Vertrauen

06.07.2012 | Ein Wort im Sprachgebrauch aller Menschen. Seine Bedeutung wird jedoch verkannt. Jeder Mensch weiss von Erlebnissen zu erzählen, in denen sein Vertrauen missbraucht wurde. Deshalb existiert das Sprichwort: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Doch ohne Vertrauen könnten wir nicht leben. Wir vertrauen dem Metzger, dass er uns gutes Fleisch liefert. Wir vertrauen der Post, dass sie unsere Briefe an den richtigen Ort transportiert. Wir vertrauen den Ärzten, die uns narkotisieren. Wir vertrauen der Luftverkehrsführung und den Piloten, dass sie uns sicher in den Urlaub bringen und wir vertrauen allen in Gegenrichtung fahrenden Autofahrern, dass sie auf der andern Seite der Mittellinie bleiben. Vertrauen gehört zu unserem Alltag. Ohne Vertrauen könnten wir in einer Gemeinschaft nicht leben.

Unsere ganze Wirtschaft baut auf Vertrauen. Laut Wikipedia ist Vertrauen die subjektive überzeugung von der Richtigkeit, Wahrheit und Redlichkeit von Handlungen, Einsichten und Aussagen. Ohne Vertrauen unter geschäftlichen Partnern hätten wir eine hundertfach so grosse und unnötige Nebenwirtschaft aus Rechtsanwälten und Textern von Bestimmungen. Jean Paul Getty sagte: Wenn man einem Menschen vertraut, erübrigt sich ein Vertrag. Wenn man ihm nicht trauen kann, ist ein Vertrag nutzlos.

Wenn wir erfolgreich eine Firma betreiben wollen, dann brauchen wir das Vertrauen der Kunden, der Mitarbeiter, der Zulieferer, der Geldgeber und der öffentlichkeit. Vertrauen regelt Geschwindigkeit, Qualität, Perfektion und Menge. Vertrauen fördert Zusammenarbeit, Mitdenken anderer, Sonderleistungen und nachhaltige Geschäftsbeziehungen. Aber gerade dieses Vertrauen wird von Handlungen belastet, die hohes Misstrauen erzeugen. Das Misstrauen gegenüber Banken ist gestiegen, die ihren Kunden durch eigene Masslosigkeit Verluste bescherten. Skrupellose Verarbeiter und Händler von Lebensmitteln haben die Gesundheit ihrer Kunden riskiert. Das Fälschen hochwertiger Produkte hat schon fast Alltagscharakter und Betrügereien mit Stundenabrechnungen werden mit Achselzucken hingenommen. Die Erkenntnis, dass Misstrauen hohe Nebenkosten bewirkt, scheint in vielen Köpfen noch nicht real vorhanden zu sein. Misstrauen fördert Angst, Vorsichtsmassnahmen, Kontrollwut, Kritik, Auseinandersetzung, Verzögerungen und unnötige schriftliche «reports». Diese Kosten belasten Produkte und Dienstleistungen mit bis zu 27% des Endbetrages (Quelle Harvard). Aber um diese Kosten zu senken, brauchen heutige Manager ein Umdenken. Eine auf Absicherung basierende Haltung, oder eine gewinnmaximierende Denkweise, die minimale Kleinigkeiten in der Zusammenarbeit moniert, sind nicht en vogue und bringen keine Verbesserungen der Rentabilität.

Vertrauen ist eine Sache der menschlichen Grösse. Matthias Claudius sagte: Die grössste Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat. Sicher ist, dass es ein paar wenige charakterlose Menschen gibt, die das entgegengebrachte Vertrauen missbrauchen. Aber menschliche Grösse beinhaltet, sich nicht an denen zu orientieren und weiterhin auf Vertrauen zu bauen. Denn Misstrauen ist weder ein förderlicher Zustand noch Basis einer hoffnungsvollen Beziehung.

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