Qualitätssicherung von Windkraftanlagen durch Wegsensoren

Qualitätssicherung von Windkraftanlagen durch Wegsensoren
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Das Rotorblatt unter Belastung. Schwere Seilzüge biegen das Rotorblatt bis Maximallast. Seilzugsensoren erfassen die Wegänderung
01.03.2011 | Windkraftanlagen (WKA) besitzen spätestens seit der letzten Novellierung des EEG 2009 ein enormes Marktpotenzial, da bei der Neuauflage die Steigerung der Stromerzeugung durch erneuerbare Energien auf 25% bis 30% beschlossen wurde. Die relativ junge Technologie moderner Anlagen bietet dabei noch viel Optimierungspotenzial. Der Einsatz moderner Prüfmethodiken sorgt für hohe Qualität und sicheren Betrieb. Wegsensoren werden deshalb immer mehr bei der Entwicklung, Produktion und dem Betrieb von WKA herangezogen.

Sensorik zur Steuerung von WKA ist sehr bedeutend, da die Bewegung der Gondel und der Rotoren automatisch erfolgt und deshalb erfasst werden muss. Bereits bei Anlagen auf dem Land bergen Reparaturen und Wartungsarbeiten ein hohes Gefahrenpotenzial. Bei Offshore-Anlagen ist das hohe Gefahrenpotenzial zusätzlich mit enormen technischen Aufwand verbunden, da spezielle Schiffe für aufwendige Arbeiten lange Wartezeiten haben. Moderne Sensorik hilft Reparaturen zu vermeiden und Wartungszyklen zu optimieren. Dies beginnt bereits bei der Konstruktion der Bauteile.
 

Rotoren unter Belastung

Bei der Entwicklung neuer Geometrien und Fertigungstechniken für Rotoren wird immer mehr auf sorgfältige Prüfungsmethoden gesetzt. Für Belastungstests an Rotorblätter für WKA werden deshalb inzwischen eigene Prüfstände entwickelt, mit denen reale Belastungen durch Wind und Wetter simuliert werden können. Wichtig ist dabei, dass der kostspielige Rotor nicht zerstört wird. Übliche Rotoren haben derzeit Längen zwischen 40 m und 60 m und werden in Halbschalen-Sandwichbauweise aus glasfaserverstärkten Kunststoff gefertigt. Das Fraunhofer Institut IWES, Bremerhaven hat einen Prüfstand entwickelt, mit dem Rotorblätter bis 70 m Länge geprüft werden können. Durch mechanische Belastung kann die Spitze des Rotorblattes um bis zu 10 m verzogen werden. Das Rotorblatt wird dafür in horizontaler Lage an den Prüfstand montiert. Stahlseile werden über Umlenkrollen zum Rotor geführt und an verschiedenen Positionen entweder direkt oder über mechanische Klemmen am Rotorblatt befestigt. Zur Messung der Verformung werden am Prüfstand zwölf Seilzugsensoren verwendet. Je Zugpunkt messen zwei Sensoren die Auslenkung und Verwindung des Rotorblattes. Die Sensoren sind dafür auf Schienen am Boden montiert; das Messseil wird in vorgefertigte Ösen an den Klemmen eingehängt. Das einfache Handling und die robuste Konstruktionsweise der Sensoren überzeugten. Die Seilzugsensoren arbeiten in dieser Anwendung mit Messbereichen zwischen 3 m und 10 m. Das ausgegebene Digitalsignal wird direkt für weitere Simulationen herangezogen.
 

Kontrollierte Schweißnaht

Der Turm einer WKA wird meist als das unscheinbarste Bauteil erachtet. Dabei ist der Turm mit Höhen von 130 m und einem Gewicht von mehreren hundert Tonnen das größte und schwerste Bauteil einer WKA. Die unscheinbare aber äußerst wichtige Aufgabe, die Gondel zu tragen und allen Witterungseinflüssen standzuhalten erfordert ein hohes Maß an Qualität und Zuverlässigkeit. Eine sehr häufige Form sind Stahlrohrtürme, die aus meistens zwei bis fünf Segmenten mit je 20 m bis 30 m Länge bestehen. Ein Segment eines Turms wird aus 20 mm bis 40 mm starkem Stahlblech gerollt und anschließend verschweißt. Die einzelnen Segmente werden miteinander verschraubt oder auch geschweißt, wobei für die geschraubte Variante ein Flansch an das Segment geschweißt werden muss. Jede Schweißnaht muss dabei zwingend die hohen Belastungen des Turmes im fertigen Zustand widerstehen. Eine Qualitätsprüfung der Schweißnähte ist deshalb aus Sicherheitsgründen ein notwendiger Schritt.

Für die automatische und präzise Kontrolle von Schweißnähten werden bereits in vielen anderen Branchen Laserscanner von Micro-Epsilon verwendet. Einen passenden Vergleich bietet die Schweißnahtkontrolle von Pipelines. Auch hier müssen die Schweißnähte hohen Qualitätsanforderungen genügen.

Ein Laser projiziert einen Punkt oder eine Linie auf ein Objekt. Das dort diffus reflektierte Licht wird über die lichtempfindliche Empfangseinheit (CMOS) aufgenommen. Entfernt sich das Objekt, ändert sich auch der Lichteinfallswinkel und damit die beleuchtete Stelle auf dem Empfangselement.

Bei einer Messung wird das diffus gestreute Licht der Linie von einem hochempfindlichen CMOS-Chip detektiert, welcher ein präzises Abbild des Oberflächenprofils erzeugt. Jede Veränderung des Profils verändert die abgebildete Linie und resultiert damit in einem geänderten Abbild auf dem Chip. Jede Linie kann als Aneinanderreihung von Punkten gesehen werden.

Wird der Scanner über die Schweißnaht traversiert, entsteht durch aneinanderlegen der einzelnen Linienprofile ein 3D-Abbild des Objekts. Dabei wird auch von der sog. Punktewolke gesprochen, weil sich das Bild aus tausenden einzelner Messpunkte zusammensetzt.

Für WKA kann mit dieser Methodik eine einwandfreie Schweißnaht sichergestellt werden.
 

Weitere mögliche Anwendungen

Nach einigen Jahren im Einsatz werden Bauteile nach der Demontage auf Verschleiß geprüft. Dabei werden ebenfalls Profilscanner scanCONTROL verwendet, um vom Zahnrad ein 3D-Abbild zu erzeugen.

Für Tests der Steifigkeit von Zahnrädern für die Pitch-Steuerung werden mehrere Laser-Triangulationssensoren verwendet, die bei Belastung eine Bewegung des Zahnrades feststellen. Sie messen mit einem Laserpunkt den Abstand zum Zahnrad, jegliche Bewegung wird dabei registriert.
 

Viele weitere Anwendungen mit Wegsensoren sind für WKA denkbar. Insbesondere in der Qualitätssicherung von Bauteilen ist noch enormes Potenzial zu erwarten.

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