Direktexport: KMU müssen Online Fitness beweisen

27.05.2014 | Mehr als 80 Prozent aller Schweizer KMU setzen auf Direktexport und fahren gut damit. Die neuen Medien bringen neue Chancen mit sich - aber auch Herausforderungen, die es in sich haben.

Längst haben Unternehmen wie Amazon, Ebay und Zalando bewiesen, wie erfolgreich Online-Plattformen sein können. Auch Schweizer KMU setzen beim Direktexport mehr und mehr auf den Online-Handel. "Im Direktexport ist der Online-Handel sehr wichtig geworden. Wenn man es professionell betreibt, kann man sehr schnell auf die internationalen Märkte gehen", meint Rico Baldegger, Professor für Management und Entrepreneurship an der Hochschule für Wirtschaft in Freiburg.

Integrierte IT-Prozesse als Basis

Das hat sich auch die Firma mySwissChocolate gesagt und von Anfang an auf den Internethandel gesetzt. Heute exportiert das erst 4 Jahre alte Unternehmen in mehr als 32 Länder. "Es war eine Riesen-Herausforderung", erzählt Sven Beichler, Co-Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens. "Teilweise hatten wir das Gefühl, wir sind gar keine Schokoladenfirma, sondern eine IT-Firma. Viel ist automatisiert: im Finanzbereich, der Fiskalpolitik, der Zollthematik mit den Warenbesteuerungen, Mehrwertsteuerabrechnungen, usw. Alles muss sauber ins System integriert werden, denn wenn wir tausend Packete ausliefern und ein Packet funktioniert nicht, dann funktioniert die ganze Lieferung nicht." Auch Nicole Walker, Leiterin Marketing Geschäftskunden bei PostFinance kennt diese Herausforderungen: "Wir haben in unserem Online Shop ein voll integriertes System für Kundenzahlungen," erklärt sie. "Das Kaufverhalten wird sich in den nächsten Jahren dank dem Internet, den sozialen Medien und den Smartphones und Tablets stark verändern. Die Schweizer KMU müssen daher Online Fitness beweisen".

Risiken beim Zahlungsverkehr

Schneller Marktzugriff und geringe Kosten sprechen für den Direktexport. Doch beim Zahlungsverkehr ist Vorsicht geboten. "Wir haben eine unangenehme Erfahrung mit einem Kunden in Singapur gemacht", berichtet Celine Renaud, CEO von JMC Lutherie. "Er bestellte 3 Gitarren und zahlte mit Kreditkarte. Wir haben das Geld bekommen und die Gitarren verschickt. Leider hatte er die Kreditkarte gestohlen, und so haben wir das Geld zurückgeben müssen. Im Aufbau einer Firma ist das ein schwerer Rückschlag". Die Sicherheit beim Zahlungsverkehr ist nicht die einzige Herausforderung. Eine weitere liegt in der Vielzahl der Zahlungswege, die man Kunden international anbieten muss. Sven Beichler zählt auf: "Wir bieten verschiedene Zahlungsmöglichkeiten an, wie Paypal, Kreditkarte, Zahlung auf Rechnung. Bei Zahlung auf Rechnung übernimmt der Partner das Debitorenrisiko. In allen Fällen produzieren wir beim Eingang des Geldes, resp. auf Vorauskasse. Dann erst wird produziert und auch direkt exportiert und versandt".
 
 
Twitter, Facebook und Co
 
Auch die sozialen Medien haben sich als wertvolle Instrumente für den Direktexport erwiesen. Das Unternehmen JMC Lutherie produziert unter anderem Luxus-Lautsprecher, die je nach Ausführung im 5-stelligen Bereich liegen können. Laut Celine Renaud helfen Facebook, LinkedIn und Twitter dabei, direkt mit potenziellen Kunden zu kommunizieren. "über die sozialen Netzwerke können wir sehr schnell mit Interessenten sprechen, ihnen zeigen, wie ein Soundboard gemacht wird und was dahinter steckt," erklärt sie. "Die Kunden antworten ihrerseits mit Erfahrungsberichten". Was einfach, schnell und unkompliziert klingt, hat es aber in sich: "Wir investieren jeden Tag - 365 Tage im Jahr - ein bis zwei Stunden allein für Facebook," berichtet Sven Beichler. "Es ist sehr viel Arbeit, sich zu überlegen: Was könnte ich fragen? Was brennt bei uns? Was interessiert die Kunden?" Während Online Marketing und soziale Medien den Direktexport unterstützen, darf man also nicht vergessen, dass es am Ende auch dafür Ressourcen braucht.


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