Notlicht für die Durchmesserlinie

Notlicht für die Durchmesserlinie
10.02.2014 | Die in Rheineck ansässige Gifas Electric stellt unter anderem optische Leiteinrichtungen her. Unter höchstem Zeitdruck lieferte die Firma Anfang des Jahres 9 Kilometer LED-Leisten für den Weinbergtunnel der Zürcher Durchmesserlinie. Gerade auch die Konstruktion und Herstellung eines dazu notwendigen Portalroboters entwickelte sich zu einem Wettlauf gegen die Zeit.

Die weissen Lichtpunkte auf Tunnelstrecken, die den Bordstein markieren und ihn so besser sichtbar machen, sind heute normaler Bestandteil neuer Strassentunnel. Sie sind aber noch eine junge Erscheinung, denn erst mit dem Aufkommen von einsatzfähigen LED-Leuchten ergab sich die Möglichkeit, eine langlebige optische Leiteinrichtung mit tiefem Energieverbrauch zu installieren. 

Neues Leuchtmittel setzt sich durch
Die ersten dieser Bordsteinmarkierungen lieferte die Gifas Electric GmbH vor knapp 12 Jahren für den Gubristtunnel der Nordumfahrung Zürich. «Damals gab es noch keine Vorschriften, was Abstrahlwinkel, Lichtstärke oder Bauweise anbelangte », führt der Entwickler und Konstrukteur Christian Alig aus. Erst 2004 erliess das Bundesamt für Strassen in Anlehnung an die deutschen Richtlinien Vorschriften für die optischen Leiteinrichtungen aus LED-Leuchten. Denn das Leuchtmittel setzt sich durch: Immer öfter müssen auch in Hallen oder bei Strassenkandelabern bestehende Halogen- durch LED-Leuchten ersetzt werden, weil sie langlebiger sind und fast keine Abwärme erzeugen. Diese LED-Leuchten bestehen aus einem objektspezifisch geformten Träger, der Platine mit den Leuchtdioden und einer Vergussmasse, die sie vor eindringender Feuchtigkeit schützt. Die Gifas Electric GmbH verfügt dazu seit knapp 5 Jahren über einen Portalroboter von Schneider Electric, der das als Vergussmasse dienende Zweikomponenten- Polyurethan punktgenau und in der richtigen Dosiermenge einbringt.

Notbeleuchtung im Bahntunnel
Ihre Erfahrungen mit optischen Leiteinrichtungen führten auch dazu, dass die SBB Gifas Electric für eine Lösung der Notbeleuchtung im Weinbergtunnel der Zürcher Durchmesserlinie beauftragte. Diese neue zweispurige Bahnlinie führt unter dem bestehenden Kopfbahnhof hindurch und erhöht damit die Kapazität des Knotens Zürich. Ein Bestandteil dieser Linie ist der Weinbergtunnel, der über einen Fluchtstollen verfügt, durch den sich die Passagiere bei einem Notfall in Sicherheit bringen können. Damit sie in einem solchen Fall möglichst sicher zur nächsten Verbindungstür zum Fluchtstollen finden, wird der Weinbergtunnel mit einem Handlauf und einer Notbeleuchtung versehen, die im Alarmfall den Weg ausleuchtet. Bei der Ausarbeitung der Lösung schloss sich Gifas Electric mit dem Lieferanten des Handlaufs zusammen. Gemeinsam entwickelten sie einen Handlauf, der 3 Funktionen in sich vereint: Er leitet die Passagiere, beleuchtet über eine integrierte LED-Leiste den Fluchtweg und dient überdies als Kabelträger. «Damit liessen sich einige Installationen und Befestigungen einsparen und wir konnten ein vorteilhaftes Angebot abgeben », erklärt Christian Alig. Doch zuerst kam harte und aufwendige

Entwicklungsarbeit. LED-Leisten für 9 Kilometer
Um sich für eine allfällige Vergabe überhaupt qualifizieren zu können, musste Gifas Electric im Rahmen von Vorprüfungen die Staub- und Feuchtigkeitsschutzart der Beleuchtung belegen. Diese musste ferner eine im Lauf der Bearbeitung mehrfach erhöhte Lichtstärke gewährleisten und letztlich auch in optischer Hinsicht dem Kunden gefallen. «Dazu stellten wir zuerst Handmuster aus einzelnen LED-Leuchten her, was aber sehr aufwendig war», führt Christian Alig aus. Für die geforderten 9 Kilometer Handlauf entschied sich der Konstrukteur für 3 Meter lange Elemente mit je 24 LED-Modulen, von denen immer 6 Stück in Serie geschaltet sind. Dies erlaubt auch die Herstellung von 150 oder 75 Zentimeter langen Elementen zum Ausgleich bei Randabschlüssen. Die LED-Leuchten sitzen dabei auf FR4-Epoxidplatinen, die in ein 3 Meter langes Aluminiumprofil eingeschoben, miteinander verlötet und abschliessend mit einer Polyurethanschicht dicht vergossen werden. Soweit war alles mehr oder weniger klar, aber eine Anlage zur Herstellung dieser Teile fehlte. «Ohne den Auftrag im Haus zu haben, wollten wir uns die Anschaffung einer so teuren Anlage nicht leisten», erklärt Alig.


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Christian Alig, Entwicklung / Konstruktion, Gifas Electric GmbH Pirmin Meier, Head of OEM Solutions, Schneider Electric

Extrabreiter Portalroboter per sofort
Ende November 2012 war es dann aber plötzlich so weit. Gifas Electric erhielt den Auftrag 9 Kilometer LED-Leisten zu liefern, und zwar bis Ende Februar 2013! Es versteht sich, dass nun hektische Zeiten anbrachen. Die 3 Arbeitstische für das  Bestücken mit den LED-Leuchten, das Vergiessen und das Verpacken waren umgehend zu entwerfen und anfertigen zu lassen. «Gleichzeitig mussten wir das Test- und Auswahlverfahren für die Vergussmasse, die all die hohen Anforderungen vollumfänglich erfüllte, abschliessen», erläutert Christian Alig. Denn diese musste hochtransparent, selbstlöschend, schnell aushärtend, UV-Hydrolyseund witterungsbeständig sowie von optimaler Viskosität sein. Ausserdem musste man sie aber auch verlässlich zudosieren und mit hoher Präzision einbringen können. Christian Alig wandte sich an Schneider Electric, weil er mit der bestehenden Anlage sehr gute Erfahrungen gemacht hatte und ein grosses Interesse daran hatte, eine identisch zu bedienende Anlage anzuschaffen – Zeit für Lehrgänge mit dem neuen Gerät stand wirklich nicht zur Verfügung. Die Hektik schwappte damit auch auf Schneider Electric über: Sie erhielt den Auftrag Mitte Dezember und lieferte den neuen Portalroboter bereits Mitte Januar aus, obwohl auch für diesen einiges an Entwicklungsarbeit zu leisten war. Schliesslich wollte Gifas Electric einen möglichst breiten Portalroboter, um jeweils 50 Aluminiumprofile auf einem Tisch vergiessen zu können. Der Portalträger durfte sich trotz der dazu notwendigen grossen Spannweite aber nicht durchbiegen, denn eine hohe Präzision ist unabdingbar. Dies gilt auch beim Tisch, auf dem die Anlage aufgebaut ist: Er musste absolut horizontal sein und die Aluminiumprofile zuverlässig stützen. Die Vergussmasse muss in gleichbleibender Schichtdicke über den LED-Leuchten aushärten und darf auf keinen Fall seitwärts abfliessen.

Erfahrung half entscheidend
Letztlich liess sich die neue Anlage nur so schnell fertigen, weil auf die vor 5 Jahren gemachten Erfahrungen und eine eingespielte Zusammenarbeit mit dem Lieferanten des Dosiersystems zurückgegriffen werden konnte. Die neue und 2,48 Meter breite Anlage passte zwar nur in Schräglage auf den Lastwagen und bloss knapp durch die 2,5 Meter breiten Türen beim Kunden. Seit Mitte Januar vergoss sie aber mit hoher Zuverlässigkeit Profil um Profil und sorgt so für die gewünschte luftleere Schutzschicht der Leuchten. Da ihre Bedienelemente genau jenen der bereits installierten Anlage entsprechen, konnte das Personal sie vom ersten Tag an und ohne Einführung in Betrieb nehmen. Und doch hätte es letztlich nicht oder nur knapp gereicht mit dem Liefertermin bis Ende Februar. Aber glücklicherweise verzögern sich auch Baustellen immer wieder, und so erhielt Gifas Electric ein bisschen mehr Zeit für das Bestücken, Vergiessen und Verpacken der rund 3000 LED-Leisten. Trotz aller Anstrengung, die dahintersteckt, bleibt zu hoffen, dass sie nie werden leuchten müssen.


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