Korruptionsprävention - Andere Länder, andere Sitten?

Korruptionsprävention - Andere Länder, andere Sitten?
Korruption, eine Herausforderung im Aussenhandel
19.11.2013 | Die Erschliessung neuer Märkte im Ausland ist mit erheblichen Risiken verbunden, da sich die dortigen Rahmenbedingungen und kulturellen Gepflogenheiten z.T. deutlich von denen in der Schweiz unterscheiden.

So weisen die aktuellen Wachstumsmärkte, wie Brasilien, China, Indien oder der Nahe Osten, ein höheres Korruptionsrisiko auf. Gleichzeitig wurde in den letzten Jahren das Korruptionsstrafrecht in der Schweiz deutlich verschärft. Für KMU eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Das Webinar zeigt die Notwendigkeit und mögliche Lösungsansätze.

Video/Präsentation:

Strafverfolgung in der Schweiz

Noch bis vor wenigen Jahren war Korruption in Form informeller Zahlungen von Schweizer Unternehmen im Ausland oder von in ihrem Namen handelnden Dritten kaum mit rechtlichen Konsequenzen verbunden. Vielmehr war es gar zeitweise möglich entsprechende Zahlungen der Steuer abzusetzen. Inzwischen wurde das Korruptionsstrafrecht in der Schweiz sowie in anderen Ländern jedoch deutlich erweitert und verschärft. Die öffentlichkeit wurde auch durch einige internationale Skandale aufgeschreckt und sensibilisiert.

Nach heutiger Rechtslage ist es möglich, sowohl natürliche Personen als auch Unternehmen für die Bestechung von Amtsträgern auch im Ausland strafrechtlich zu belangen. Darüber hinaus drohen den Unternehmen grosse wirtschaftliche Schäden durch Reputationsverluste oder den Ausschluss von Märkten oder Offert-Verfahren (Tender).

Studie bei Schweizer KMU zeigt Handlungsbedarf

Unternehmen müssen über wirksame Massnahmen zur Korruptionsprävention verfügen, um das Korruptionsrisiko zu vermindern und eine strafrechtliche Haftung zu vermeiden. Im Webinar wird aufgezeigt welche Instrumente es gibt und was funktioniert. Hierzu wurde in einer Studie 510 international tätige Unternehmen aus der Schweiz befragt.

Die durchgeführte Studie zeigt, dass von 40 Prozent der befragten Schweizer Unternehmen informelle Zahlungen im Ausland erwartet werden. Weitere 3 Prozent der Unternehmen sagen aus, dass derartige Zahlungen zwar nicht von ihnen selbst, aber von in ihrem Auftrag handelnden Dritten (Agenten, Vermittler oder Vertriebspartner vor Ort) erwartet werden.

56 Prozent der Unternehmen, die im Ausland mit korruptem Verhalten konfrontiert werden, geben an, dass sie informelle Zahlungen leisten.

Diejenigen Unternehmen, die Zahlungen leisten, wenden hierfür jährlich im Durchschnitt rund 5 Prozent ihres Umsatzes im jeweiligen Zielland auf.

Forderungen nach informellen Zahlungen erfolgen vielfach im Zusammenhang mit Vertriebsaktivitäten. Mehr als zwei Drittel der betroffenen Unternehmen geben an, dass bei der Vergabe von Aufträgen durch privatwirtschaftliche Unternehmen informelle Zahlungen unter der Hand von ihnen erwartet werden. 55 Prozent der Befragten bestätigen dies für die Vergabe von öffentlichen bzw. staatlichen Aufträgen.

Besonders häufig mit Korruption konfrontiert werden Unternehmen, die im jeweiligen Land mit einer eigenen Produktions-, Vertriebs- oder Servicestätte vertreten sind, sowie Unternehmen, die ihre Geschäfte mithilfe lokaler Agenten, Vermittler oder sonstiger Vertriebspartner abwickeln. Auch eine überdurchschnittlich stark wahrgenommene Bürokratie sowie die Erwirtschaftung grosser Umsatzanteile mit staatlichen Behörden bzw. Unternehmen begünstigen informelle Zahlungen.

Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen stuft die bereits eingesetzten Präventionsmassnahmen als wirksam oder sogar sehr wirksam ein. Darüber hinaus werden insbesondere Massnahmen, die in der Unternehmenspraxis bisher selten eingesetzt werden, als besonders wirksam beurteilt. Hierzu gehören Schulungen, systematische Personalrotation oder auch Kontrollen in korruptionsgefährdeten Unternehmensbereichen. Wesentlich ist, erfolgreiche Korruptionsprävention ist Chefsache und muss aktiv gelebt werden in einem Unternehmen.


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