mist gewachsen).
     
  2. Wo existiert das Produkt schon und wie verkauft es sich? (Das zeigt die Unsicherheit der Chefs und fehlender Mut für Entscheide. Sicherheitsdenken torpediert Innovation).
     
  3. Danke für das Angebot, aber wir haben eine eigene Produkteentwicklung für den Markt von morgen (Augen verschliessen vor anderen Möglichkeiten zeigt eine Konzentration auf „Inhouse-Rezepte“, die vielleicht plötzlich nicht mehr marktfähig sind).
     
  4. In den nächsten drei Monaten habe ich keine Zeit, aber rufen Sie mich doch nachher wieder an (Ein Chef, der auf so lange Zeit ausgebucht ist, ist – gelinde gesagt – unfähig zur Delegation von Aufgaben).

Der Erfinder hat die Chefs für Ihre Abwehrmechanismen entschuldigt, er meint, dies entstünde halt so, weil viele Anbieter im B2B-Geschäft die Zeit der Chefs unnötig beanspruchen würden. Aber die Chefs müssten ein Sensorium entwickeln, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Durch generelle Abwehr werden enorme Chancen verbaut. Ein Chef braucht „Agility“. Er muss offen sein, um sich über etwas orientieren zu lassen und blitzschnell erkennen können, welche Chancen sich damit eröffnen. Offen für Neues sein, das ist in der heutigen schnelllebigen Zeit besonders wichtig. „Nein“ kann man immer noch sagen, aber wer schon am Anfang auf ein „Nein“ programmiert ist, der verbaut sich Chancen.
 
übrigens: Eine grosse Firma, die vom Erfinder kontaktiert wurde und von der er eine Absage erhielt, ist momentan daran, die kleine Firma, die des Erfinders Produkt herstellt und vertreibt, aufzukaufen. Kaufpreis zwischen € 80 – 100 Mio. Hätte der CEO der grossen Firma am Anfang die Chance gepackt, dann wäre der Markt in seinen Händen. Jetzt kostet es tüchtig Geld. Glück für ihn, dass es nicht sein eigenes Geld ist, sondern das der Gesellschafter oder Aktionäre.


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