Neue ESD Norm (IEC 61000-4-2 Ed.2)

07.01.2010 | Die Norm 61000-4-2 ist Teil der Elektromagnetischen Verträglichkeit Normengruppe(EMV). Sie beschreibt die Prüf- und Messverfahren zur Immunitätsprüfung gegenüber Elektrostatischen Entladungen. Die zweite Ausgabe der Internationalen Norm IEC 61000-4-2 annulliert und ersetzt die im Jahr 1995 veröffentlichte erste Ausgabe und deren Änderungen (1998, 2000).

Überarbeitung der Norm
Das Ziel dieser Überarbeitung ist die Schaffung einer gemeinsamen und reproduzierbaren Grundlage für die Beurteilung der Leistung von elektrischen und elektronischen Geräten die elektrostatischer Entladungen ausgesetzt sind.

Die heutige Technologie ermöglicht nun die Pulsform mit höheren Abtastrate zu messen (> 2 GHz) und damit die Reproduzierbarkeit der Prüfungen zu verbessern. Dafür musste die Kalibrierung und die Prüfung der Messeinrichtung klarer definiert werden.

Ausserdem  ist es ebenso wichtig worden, eine mathematische Gleichung für die Stromwellenform zu definieren. (Simulationsmöglichkeiten)

Die Änderungen in Bezug auf die erste Ausgabe dieser Norm und deren Abänderungsanträge sind die folgenden:
Messeinrichtung bis 4GHz
Dies ist wohl die wichtigste Änderung in dieser neuen Normenausgabe.

Zur Kalibrierung des Prüfgerätes (Prüfpistole) wird eine Art Zielscheibe (Target) benutzt. Dieses Target und deren Leitung zum DSO, wie in der ursprünglichen Norm beschrieben, beinhaltet einen zu grossen Dämpfungswert bei höheren Frequenzen. Die gesamte 50Ohm Messeinrichtung (Target, Koaxialkabel) musste neu definiert werden (+- 0.5dB bis 1GHz, +- 1.2dB von 1 bis 4GHz).

Diese Messeinrichtung ist neu im normativen Anhang B zu finden und beschreibt wie dieses Target aussehen soll und wie die gesamte Messung erfolgen muss.

Die analoge Bandbreite vom Oszilloskop zur Messung der ESD-Pulsen ist neu spezifiziert worden und beträgt jetzt >= 2GHz.

Für eine Prüfspannung von 1kV sind die Anstiegszeit (0.8ns +-25%), der Spitzenstrom (3.75A), der Strom nach 30ns (2A+-30%) und der Strom bei 60ns (1A+-30%) zu halten.

Weitere Änderungen
Das Prüfverfahren ist ebenfalls angepasst worden, bis zu 100 Pulsen pro Testpunkt sind nötig (Eskalationsmethode). Der Anzahl Impulse pro Prüflevel und Polarität ist für die Kalibrierung gestiegen und wird einen Einfluss auf die Kalibrierungskosten haben.

Das Normenkomitee hat zwei zusätzliche informative Anhänge zur Norm beigefügt. Der erste ist eine Information über die Strahlungsfelder bei Mensch-Metall-Entladung und bei ESD-Generatoren. Im zweiten neuen informativen Anhang handelt es sich um ausführliche Messunsicherheitshinweise. Diese beiden Anhänge haben aber keinen direkten Einfluss auf die Prüfgeräte und Messeinrichtungen.

Zum Schluss
Eine gemischte Messeinrichtung (Teil Ed1, Teil Ed2), zum Beispiel mit einem „Pellegrini“ Target und einem 4GHz DSO, kann zu falschen oder mindestens nicht normgerechten Messungen führen. Mittelfristig sollten alle vorhandenen ESD-Prüfgeräte nach der neu veröffentlichten Norm kalibriert werden.

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