„Es musste so kommen“ stellt der
unabhängige Schadensexperte fest. Die 10-Tonnen-Sendung ist für Afrika
bestimmt. Ursprungsland Taiwan. In der Schweiz soll die Drehbank
zwischengelagert und mit anderen Maschinen weiter zum Endkunden versendet werden.
Die Spitze des Eisbergs
Die Holzkiste wird vom Hafen per
Lastwagen ins zürcherische Attikon zur Wegmüller AG geliefert. Vor dem Anlegen
der Krangurten werden die Verpackungsprofis misstrauisch: Alle Längs- und
Querbalken der Billigverpackung sind geknickt. Ist der Holzboden zu schwach
fürs Maschinengewicht, brechen die tragenden Balken. Zudem fehlen die
Deckelbalken, die die Seilkräfte an den Seitenwänden aufnehmen. Die Kiste würde
beim Ablad einknicken. Das verwendete Holz entspricht nicht den internationalen
ISPM Pflanzenschutz-Vorschriften.
Im Beisein des Kunden öffnen die Profis von Wegmüller den Kistendeckel.
Erstaunt stellen sie fest: Hier drin gibt’s keinerlei Korrosionsschutz. Weder korrosionshemmende
VCI-Plane noch luftdichte Aluhülle; nur eine gewöhnliche, zerrissene
Plastikfolie vom Baumarkt sollte den Koloss auf hoher See vor Feuchtigkeit schützen.
Rost, Beulen, gebrochener Guss
Nach und nach offenbart sich die
Bescherung. Fast alle blanken Stellen tragen braune Korrosionsspuren. In der
blechernen Verkleidung sind Beulen eingedrückt. Halterungen aus Guss sind in Stücke
gespalten. An Kartonschachteln und Zurrbändern hat sich Schimmel gebildet.
Der Havariekommissär rollt den
Schadenfall auf: Als die Kiste zum ersten Mal am Kran hing, mussten die dünnen
Bodenbalken dem hohen Gewicht nachgeben. Die Maschine sackte im Innern der
Kiste ab. Dadurch lösten sich die Transportsicherung und die Zurrbänder.
Entsprechend raste der Werkzeugschlitten der Drehbank bei jeder
Transportbewegung von Anschlag zu Anschlag. Er riss Kabel aus, schlug Beulen
ins Blech, scheuerte das schützende Fett vom blanken Metall und zerriss die
Plastikhülle. Dadurch gelangte Feuchtigkeit ins Innere und beschleunigte die
Korrosion.
Den Wegmüller Leuten gelingt der
Ablad, indem spezielle Stahlrohre den Boden stützen und ein Kranjoch die Kiste
gleichmässig anhebt.
Optimal verpackte Güter sind vor
äusseren Einflüssen wie Stössen, Vibrationen oder Feuchtigkeit beim Auf-, Um-
und Ablad geschützt. Auch korrosionsanfällige, zerbrechliche oder fragile
Exportgüter erreichen nach einer langen Reise auf dem Lastwagen, im Flugzeug
oder auf hoher See ihr Ziel unbeschädigt.
Mit den werkseigenen
Spezialfahrzeugen gelangen die Transportgüter zu Wegmüller. Dort übernehmen Spezialisten
die Verpackungsarbeiten und halten die fertig verpackten Güter in den
Lagerhallen versandbereit.