Das Ausland birgt grosses
Export-Potenzial im Lebensmittelbereich

Das Ausland birgt grosses Export-Potenzial im Lebensmittelbereich
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Nicht nur Käse ist gefragt - auch Schweizer Milchpulver oder Bio-Gemüse kann einen Markt im Ausland haben.
22.06.2012 | Für Schweizer KMU aus dem Nahrungsmittel- und Getränkebereich sind Deutschland, Russland, China und Brasilien besonders interessante Märkte, wie eine Umfrage der Osec und der Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (Fial) unlängst gezeigt hat. Der Schweizer Aussenwirtschaftsförderer präsentierte im Rahmen des Food-Forums vom 31. Mai in Zürich vier Studien zu diesen Märkten und zeigte den Teilnehmern vielversprechende Exportmöglichkeiten auf. Die Studie zu China wird im Rahmen des Anlasses von Connect-China im Herbst erneut vorgestellt, Erfahrungen werden ausgetauscht und mit Experten aus China diskutiert. Darunter auch dem Länderverantwortlichen von Nestlé für China.

Seit dem Jahr 2000 haben sich die Exporte der Schweizer Nahrungsmittelhersteller mehr als verdoppelt. Heute exportiert die Branche Produkte im Wert von rund CHF 7,1 Mrd. pro Jahr. Dabei stehen Länder wie Deutschland, Russland, China und Brasilien ganz besonders im Fokus. Die am Food-Forum der Osec vorgestellten Studien enthalten praktische Handlungsanweisungen, wie die einzelnen Märkte am besten anzugehen sind. Sie geben einen überblick über die jeweiligen Lebensmittelmärkte und dienen als Orientierungshilfe. Die Autoren empfehlen, die Sortimente im jeweiligen Markt genau zu studieren und vor einer Expansion eine fundierte Marktanalyse vorzunehmen. Auch Kenntnisse über Mitbewerber und deren Produktsortimente sind unerlässlich.

Deutschland — Möglichkeiten auch in nahen Märkten nutzen

Mit rund 40 Millionen Haushalten ist Deutschland als viertgrösste Volkswirtschaft der Welt ein interessanter Markt für internationale Lebensmittel- und Getränkehersteller. Der Exportaufwand darf jedoch nicht unterschätzt werden, sind doch die deutschen Gesetzgebungen im Lebensmittelbereich oft strikter als in anderen europäischen Ländern. In der deutschen Lebensmittelbranche zeichnen sich diverse Trends ab: Interessant ist zum Beispiel, dass die Nachfrage nach Qualitätsprodukten im Lebensmittelbereich trotz hohem Preisbewusstsein zunimmt. Der klassische Einzelhandel versucht sich auf diese Weise vom Discounter abzugrenzen und eigenständig zu profilieren. Dies macht den deutschen Markt für Schweizer Produkte ganz besonders interessant. In Deutschland werden vor allem Schweizer Produkte wie Schokolade und Käse nachgefragt.

Wachstumsmärkte wie Brasilien,
Russland und China stärker beachten

Brasilien, Russland und China verfügen über eine aufstrebende Schicht von kaufkräftigen Konsumenten, die gerne Schweizer Käse, Schokolade oder andere verarbeitete Produkte mit dem

Gütesiegel «Made in Switzerland» einkauft. Mit über 190 Millionen Menschen ist Brasilien mittlerweile die sechstgrösste Volkswirtschaft der Welt, in der sich eine neue Mittelklasse mit einem zunehmenden Qualitätsbewusstsein gebildet hat. Das Land gehört heute zu den führenden Märkten im Lebensmittelbereich. Neben der Nachfrage nach Nischenprodukten besteht auch Bedarf nach der Entwicklung neuer Technologien zur Herstellung von Zusatzstoffen. Die Fussball-WM im Jahr 2014 sowie die Olympischen Spiele 2016 bieten ebenfalls neue Chancen im Restaurant- und Hotelleriebereich. Schweizer KMU, die nach Brasilien exportieren möchten, sehen sich jedoch häufig mit rechtlichen und tarifären Hindernissen konfrontiert.

Auch Russland mit seinen 143 Millionen Einwohnern, deren Lebensstandard sich im Zuge des Wirtschaftswachstums stetig erhöht, bietet grosses Potenzial für Schweizer Lebensmittelhersteller. In den kommenden Jahren soll der russische Lebensmittelmarkt um 10-15% wachsen. Wie in Brasilien hat die neue Mittelklasse ein zunehmendes Bewusstsein für qualitativ hochstehende Lebensmittel entwickelt. Auch in Russland gibt es allerdings hohe administrative und bürokratische Hürden zu überwinden: Insbesondere Milchprodukte, Fisch und Meeresfrüchte sowie Alkohol sind streng reglementiert. Laut Studie empfiehlt es sich, als KMU mit einem lokalen Importeur zu arbeiten.

Die Studie zu China gibt Einblick in die einzelnen Branchen und Distributionsstrukturen und speziell in den Importprozess, sie wird anlässlich des Events von Connect China nochmals präsentiert und diskutiert. Der chinesische Markt ist aufgrund der protektionistisch motivierten Zölle und Abgaben für Schweizer Exporteure nicht einfach zu bearbeiten, bietet für hiesige Nahrungsmittelhersteller aber dennoch attraktive Möglichkeiten, besonders im Hotel- und Restaurantbereich. In diesen Segmenten verfügt China über eine reiche Käuferschicht, die auf Qualität setzt und höhere Preise zu zahlen bereit ist. Erfolgversprechend sind vor allem Produkte, deren Schweizer Ursprung auf den ersten Blick erkennbar ist. Denn die Marke Schweiz geniesst auch in China einen hohen Stellenwert.

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