Unternehmenskultur in Zeiten der Digitalisierung

Unternehmenskultur in Zeiten der Digitalisierung
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11.04.2017 | Als Strategieberater bin ich immer wieder mit dem Problem konfrontiert, dass Unternehmen den "strategischen Fit" nicht erzeugen können und dadurch die Umsetzung der Unternehmensstrategien nicht gelingen will.

Unternehmen können durch falsche Reaktionen auf Veränderungen - aufgrund falscher Strategie- grosse Probleme bekommen. Nehmen wir ein beliebtes Beispiel: Mit analogen Filmen war Kodak die Nummer eins. Dass die Zukunft der Fotografie digital sein wird, wurde verkannt. Der Vorsprung der Mitbewerber war plötzlich so gross, dass Kodak weit abgeschlagen in die Insolvenz ging. Doch warum konnte Kodak nicht mehr aufholen und was können wir in Zeiten der Digitalisierung daraus lernen?

 

Der heutige Erfolg als grösste strategische Gefahr
 

Alles läuft gut, die Zahlen stimmen. Schnell entwickelt sich eine gewisse Trägheit. Neue Möglichkeiten oder Gefahren werden nicht erkannt oder einfach ignoriert. Man verdient schliesslich Geld. Nichts ist also abwegiger, als das rentable Geschäftsmodell zu zerstören, neue Geschäftsfelder zu finden und das Kapital sowie die Ressourcen für etwas Neues zu verwenden. Führt man sich die Auswirkungen der Digitalisierung vor Augen, so sind wir heute - also genau jetzt - in einer Zeit voller neuer Möglichkeiten, aber auch in einer Zeit voller Gefahren.
 

Der «strategische Fit»
 

Es ist gut möglich, dass eine neue Strategie weit überdehnt - also das bestehende Geschäftsmodell völlig auf den Kopf stellt. Im Beispiel von Kodak wäre dieses überdehnen, also die schrittweise Zerstörung des bestehenden hochrentablen Geschäftsmodells aber notwendig gewesen.

Umsetzung von Strategien bedeutet Veränderung. Die Unternehmenskultur muss diese Veränderung mittragen können. Menschen haben eine natürliche Aversion gegenüber Veränderungen. Schnell gibt es hohe Reibungsverluste, weil Mitarbeiter aufgrund ihrer Ängste Veränderungen blockieren. Dieses Problem ist essentiell. Wird der Wandel und die Strategie von den Mitarbeitern nicht verstanden und unterstützt, ist eine Umsetzung der Strategie nahezu unmöglich. In Zeiten des Wandels sind daher die Führungskräfte stark gefordert und leider manchmal auch völlig überfordert.

Das wichtigste ist jedoch, dass die Strategie zum Umfeld des Unternehmens passt. Zum Markt und dem reellen Kundenbedürfnis. Die Strukturen, die Unternehmenskultur und die Marktbedürfnisse müssen in einer umsetzbaren Strategie perfekt aufeinander abgestimmt werden. Passt alles zueinander, spricht man vom strategischen Fit.

Kodak war nicht fähig- oder willens- die Gefahr neuer Technologien rechtzeitig zu erkennen. Doch eine Eigenschaft der Digitalisierung ist die hohe Geschwindigkeit des Wandels. Der Wandel zur Digitalfotografie war so rasant, dass ein Konzern wie Kodak- Erfinder der Digitalfotografie- kaum noch reagieren konnte. Die etablierte und gefestigte Unternehmenskultur, das Denken der Führungskräfte und die Gewohnheiten der Mitarbeiter liessen sich im Fall von Kodak nicht mehr "rechtzeitig" ändern. Der strategische Fit konnte nicht mehr hergestellt, werden da sich Konzerne aufgrund ihrer Grösse kaum von sich aus Wandeln können. Trotz einem Umschwenken in Richtung Digitalfotografie musste Kodak schlussendlich insolvenz anmelden. Es war einfach keine Zeit zum Wandel mehr übrig.
 

KMU könnten es eigentlich besser
 

Die Umstrukturierung eines Konzerns benötigt einiges an Zeit. Allein das Wort Umstrukturierung für sich allein, löst Ängste und Widerstände aus. Das Management ist in einem Konzern aber oftmals weit weg von den Mitarbeitern, die den Wandel umsetzen. Wenn die Zeit für den Umbruch knapp ist, so sind dies denkbar schlechte Voraussetzungen.

In KMU sind Abläufe viel einfacher und Informationswege kürzer. Man ist sich näher. KMU haben also beste Voraussetzungen für einen Wandel ins digitale Zeitalter. Leider ist die Strategiearbeit in KMU sehr oft nebensächlich. Man ist gefangen im Alltagsgeschäft und die Führungskräfte finden kaum Zeit für eine geplante Strategiearbeit. Eine gewisse Betriebsblindheit, gefangen sein im Alltag und eine Resistenz gegenüber externer Beratung führen in KMU zu vergebenen Chancen und unerkannten Gefahren. Mit einer regelmässigen strategischen Planung, externer Beratung, Kreativität und auch etwas Mut, können KMU den Weg der digitalen Transformation erfolgreich beschreiten.

Carsten Pohland
Strategieberater und Inhaber
CP-Managementberatung GmbH


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