Mit Lack und Leder im Reinen

Mit Lack und Leder im Reinen
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Pneumatik-Antriebe zum Öffnen und Schließen der Prozessventile haben gegenüber elektrischen Installationen ganz klare Vorteile.
13.10.2014 | „Champion City for Water“ darf sich das mexikanische León seit dem World Water Forum 2012 nennen. Diese Auszeichnung erhielt die Industriestadt in der Kategorie „Abwasserbehandlung“. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet der Anlagenbauer Fypasa, der in León eine Kläranlage für Gerbereiabwässer betreibt.

Die Industriestadt mit rund einer Million Einwohnern gilt als die Welthauptstadt des Leders und der Schuhe. Zahllose Weltmarken wie etwa Adidas, Nike oder Caterpillar lassen in 600 Gerbereien sowie 1000 Schuh- und Lederfabriken ihre Produkte fertigen und erzeugen dabei Tonnen von Abwässern. Gerbereiabwässer bedürfen jedoch einer besonderen Behandlung: Neben organischen Gerbstoffen können die Abwässer der Fabriken Salze und Metalle wie Chrom, Zirkonium, Aluminium, Titan oder Eisen sowie synthetische Gerbstoffe wie Formaldehyd und Phenole enthalten.

 

Komplette Automatisierungspyramide

Die Kläranlage, die Fypasa 2009 gebaut hat und seitdem betreibt, ergänzt eine Anlage für Haushaltsabwasser. Letztere wurde zuvor auch für Gerbereiabwässer genutzt, erwies sich aber auf Dauer für unzureichend für die aufstrebende Industriestadt. Fypasa baut und betreibt schon seit 1969 Kläranlagen in ganz Mexiko und hat damit viel Erfahrung als Anlagenbauer. Als Anlagenbetreiber klärt das Unternehmen 40% aller Abwässer in Mexiko. „Da wir aber kein Spezialist in der Anlagen-Automatisierung sind, bauten wir auf die Erfahrung der Projektingenieure von Festo“, erklärt Mauricio Plascencia, Operations Manager der Fypasa-Kläranlage in León.

 

Festo entwickelte eine Komplettlösung von der Sensor-Aktor-Ebene über die Feldebene und Steuerungsebene bis hin zur Prozessleitebene inklusive eines SCADA-Prozessvisualisierungs-Systems. Dabei machte es Festo seinem Kunden Fypasa entlang der Wertschöpfungskette des Projekts so einfach wie möglich.

 

Automatisierungskompetenz

„Schon in der Engineering-Phase versorgten wir den Anlagenbauer mit einem passenden Automatisierungskonzept mit Schaltplänen, CAD-Daten und 3D-Modellen der Prozessventile und Schaltschränke, den zentralen Bestandteilen der Sensor-Aktor- und Feldebene, um sie beim Anlagenbau einbaufertig einplanen zu können“, sagt Eduardo Poupard, Projektingenieur bei Festo Mexiko. Dabei zeigte sich für Fypasa, dass Festo aufgrund vieler anderer Projekte in der Wasser- und Abwasseraufbereitung genug Erfahrung mitbringt, die Prozesse einer Kläranlage nachvollziehen zu können und eine Lösung zu entwickeln, die sich hundertprozentig an das Anlagen-Design anpasst.

 

Die Effizienz in der Beschaffungsphase gewährleistete das Projektmanagement der Ingenieure von Festo mit Aktivitätsdiagrammen und Meilensteinen sowie die rechtzeitige Lieferung der Subsysteme. Die Installationsphase war geprägt von Simulationstests der Prozessventile und der Schaltschränke im Festo Testcenter, von der Dokumentation der Produkte sowie vom Einbau der Subsysteme in die Gesamtanlage. „Damit war es für uns von Fypasa einfach, sich vollständig auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren zu können“, so Plascencia weiter. In der Inbetriebnahmephase übernahmen die Projektingenieure von Festo Prozesstests für jede Einheit der Anlage. Beispielsweise wurde am Faulturm der Betrieb der Prozessventile oder die Aufnahme des Biogases getestet.

 

Vom Master-PLC zum Prozessantrieb

Auf der Steuerungs- und Prozessleitebene hat der Master-PLC CECX-X-C1 von Festo die Funktion der speicherprogrammierbaren Steuerung inne. Seine Informationen gehen an die SCADA-Software VipWin zur Prozessvisualisierung. CPX/MPA-Ventilinseln sammeln die Ein- und Ausgangssignale, melden sie an den Master PLC und steuern die Pneumatik-Antriebe an. Sie sind geschützt in sieben Schaltschränken installiert. Die Automatisierungsplattform CPX ermöglicht auch die Funktionen Fernwartung, Ferndiagnose, Web-Server, Textbotschaften und E-Mail-Alarm.

 

Die beiden Faultürme sind mit zwei Arten von Prozessventilen ausgestattet – Schieber für den Schlammeinlass und Absperrklappen für den Biogas-Auslass. Pneumatik-Antriebe auf der Sensor-Aktor-Ebene zum öffnen und Schließen der Prozessventile haben gegenüber elektrischen Installationen ganz klare Vorteile: Haltbarkeit, lange Service-Intervalle und Sicherheit im überlastfall.

 

Sicherheit durch Prozessvisualisierung

In der Betriebsphase erhält der Anlagenbetreiber mit dieser ganzheitlichen Systemlösung bis hin zur Prozessvisualisierung mehr Transparenz und damit mehr Einfachheit. Auch ist das System wegen der Einfachheit der Pneumatik an sich leichter instandzuhalten, spart Kosten und erhöht deren Effizienz, denn es ist für die Anlagenbediener wenig Trainingsaufwand notwendig, sich im pneumatischen System zurechtzufinden. So steigen die Verfügbarkeit der Anlage und deren Effizienz. Damit die Stadt León auch in Zukunft stolz ihren Titel „Champion City for Water“ tragen kann…

www.festo.com/water


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