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Profilschleifen als Profession
27.03.2009 | Wenn es ums Schleifen generell und speziell um das präzise Profilschleifen geht, kommt man in der Schweiz wohl kaum an dem Unternehmen Flury Tools in Arch vorbei. Mit einem bemerkenswerten Maschinenpark – von Mägerle über Haas bis Amada-Wasino. Das Unternehmen kann im Sektor Profilschleifen auch als Schweizer Kompetenzzentrum bezeichnet werden. Hier werden Werkstücke geschliffen, wo andere nicht mehr weiter wissen.
Wer heute
das Unternehmen mit seinen 20 Mitarbeitern Flury Tools in Arch bei Grenchen
besucht kann sich kaum vorstellen, dass alles in einer Garage und einer
Profilschleif-Maschine angefangen hat, hat es aber. Anton Flury fügt mit
Schmunzeln hinzu: der zweite Schritt war eine Doppelgarage, mit zwei Maschinen.
Zehn Jahre später wurde das Gebäude hochgezogen, wo die jetzige Firma ihren
Sitz hat und wurde seitdem dreimal erweitert. Für weitere Erweiterungen ist
rings um das Gebäude noch viel Weideland vorhanden, das derzeit sehr artgerecht
genutzt: Anton Flury betreibt neben seinem Unternehmen mit Leidenschaft eine
Lamazucht. 15 Lamas dürfen direkt neben dem Firmensitz ein feudales Dasein
fristen, was hier im SMM aber nicht näher eruiert werden soll. Gleichwohl sind
solche Szenen eine dankbare Abwechslung im Alltagsleben des SMM-Redaktors.
Faszination der Selbständigkeit CNC-Tiefschleifen,
Rundschleifen, Flachschleifen und Profilschleifen sind die Fertigungsbereiche,
die das Unternehmen beherrscht. Wobei im
CNC-Tiefschleifen und insbesondere im Profilschleifen ein hervorragendes
Know-how aufgebaut wurde.
Anton Flury
machte sich 1974 selbständig, wie er sagt weil ihn die Faszination der
Selbstständigkeit gereizt hat. Anton Flury: „Ich habe damals eine gute
Möglichkeit gesehen, mich im Profilschleifen selbstständig zu machen. Ich hatte
mich in der Uhrenindustrie in diesem Sektor spezialisiert.“ Wer das Unternehmen
heute sieht, erkennt das dies ein 100% richtiger Schritt war. Heute sind seine Tochter Nicole Flury und sein Sohn
Matthias Flury fest in das Unternehmen integriert und werden es in Zukunft
gemeinsam weiterführen. Übrigens: der Grund, dass die SMM-Redaktion das
Unternehmen besuchte, war die Gewinner-Profilschleif-Maschine des Prodex-Award
von Amada Wasino. Das Unternehmen Flury Tools verfügt über drei Vorgänger-Modelle
der neuesten Amada-Wasino-Maschine und hat das neueste Modell bereits genau
unter die Lupe genommen.
Früher: kein Freund japanischer Maschinen Matthias
Flury ist begeistert von den Wasino-Maschinen. Insbesondere ist die sehr
leichte Programmierung der Maschinen sensationell. Dabei war Anton Flury alles
andere als ein Freund japanischer Werkzeugmaschinen – „traditionsbedingt“ wie
er sagt. „Aber vor einigen Jahren habe ich mir dann doch eine Wasino-Maschine
angeschaut und sie überzeugte uns vollumfänglich.
Heute: Japanische Maschinen haben überzeugt Anton
Flury: „Heute haben wir drei Optische-Wasino-Maschinen zwei
Wasino-Flachschleif-Maschinen;und ich habe meine Japan-kritische Haltung
vollumfänglich revidieren müssen. Nicht nur die Maschinen sind erstklassig auch
die Beratung und das Know-how ist exzellent ausgeprägt.“
Matthias
Flury ergänzt: „die Japaner zeichnen sich durch ihrer unbedingten Willen zur
Perfektion aus. Vor allem bemerken wir, wenn wir in Japan sind, dass unsere
Anliegen sehr ernst genommen und genau geprüft werden. Die Japaner verfügen
über eine aussergewöhnlich hohe Arbeitsethik. Letztlich merkt man das am
Produkt, das ist beeindruckend. Wenn es geht, dann geht es richtig, halb
richtig gibt es nicht. Entsprechend überzeugt sind wir von den
Amada-Wasino-Maschinen.“ Halb Richtig scheint es auch bei Flury Tools nicht zu
geben.
Wann kommt das Profilschleifen zum Einsatz? Das
Fertigungsverfahren Profilschleifen wird dann eingesetzt wenn Fräsen nicht mehr
genügt oder schlicht nicht mehr möglich
ist. Die grösste Konkurrenz zum Profilschleifen ist nach wie vor das Draht- und
Senkerodieren. Anton Flury: „Wobei ich betonen muss, unsere profilgeschliffenen
Formstempel erreichen längere Standzeiten aufgrund der besseren
Oberflächengüte.“ Generell erreicht man beim Profilschleifen Oberflächengüten
von N3 -manchmal sogar N2. Auf die Frage, was alles realisierbar ist, sagte
Matthias Flury: „Es ist einfacher zu sagen was wir nicht können. Wir können zum
Beispiel keine Innenprofile schleifen. Der Markt im Bereich
Innenprofilschleifen ist derzeit bei uns zu klein. Eine Investition für uns
würde sich nicht lohnen.“ schliesst Matthias Flury.
Schwierig zu bearbeitende Werkstoffe? Eher
schwierig zu bearbeitende Werkstoffe sind Aluminium, Titan, als auch Kobalt-Legierungen
(s.u.). Alle diese Werkstoffe neigen zum Schmieren und können der
Schleifscheibe zusetzen. Matthias Flury: „Aber wir können das, und haben
entsprechendes Know-how bei der Bearbeitung dieser Werkstoffe aufgebaut. Auch
Keramik ist nicht ganz unproblematisch, aber eher wegen seines spröden
Verhaltens und der schlechten Wärmeabfuhr. Keramik bearbeiten wir aktuell nicht
mehr so häufig wie früher, der Trend geht im Werkzeugbereich wieder stärker in
Richtung Hartmetall. Das liegt sicher auch daran, dass die HM-Qualitäten immer
besser wurden und die Keramik in diesem Sektor immer weniger oft eingesetzt
wird. Da wir praktisch keine medizinaltechnischen Implantate fertigen, gibt es
in diesem Zusammenhang auch keine Zunahme in diesem Werkstoffspektrum, speziell
bei uns.“
60 % des Weltjahresbedarf an Schafscheren Flury Tools
ist stark im Schweizer Markt verankert. 90 Prozent gehen zu Schweizer
Unternehmen, zehn Prozent direkt in den Export. Wobei hier klar festzuhalten
ist, dass von den 90 Prozent einiges ebenfalls indirekt exportiert wird. So
fertigt das Unternehmen 60 Prozent des Weltjahresbedarfs der Schafscheren, und
da liegt der Markt grösstenteils in Australien und Neuseeland. Auch für den
Coiffeur-Sektor werden Schermesser in Arch bei Grenchen geschliffen. Anton
Flury: „Auch hier machen wir beachtliche Stückzahlen.“
Breites Werkstückspektrum Für die
Uhrenindustrie fertigt das Unternehmen Stempel, Lehren und Matrizen. Zum
Beispiel spezielle Ladeschienen für das automatisierte Teilehandling und Montage
für die kleinen Werkstücke von 0.15 mm der Uhren, bekommen bei dem Unternehmen
aus Arch den letzten Schliff.
Selbst
Drehstähleinsätze für die Uhrenindustrie und generell für den
Decolletage-Bereich kommen aus Arch.
Von Medizinal- bis Automotive-Technologie Auch für
Hüftgelenk-Pfannen, deren Schäfte eine besondere Struktur erhalten, werden bei
Flury Tools die Drehstähle geschliffen. Für die in der Region ansässige
Medizinalindustrie werden zudem Torx-Sechskantstempel, Lehren,
Formwendeplatten, als auch Instrumente gefertigt.
Aber auch
für die Automotiv-Industrie fertigt das Unternehmen Werkstücke, wie die kaum 1
mm dicken mit einem ganz spezifischen Spitzen-Radius geschliffenen
Mikroschweisselektroden. Diese Elektroden mit hohem Kobalt-Gehalt sorgen für
einen sicheren Schweisspunkt 8/100 mm dünner Drähte in Komponenten des
Airbagauslösers. Die Elektrodenspitze muss einen äusserst genauen Radius
aufweisen. Anton Flury: „Das ist schon schwierig genug, noch dazu neigt Kobalt
beim Schleifen zu schmieren, was die Angelegenheit nicht wirklich einfacher
macht.“
Weitere
typische Werkstücke sind Presswerkzeuge, Ventilsitzringe und Spannzangen für
die Herstellung von Einspritzdüsen.
Wenn wir es können, bekommen wir den Auftrag Wie sich
zeigt, ist das Spektrum komplex und es stellt sich die Frage, wie lang dauert
es, bis ein Werkstück fertig gestellt ist. Darauf zielte die Frage ab, welche
Zeitspanvolumen man mit dem Profilschleifen im Maximum generieren kann. A.
Flury sagte unzweideutig, dass das nicht die entscheidende Rolle spielen würde.
Um im gleichen Moment auf ein Werkstück hinzuweisen, bei dem Nuten mit
kleinsten Radien im Grund im Hundertstel-Bereich geschliffen werden mussten.
Anton Flury: „Bei diesem Werkstück mit zirka 40 Nuten und einem Durchmesser von
30 mm, schleifen wir zirka 24 Stunden im Präzisionsbereich. Da spielt das
Zeitspanvolumen überhaupt keine Rolle mehr. Es ist die Feinarbeit, die Zeit
kostet. Oft geht es eigentlich nur noch darum, ob wir es überhaupt fertigen
können, wenn ja, dann bekommen wir den Auftrag.“
Flury Tools
AG Römerstrasse
West 32 3296 Arch Tel.
032-679 55 00 Fax 032-679
55 10 info@flurytools.ch www.flurytools.chKurzinterview mit Anton FluryIn welchen Bereich sehen Sie weiterhin
wachsendes Potential für das Profilschleifen? Das ist
schwer zu sagen. In der Schweiz sind wir ein bekanntes Unternehmen im Sektor
des Profilschleifens. Ob wir in Zukunft im Ausland aktiver werden, müssen wir
genau prüfen.
Inwieweit hat sich das Anforderungsprofil an
ihrer qualifizierten Facharbeiter geändert gegenüber früher? Das hat
sich eigentlich nicht sehr gross geändert. Der Mann an der Maschine muss sogar
weniger programmieren als früher, da wir heute mit Postprozessoren auf die
Maschine gehen. In der Arbeitsvorbereitung ist aber dagegen ein höheres Wissen
im Bereich Programmierung gefragt.
Was sind aus ihrer Sicht die drei wichtigsten
Vorraussetzungen, die ein junger Mitarbeiter haben sollte. Kurz und
knapp: genaues, sauberes und zuverlässiges Arbeiten.
Und wie erleben Sie es in der Praxis? Zum Teil
bringen die jungen Mitarbeiter diese Eigenschaften mit, aber es ist im grossen
und ganzen eher schwierig. Da wir uns in einem Nischenprodukt bewegen, ist es
unsere Aufgabe, unsere Mitarbeiter speziell in diese Branche einzuarbeiten.
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