Diktatoren fallen!

07.04.2011 | Wie sieht es in der Wirtschaft aus? Die «Führer» arabischer Staaten werden fort gejagt. Die Bewohner erheben sich, weil sie nicht mehr beherrscht, gegängelt, geistig und materiell eingeschränkt und aus - genutzt werden wollen. Sie suchen demokratische Verhältnisse nach dem Vorbild europäischer Staaten. Und wir Europäer blicken gespannt auf die Geschehnisse und sympathisieren mit Ihnen.

Laut Boulevard- und auch Wirtschaftspresse leben wir in einem ähnlichen Spannungsfeld, allerdings nicht auf politischer, sondern auf wirtschaftlicher Ebene. Negativ betrachtet sind unsere Unternehmen vergleichbar zu den Systemen arabischer Potentaten. Entscheide werden nicht von unten nach oben erarbeitet, sondern oben gefällt und nach unten getragen. Jedermann erhält Befehle, was und in welcher Zeit zu leisten ist. Oben sitzt ein Führer oder eine Führungscrew, die sich laut Presseveröffentlichungen ungeniert finanziell selbst bedienen. Für die Überwachung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Kontrollsysteme, manchmal sogar Videokameras installiert. In einigen Firmen herrscht ein Denunziationssystem.

Die Frage stellt sich, ob eine wirtschaftliche Demokratie überhaupt möglich wäre? Wären Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fähig, in der Unternehmensführung mitzureden oder sogar mitzubestimmen? Oder sehen Mitarbeitende alles nur mit einem Röhrenblick auf ihren Arbeitsplatz (und auf ihr Portemonnais)? Braucht es deshalb die Kaste der Manager, welche den Weitblick haben?

Sowohl als auch! Wir kennen Unternehmen, die wie ein grosses, demokratisches Team funktionieren. Und wir kennen Unternehmen, die despotisch durch egozentrische Figuren mit der Methode «Management by Helikopter» geführt werden. Beides kann funktionieren, die Frage ist nur, wie lang.

Um sich in einem wirtschaftlichen Umfeld behaupten zu können, sind Visionen, Ideen, schnelle Kommunikation, rationelle Organisationen, hohe Leistung aller sowie Motivation und Begeisterung Voraussetzung. Nicht allein durch die «Führer», sondern durch alle! Die Wirtschaft braucht das Wissen aller Mitarbeitenden eines Unternehmens. Mit Personalentwicklungsmassnahmen sind sie zu mehr Kenntnissen, zu mehr Wissen und zu Verhaltenskodexen zu führen. Sie müssen fähig sein, sich in den Strukturen ihres Unternehmens zu bewegen um ihr Wissen und ihre Erkenntnisse einbringen zu können. Die steigende Komplexität in der Wirtschaft erfordert die Intelligenz aller, nicht allein der Führer.

All unsere Arbeitsplätze werden immer vielfältiger. Die Anforderungen an die Mitarbeitenden steigen. Wirtschaftsführer und Politiker sprechen vom Fachkräftemangel. Bereits werden Stimmen laut, dass in Zukunft der wirtschaftliche Wettbewerb nicht über den Produkt- oder Dienstleistungsmarkt geht, sondern über den Personalmarkt (Verhältnisse, die aus der Schweiz in den 60er und 70er Jahren bekannt sind, als die Arbeitslosenquote bei 0,003% lag). Wer über motivierte und leistungsfähige Mitarbeiter verfügt, gewinnt. Doch diese Mitarbeiter sind keine schweigende Masse. Sie wollen ihre Vorstellungen von einer aktiven Mitarbeit verwirklichen. Dabei ist das Wahlrecht für ihre Vorgesetzten zweitrangig. Im Vordergrund stehen arbeitsplatzorientierte Sachfragen.

Es ist nicht anzunehmen, dass wir nach arabischem Vorbild eine Mitarbeiter-Revolution erleben werden, obwohl sich vielleicht viele Beschäftigte ihre Chefs ins Pfefferland wünschen. Aber anzunehmen ist, dass sich unterforderte Beschäftigte, die nur nach Pfiffen aus der Chefpfeife tanzen dürfen, das Unternehmen verlassen und ihr Glück in einem anderen Unternehmen suchen. Und das wird in Zukunft wettbewerbsentscheidend sein. Bauen wir deshalb auf Massnahmen zur Personalentwicklung auf allen Hierarchiestufen. Rohdiamanten sind sehr wertvoll, aber funktionstüchtig an einem Schmuckstück erst, wenn sie geschliffen sind.

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