Freie Fahrt für Frey

Freie Fahrt für Frey
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05.12.2017 | Für das Schweizer Handelsunternehmen Emil Frey AG hat die Stöcklin Logistik AG im Auftrag der Kalono Immobilien AG am Standort Härkingen ein neues, vollautomatisch betriebenes Pneulager für Reifen und Räder realisiert. Das umgesetzte, auf Prozesseffizienz ausgerichtete Automatisierungskonzept überzeugt mit Leistungswerten, die den Service-Level für die Kunden weiter erhöht und über Niveau stabilisiert haben. Gleichzeitig wurde dem Thema Arbeitssicherheit umfassend Rechnung getragen.

Es war die Leidenschaft für Automobile und den Rennsport, die Emil Frey dazu veranlassten, anno 1924 eine eigene Reparaturwerkstatt in Zürich zu eröffnen. Aus derlei bescheidenen Anfängen heraus ist im Verlauf der Jahrzehnte eine Handelsgesellschaft entstanden, die sich nach wie vor im Familienbesitz befindet und in der Schweiz sowie an Standorten in Deutschland rund 6.000 Mitarbeiter beschäftigt. Zur Firmengruppe gehören sowohl verschiedene Importbetriebe, die ein flächendeckendes Händlernetz betreuen, als auch Emil-Frey-Garagen sowie Finanzierungsgesellschaften und weitere Unternehmen im Dienstleistungsbereich. Geführt und vertrieben werden nahezu alle bekannten Marken der Automobilindustrie.

Erweiterung als Reaktion auf anhaltendes Wachstum


Neben Safenwil ist die Zweigniederlassung Härkingen  seit der Übernahme der Liegenschaft im Jahre 2007 eine wichtige Ergänzung zu unserer Logistikinfrastrukur der Emil Frey Betriebs AG geworden. Gelagert werden dort mehr als 50.000 verschiedene Artikelpositionen. In unmittelbarer Nähe zum bestehenden Verteilzentrum hat Ende November 2014 ein neues Hochregallager den Betrieb aufgenommen, die der Zwischenlagerung von Reifen und Rädern aus Händler- und Garagenbetrieben dient. „Aufgrund der sich stetig positiv entwickelnden Geschäftstätigkeiten waren unsere Lagerkapazitäten ausgeschöpft“, erklärt Roland Huber, Leiter Zentrallager Härkingen bei der Emil Frey Betriebs AG und ergänzt. „Nochmals erhöht wurde der Handlungsdruck durch verschärfte Sicherheitsbestimmungen beim Brandschutz, welche der Neubau nun bestens erfüllt.“


Unter der Regie der Schweizer Architektengruppe Olten AG ist auf einer Grundfläche von etwa 10.000 m² ein zweigeschossiger Baukörper mit einer Länge von 120 m, einer Breite von 84 m und einer Höhe von 24 m errichtet worden. Das nutzbare Volumen beläuft sich auf mehr als 200.000 m³. Für die Ausstattung der neuen Landmarke mit modernster Intralogistik sorgte die Stöcklin Logistik AG als Gesamtauftragnehmer für die Förder- und Lagertechnik sowie als Projektkoordinator und Integrator eines neuen Warehouse-Management-Systems. „Wir sind auf eine hohe Verfügbarkeit angewiesen. Daher haben wir auf bewährte und robuste Automatisierungstechniken gesetzt, die für ihre Zuverlässigkeit bekannt ist“ so Roland Huber weiter. Darüber hinaus habe das vorgelegte, äusserst detaillierte Sicherheitskonzept überzeugt.


Seit dem Go-Live Ende November 2014 wird die neue Anlage im Einschichtbetrieb an fünf Tagen in der Woche genutzt. Herzstück ist das auf Niveau -5,0 m installierte automatische Pneulager mit rund 10.000 Stellplätzen, in dem Europaletten mit Aufsetzrahmen sowie spezielle Holzpaletten für die Aufnahme von jeweils vier Autoreifen zur Anwendung kommen. Ergänzend findet sich ein 14,4 m hohes, auf Niveau +/-0,0 m errichtetes 4-gassiges Staplerlager mit 3.858 Stellplätzen für weitere Paletten bis max. 1400 x 1.400 mm und einem zulässigen Gesamtgewicht von maximal 1.000 kg. Dieser Bereich wird mit Hilfe von manuell geführten Schmalgangstaplern bedient.

Durchsatzstarke Palettenfördertechnik über zwei Ebenen


Vor der Einlagerung wird jeder Reifen und jedes Rad genauestens geprüft. Das Lagerverwaltungssystem erhält im Anschluss vom ERP-System die erforderlichen Paletteninformationen und initiiert auf deren Basis den Einlagerungsprozess. Im Erdgeschoss werden die Ladeeinheiten von Handgabelhubwagen bodeneben auf die Palettenfördertechnik abgegeben, wo sie mittels Handscanner erfasst und anschliessend der Profilkontrolle zugeführt werden. Hier erfolgt die Identifikation des Palettentyps und der jeweiligen Ladungshöhe. Überprüft werden zudem die Kufen sowie der Kufenfreiraum.


Sofern Beanstandungen auftreten, lässt sich die Palette über eine Verschiebeeinheit in Form eines horizontalen Stetigförderers seitlich auf den NIO-Platz ausschleusen und nach Behebung erneut zuführen. Gut befundene Ladeeinheiten gelangen über einen Palettenheber, der mit zwei Rollenbahnen auf dem Lastaufnahmemittel ausgerüstet ist, auf die angeschlossenen Fördertechnikstrecken, über die pro Stunde 100 Paletten auf Niveau 500 mm über Boden parallel zu- und abgeführt werden können. Statusmeldungen erfolgen über sogenannte „Mobile Panels“, an denen autorisierte Bediener Fehler quittieren und bei Bedarf auch Materialflusskorrekturen vornehmen können.


Im Zuge der Einlagerung erfolgt der Weitertransport über Vertikalförderer in das Obergeschoss auf Förderniveau +4,8 m. Dort werden sie von Einzelförderern übernommen, auf einen Drehtisch transportiert, um 90 Grad gewendet und mit Hilfe von zwei weiteren Förderern in Halteposition vor dem Verschiebewagen verbracht. Der Verschiebewagen verfährt auf einer Länge von 12 m und ist mit zwei Lastaufnahmemitteln ausgestattet, die als Kettenförderer ausgelegt sind. Infolge können parallel eine Palette von der Einlagerstrecke aufgenommen und eine weitere auf die Auslagerstrecke abgegeben werden. Über den schlupffreien Zahnriemenantrieb sind Geschwindigkeitswerte beim Fahren im beladenen Zustand bis zu 5,0 m/s³ realisiert worden. Die Einlagerung in eine der drei Gassen des Hochregallagers erfolgt über Stichbahnen, wo die Paletten aufgetaktet werden. Die exakte Positionierung der unterschiedlich langen Ladungseinheiten vor der Aufnahme wird über eine spezielle Sensorik geregelt.

Variierende Ladeeinheiten schnell und sicher ein- und ausgelagert


Das automatische Pneulager ist als freistehende Regalanlage ausgeführt worden und bietet in drei Gassen Platz für die einfachtiefe Querlagerung von rund 10.000 Paletten. Die lichte Gassenhöhe beträgt zirka 23 m. Gelagert werden sowohl Europaletten Typ 1 mit Aufsetzrahmen (1.250 x 850 x 545 mm) und einem Gesamtgewicht bis 500 kg, als auch Spezial-Ladungsträger aus Holz, die bis zu vier Autoreifen aufnehmen können. Während deren Länge und Breite mit jeweils 800 mm fest definiert ist, ebenso wie das zulässige Gewicht mit maximal 140 kg, variieren die Höhenklassen in vier Kategorien: 880 mm, 960 mm, 1.140 mm und 1.380 mm.


In den Gassen des Hochregallagers kommen drei vollautomatische Regalbediengeräte (RBG) aus der MASTer-Produktfamilie von Stöcklin Logistik zum Einsatz. Das Lastaufnahmemittel der Ein-Mast-Geräte ist mit Drehschubgabeln mit verstellbaren Gabelzinken ausgerüstet. Die Bewegungen der Drehschubgabel werden über ein Inkremental-Wegerfassungssystem gesteuert. Berührungslose Überwachungseinheiten dienen zur Kontrolle der konformen Aufnahme, so dass durchgängig eine präzise und sichere Handhabung der in ihren Dimensionen variierenden Ladeeinheiten sichergestellt ist.


Die Paletten-RBG verfahren auf einer Länge von zirka 94,3 m. Sie sind auf eine Hubgeschwindigkeit von 0,5 m/s2 im beladenen Zustand ausgelegt, beschleunigen mit 0,4 m/s2 und erreichen Fahrgeschwindigkeiten von 2,0 m/s. „Die Leistung der Regalbediengeräte ist exakt auf die im Fall von Emil Frey tatsächlich erforderlichen Kennzahlen zugeschnitten“, sagen die Stöcklin-Projektleiter Herbert Schwarz und Ivan Jovanovic. Pro Gerät und Stunde könnten bis zu 86 Paletten parallel ein- und ausgelagert werden, inkl. Umlagerungen. In Summe lassen sich somit stündlich 150 Paletten bewegen. Die Transportaufträge werden vom Lagerverwaltungssystem (LVS) per Ethernet-Schnittstelle direkt an die SPS des betreffenden RBG übermittelt. Nach Abschluss erfolgt eine entsprechende Rückmeldung, die das LVS dann inklusive der Fachnummer an das ERP-System meldet.

Sicherheitsanforderungen durchgängig gelöst


Das Automatisierungskonzept für Emil Frey sah neben der erforderlichen Anlagenleistung umfangreiche Sicherheitseinrichtungen zum Schutz von Mensch und Material vor. So sind beispielsweise im Gefahrenbereich des Vertikalförderers Sicherheitslichtgitter mit Muting-Lichtschranken installiert worden. Der Scherenhubtisch im Wareneingang ist ebenfalls mit einem Sicherheitslichtgitter versehen. Stösst die Plattform beim Absenken unterwartet auf einen Gegenstand ist ein sofortiges Abschalten über eine Kontaktleiste sichergestellt.
Aus Sicherheitsgründen ist auch die im Obergeschoss installierte Fördertechnik in zwei Zonen aufgeteilt worden.


„Diese imaginäre Trennung hat zudem den Vorteil, dass der Verschiebewagen auch dann weiter betrieben werden kann, wenn ein Mitarbeiter die Vorzone aus Wartungsgründen betreten muss“ erklärt Ivan Jovanovic. Wenngleich aufgrund der stillgelegten Vorzone temporär keine Ein- und Auslagerungen möglich sind, könnten jedoch weiterhin Umlagerungen vorgenommen werden. Sämtliche Funktionsbereiche im Pneulager sind darüber hinaus komplett umwehrt und mit modernster Brandschutztechnik ausgestattet, „die den aktuellen spezifischen Anforderungen in vollem Umfang gerecht wird“, so der Stöcklin Logistik-Experte weiter.

Strategische Investition mit Weitblick


„In einer Branche, in der in immer kürzeren Zeitabständen neue Produkte lanciert werden, kann nur Erfolg haben, wer in Sachen Technik ganz vorne dabei ist“, heisst es bei der Emil Frey AG. Das gilt für Automobile an sich, aber auch für die Logistik. Insofern sind mit dem nun erfolgreich abgeschlossenen Neubau- bzw. Erweiterungsprojekt in Härkingen wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen worden, beim Rennen um Marktanteile auch weiterhin eine Pole-Position besetzen zu können. „Von Stöcklin haben wir hierbei exakt die Unterstützung erhalten, die wir uns gewünscht haben“, resümiert Zentrallagerleiter Roland Huber. Es seien nicht einfach nur Lagerkapazitäten in erforderlichem Umfang aufgestockt worden. Vielmehr ermögliche das umgesetzte Automatisierungskonzept heute auch eine weitaus präzisere und sichere Lagerung der Kundenreifen und -räder, erhöhte Liefertreue sowie einen effizienteren Anlagenbetrieb.


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