Erfolg in Personalberatung
ist auch vom Klienten abhängig

22.08.2014 | Kranke Menschen sollten zur Gesundung die Ratschläge des Arztes akzeptieren und genaustens durchführen. Sich dagegen zu stellen und noch eigene Wege oder zusätzlich andere Medikamente zu konsumieren, verschlechtert den Gesundungsprozess. Im Businessbereich trifft diese Binsenwahrheit auf die Zusammenarbeit mit Dienstleistern zu.

Der Erfolg der Personalberater ist extrem abhängig von einer guten Zusammenarbeit, denn der Personalberater hat eine sehr heikle Aufgabe. Er muss zuerst – wie ein Arzt den Patienten – das Unternehmen und die vakante Aufgabe genaustens kennen lernen, hinter die Kulissen schauen, Atmosphäre und Kultur spüren und das menschliche Umfeld analysieren. Dann geht er in den Personalmarkt und sucht sich Kandidaten, die wie ein Puzzleteil ins gesamte Puzzle passen. Oft ist im Personalmarkt kein derartiges Puzzleteil vorhanden, dann gilt es ein möglichst passendes zu finden, das bei leichten Anpassungen in ein Umfeld gelangt, welches sich ebenfalls leicht anpassen muss. Diese Aufgabe ist nicht nur rational, sondern auch manchmal irrational und emotional. Entsprechend hoch muss das gegenseitige Verstehen zwischen Personalberater und Klient sein. Und es gilt seitens des Klienten gewisse Regeln einzuhalten.

1. Auftrags-Partnerschaft
Der Personalberater muss ein Mandat erhalten, das den hohen zeitlichen Aufwand durch Vereinbarung von drei Honorarraten abdeckt. Leider wird der Personalberater von vielen Firmen nicht als Partner wahrgenommen, sondern als Zulieferer einer Ware, in diesem Fall der Ware «Mensch». Ein Zulieferer wird nach Menge, Lieferfähigkeit und Qualität beurteilt und bezahlt wird er nach der Lieferung. Bei Erfolgshonoraren hat der Berater keine finanzielle Absicherung für den grossen Aufwand, der eine Suche und Auswahl der besten Köpfe braucht. Deshalb wird er auf die Schnelle zwei, drei Kandidaten anbieten, die vielleicht bei andern Aufträgen zweite Wahl waren. Hat er Glück, erhält er ein Erfolgshonorar. Hat er kein Glück, war wenigs-tens sein Aufwand nicht gross.

2. Exklusivität

Auftraggeber irren sich, wenn sie glauben, dass der Einsatz vieler Mittel und Akteure den Such- und Auswahlerfolg verbessern würden. Zumeist ist der Kreis an möglichen Kandidaten für eine komplexe Aufgabe sehr klein. Wird mehr als ein Personalberater mit der Rekrutierung beauftragt (beispielsweise mit Vermittlungsaufträgen auf Erfolgsbasis) oder führt man parallel zum Auftrag noch eigene Suchanstrengungen durch, werden die besten der möglichen Kandidaten mehrfach angesprochen. Diese wundern sich und machen sich Gedanken über Seriosität und Effizienz des Auftraggebers. Das erschwert die Berateraufgabe, denn Misstrauen ist keine Basis für einen Anstellungserfolg. Gleiches gilt, wenn ein Unternehmen schon selber gesucht und in verschiedenen Medien erfolglos inseriert hat. Geht dann der Auftrag an einen Personalberater, wird er in Direktansprachen hören: «Ihr Auftraggeber muss die Firma X sein, denn ich habe schon Anzeigen gesehen, mich aber nicht beworben.» So verlaufen Direktansprachen ergebnislos.

3. Zuwenig Kenntnisse des Personalmarktes
Viele Stellen- und Anforderungsprofile sind von firmeninternem Wunschdenken geprägt und treffen nicht auf Möglichkeiten des Personalmarktes zu. Ein guter Berater, der mit dem spezifischen Personalmarkt vertraut ist, wird zuerst das Profil diskutieren, um einen Erfolg zu ermöglichen. Der Auftraggeber muss sich diesbezüglich flexibel zeigen. Es gibt keine eierlegenden, fliegenden Wollwilchsauen.

4. Unattraktiv als Arbeitgeber
Ein Anstellungserfolg ist auch abhängig von den Menschen beim Auftraggeber, vom ganzen Prozedere des Ablaufes und von den Anstellungsbedingungen. Sind negativ empfundene Verhaltensweisen, fragliche Aspekte im Ablauf (Kommunikation, Termine) und schlechte Verträge vorhanden, lassen sich gute Kandidaten nicht einstellen, denn diese haben noch andere Chancen. Ein nicht begehrter Arbeitgeber kann auch durch den besten Personalberater nicht kompensiert werden. Deshalb gilt es, zuerst die Attraktivität als Arbeitgeber zu verbessern.

 

In der Personalberatung haben Berater und Klient die Aufgabe, alles für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu tun. Sind Bemühungen einseitig, ist der Erfolg fraglich.


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Rubriken: Personalberatungen

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