IO-Link als zukunftsweisenden Standard

IO-Link als zukunftsweisenden Standard
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24.05.2011 | Wer scheinbar bewährte Installationskonzepte in Frage stellt, muss gute Argumente ins Feld führen. Wenn ein neuer Kommunikationsstandard Installationsvereinfachung durch den Verzicht auf überflüssige Busknoten und teure Verkabelung verspricht, wenn die Parametrierung von Sensoren und Aktoren ganz einfach und zentral per Software realisierbar ist und nachweislich Mehrwert für Hersteller wie Betreiber entsteht, schaut man schon mal genauer hin. Das hat Dörries Scharmann Technologie mit Sitz in Mönchengladbach getan und dabei IO-Link als zukunftsweisenden Standard für ihre Anlagen entdeckt.

Schon allein die schiere Größe und technischen Rahmendaten beeindrucken: Die Heavyspeed 2 ist ein Tragbalken-Bohr- und Fräswerk für mittlere bis sehr große Werkstücke im Maschinen- und Anlagenbau. Der vertikale Bearbeitungsständer mit dem über eine Kugelrollspindel frei beweglichen Spindelkasten misst vier Meter in der Höhe. Das gesamte Segment inklusive mitfahrender Bedienbühne ist am Boden über eine Führungsbahn je nach Aufgabe um bis zu 15 Meter bewegbar. Der dem Maschinenständer mit dem Spindelkasten gegenüber liegende Bearbeitungstisch ist, parallel zur Vorschubrichtung der Bohrspindel, ebenfalls horizontal verschieb- und zusätzlich um seine Vertikalachse drehbar. Mit einer Aufspannfläche von maximal 6,5 mal 8 Metern bietet er Schwergewichten mit bis zu 250 Tonnen Platz. Die gesamte Maschine bringt es auf ein Gesamtgewicht von ca. 200 Tonnen. „Ist das Werkstück erst einmal auf dem Tisch gespannt, erledigt das Bearbeitungszentrum im vollautomatischen Ablauf des NC-Programmes für die jeweilige Bearbeitung mehrere Bohr-, Dreh- oder Fräsaufgaben innerhalb des Arbeitsraumes der Maschine, ohne dass die schweren und großvolumigen Bauteile neu aufgespannt werden müssen“, bringt Christian Nientimp, Funktionsleiter Elektro-Hardware bei Dörries Scharmann Technologie GmbH (DST), die besonderen Vorteile der Heavyspeed-Baureihe auf den Punkt. Der Hersteller von Bearbeitungszentren und Anlagen mit Hauptsitz in Mönchengladbach blickt auf eine langjährige Tradition zurück, Maschinen von DST kommen unter anderem im Schiffs-, Flugzeug- und Turbinenbau zum Einsatz.

Hohen Auskragungen und Drehmomenten bis zu 20.000 Nm

Hohen Auskragungen und Drehmomenten bis zu 20.000 Nm
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Durch die hydrostatische Lagerung der Linearachsen, garantiert die Heavyspeed selbst bei wechselnder dynamischer Beanspruchung, hohen Auskragungen und Drehmomenten bis zu 20.000 Nm höchste Steifigkeit bei gleichzeitig absoluter Genauigkeit. Zentrales Element der Bearbeitungseinheit ist ein in Richtung Werkstück ausfahrbarer Spindelkasten mit Tragbalkenausschub. Zusätzliche Dreh- und Neigeachsen der Bearbeitungseinheit, realisiert durch einwechselbare Zusatzaggregate wie z.B. einen 2-Achs NC-Kopf, ermöglichen in Kombination mit der Beweglichkeit des Arbeitstisches ein breites Bearbeitungsspektrum mit fast uneingeschränkter Zugänglichkeit. Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Applikationen und Werkzeuge lassen sich große Maschinenteile ebenso bearbeiten wie Ventile für die Öl- und Gasindustrie. Die Bedienbühne mit Ausschub erlaubt optimale Sicht auf den Bearbeitungsprozess und einen guten Zugang zum Werkzeug. Auf der linken Seite des Bearbeitungsständers führt der Ständer der Heavyspeed einen Kettenmagazin-Werkzeugwechsler mit bis zu 80 Plätzen mit.

Im Zuge der Umstellung des Elektro- und Steuerungskonzepts stand bei der Heavyspeed-Reihe auch eine Optimierung des Installationskonzeptes an. Christian Nientimp suchte nach einer Lösung, die nachweislich mehr Nutzen über den gesamten Lebenszyklus der Anlage hinweg entfalten sollte. Per Zufall las er in einem Fachmagazin, welche handfesten Vorteile die Integration von IO-Link in Drehautomaten sowohl für den süddeutschen Hersteller als auch für dessen Kunden nach sich zog. „Für mich war klar, dass diese innovative Technologie auch bei unseren Maschinen Prozesse vereinfachen, Kosten senken und letztlich die Produktivität steigern würde“, betont Christian Nientimp.

IO-Link steht im Maschinen- und Anlagenbau für schlankere, Zeit und Kosten sparende Konzepte. Mit beeindruckenden Konsequenzen für Installation, Parametrierung und Diagnose. Dahinter steckt ein simpler Sachverhalt: Vielfach müssen auch heute noch Signale von Sensoren und Aktoren umständliche Wege durch ein-, mehradrige, geschirmte sowie ungeschirmte Kabel, Reihenklemmen, Steckverbinder, Anschaltbaugruppen, Gateways und IO-Baugruppen zur Steuerung zurücklegen. IO-Link beseitigt diesen Kommunikationsengpass ein für alle Mal. Die digitale Kommunikationsschnittstelle macht die Verbindung durchlässig, sie gestaltet den Daten- und Signalaustausch einfach und transparent. Im Kern genügt ein gewöhnliches ungeschirmtes dreiadriges Standardkabel, das den IO-Link-fähigen Aktor oder Sensor per Stecker mit einem IO-Link Master verbindet. Selbst gewöhnliche Sensoren lassen sich über spezielle Sensorhubs in IO-Link Konzepte integrieren und profitieren dann ebenfalls von den Vorteilen des innovativen Kommunikationsstandards. Geschirmte oder ungeschirmte Sonderkabel entfallen, neben dem IO-Link Master bedarf es keiner weiteren Anschaltbox mehr.


Skepsis im Unternehmen groß

„Zu Beginn war die Skepsis im Unternehmen
groß, IO-Link wurde dabei auch als eine Art neues Bussystem missverstanden“, erinnert sich Christian Nientimp. Erfahrungen oder gar Referenzprojekte gab es zum damaligen Zeitpunkt kaum, zahlreiche Argumente sprachen dennoch für einen Einsatz der neuen Kommunikationsschnittstelle: Wenn Signale ihren Weg anstatt über lange, teure und insbesondere bei der Übertragung analoger Signale gegen EMV-Störungen anfällige 24-polige Kabel alternativ über eine dreiadrige Standardleitung nehmen können, wenn an die Stelle aufwändiger Verdrahtung einfaches Stecken tritt, wenn Klemmleisten und die allgegenwärtigen Probleme mit dem Schirm der Vergangenheit angehören, lassen sich Zeit- und Kostenvorteile im Rahmen der Installation überzeugend darstellen, sagte sich Nientimp.

In der Heavyspeed-Maschine von DST versehen IO-Link-Master von Balluff ihren Dienst. Mit diesen stehen per Dreidrahtleitung IO-Link Drucksensoren in Verbindung, die für die Überwachung der Zentralschmierung und des Hydrostatikdruckes der Achsen verantwortlich zeichnen. Über ebenfalls direkt an den IO-Link Master angeschlossene Sensorhubs sind die zahlreichen einfach schaltenden Sensoren und Aktoren der Anlage in die IO-Link Topologie integriert. Derartige Sensor/Aktorhubs kommen beispielsweise am Werkzeugmagazin der Heavyspeed zum Einsatz: Pro Hub, die über ihre eigene Spannungsversorgung verfügen, sind 7 Sensoren und 7 Ventile angeschlossen. Sämtliche Signale werden über die dreiadrige Standardleitung zum rund 20 Meter entfernten Steckplatz des IO-Link-Master an einem Hydrostatikaggregat übertragen und stehen damit der Steuerungsebene über den im Profibus DP der Anlage integrierten IO-Link-Master zur Verfügung. „An den nur per simpler Dreidrahtleitung angebundenen Ventilinseln mit ihren bis zu 16 Ein- und/oder Ausgängen lassen sich die Vorzüge von IO-Link bezüglich der Installation am eindrucksvollsten darstellen“, meint Christian Nientimp. Darüber hinaus ist IO-Link verantwortlich dafür, dass im ohnehin beengten und auf der Bühne mitfahrenden Schaltschrank zusätzlicher Platz frei geworden ist: Wurde ein großer Teil der peripheren Sensorik und Aktorik zuvor über Busmodule der Schutzart IP20 eingesammelt, sind diese nun über die deutlich einfachere Installation via IO-Link Master in der Schutzart IP65 in Verbindung mit Sensor-Aktorhubs direkt und ohne zusätzliche Trennstelle angebunden. IO-Link reduziert Profibus-/Profinet-Knoten und macht teure Profibus-Slaves überflüssig.
Darüber hinaus sind Sensor- und Aktorhubs preisgünstiger als die zuvor verwendeten Geräte mit integrierter Profibus-Anschaltung. Die Installationskosten sinken, die Kosten für den teureren IO-Link Master amortisieren sich mit Blick auf die Gesamtanlage und die zu installierende Topologie rasch. Und dabei sind die Potenziale noch nicht einmal ausgereizt: „Die Installation analoger Sensoren ohne IO-Link-Schnittstelle via Sensor- Aktorhubs sehen wir als Übergangslösung. In Zukunft steht hoffentlich ein deutlich breiteres Spektrum kostengünstiger IO-Link fähiger Aktoren und Sensoren zur Verfügung, die dann direkt auf den IO-Link-Master gesteckt werden“, sagt Christian Nientimp. Wenngleich die Installationsvorteile überzeugen, sprechen für Nientimp noch eine ganze Reihe weiterer Gründe für IO-Link. Bisher wurde an der Maschine installierte analoge Sensorik und Aktorik über lange geschirmte Leitungen auf Busbaugruppen im Schaltschrank verdrahtet. Durch die notwendige Verlegung der Leitungen durch Kabelschlepps und der damit verbundenen mechanischen Beanspruchung der Leitungen durch die hohe Dynamik der Maschinen konnte nicht immer eine dauerhafte fehlerfreie Funktion des Schirmes gewährleistet werden. So kam es in der Vergangenheit bei Maschinen von DST gelegentlich zu Bitverfälschungen aufgrund von elektromagnetischen Störungen. Das gehört nun der Vergangenheit an, mit IO-Link profitieren die Anwender von einer deutlich höheren Störfestigkeit des Signals.

Die Themen Parametrierung und Diagnose genießen bei DST einen hohen Stellenwert. Zwar sind in den Maschinen und Anlagen des Unternehmens schon seit längerem parametrierbare Sensoren im Einsatz, zentral ließen sich diese aber nicht einstellen. Insbesondere die für die Überwachung der Zentralschmierung und des Hydrostatikdruckes der Achsen zuständigen Drucksensoren befinden sich konstruktionsbedingt an besonders schwer zugänglichen Stellen unterhalb einer Teleskopabdeckung. Dem entsprechend aufwändig war es stets, dort hinzuklettern und vor Ort entsprechende Einstellungen vorzunehmen. So konnte der Inbetriebnehmer bisher nur über eine direkte Verbindung zum jeweiligen Programmiergerät auf einen parametrierbaren Sensor zugreifen und eventuelle Änderungen an der Parametrierung vornehmen.

4-Kanal Master

4-Kanal Master
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Hilfreich ist die erhöhte Flexibilität von IO-Link auch bei der Multifunktionalität der IO-Link-Ports bezüglich vorzuhaltender Reserve-I/O Kanälen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass man nie im Voraus weiß, wie viele und von welchem Typ an weiteren IO-Kanälen später benötigt werden. Oft läuft es darauf hinaus, dass man von dem benötigten Typ zu wenige, von einem anderen Typ dafür ungenutzte hat. Oder dass man wegen eines einzigen zusätzlich benötigten Kanals wegen der minimal verfügbaren Granularität gleich 4, 8 oder 16 Kanäle nachrüsten muss. Ein an einem 4-Kanal Master noch nicht genutzter IO-Link Port eröffnet dem Anwender eine hohe Flexibilität hinsichtlich zukünftiger Erweiterungen. Erst zum Zeitpunkt des Bedarfs muss entschieden werden, was angeschlossen werden soll, ein messender Sensor, ein RFID Lesekopf, eine zusätzliche Ventilinsel oder ein Sensor/Aktorhub für zusätzliche digitale I/O.

DST hat ein klares Ziel vor Augen: Ist die Installationsphase abgeschlossen, soll die gesamte Aktorik und Sensorik der Maschine zentral und softwarebasiert mit Hilfe von Daten- und Funktionsbausteine parametrierbar sein. Ganz gleichgültig, wo sich die einzelnen Devices befinden. Aber auch die schnelle zentrale Parametrierung der gesamten Maschine nach Abschluss der Installation über das IO-Link Device Tool wird bereits jetzt genutzt. Damit verkürzen Hersteller nicht nur das eigentliche Ramp-Up, sondern die gesamte Time-to-Market-Phase. Und schneller am Markt zu sein, ist heute schließlich ein wesentliches Verkaufskriterium. Der Benutzer profitiert, weil er jetzt die erforderlichen Parameterdaten zentral setzen und vergleichsweise schnell und einfach an neue Produktionslinien anpassen kann. Eine Fülle von Möglichkeiten eröffnet IO-Link auch bei der Diagnose. Weil die Maschinen von DST weltweit im Einsatz sind, genießen zuverlässige Fernwartungskonzepte hohe Priorität. Der Vorteil: IO-Link und die entsprechenden IO-Link Sensoren und Aktoren machen den Blick auf die Prozessebene frei. Der Service-Mitarbeiter erkennt im Falle einer Störung im Detail, was dem Sensor oder Aktor fehlt resp. welches Bit gesetzt ist. „Vielleicht ist ja nur der Sensor verschmutzt und das entsprechende Meldebit gesetzt, in jedem Fall erhält der Maschinenbediener eine klare Diagnose und konkrete Tipps, wie er rasch Abhilfe schaffen kann“, erläutert Christian Nientimp. Und das spart letztlich Zeit und Geld.

Dörries Scharmann Technologie GmbH sieht die Integration von IO-Link als Schritt in die richtige Richtung. Beginnend mit der Anlagenkonzeption und Konstruktion über die Installation bis zur langjährigen Produktionsphase lassen sich entlang des gesamten Lebenszyklus der Maschine Mehrwert-Effekte für alle Beteiligte nachweisen. Kein Wunder also, dass man im Unternehmen diesen Weg weiter beschreiten und künftig noch mehr auf IO-Link setzen will. Denn im Grunde ist man noch am Anfang: Nicht nur bei DST kann man sich ein weit breiteres Sortiment an IO-Link tauglichen Aktoren und Sensoren vorstellen, die sich, ohne Umweg über Sensorhubs, direkt auf den IO-Link Master stecken lassen. Darüber hinaus gibt es durchaus noch ein paar Dinge, die sich verbessern ließen: Wenn es gelänge, dass sich die IO-Link Hersteller bei IO-Link Mastern auf einheitliche standardisierte Device-Tools einigen könnten, wäre das ein weiterer Schritt in Richtung Handling-Vereinfachung und Akzeptanz.

Wenn man sich dann innerhalb des IO-Link Konsortiums noch darauf verständigen könnte, auf welchen - einheitlichen - Positionen die einzelnen Prozessdaten eines Devices stehen sollen, wäre das mit Sicherheit ein weiterer Schritt in Richtung Transparenz und Durchbruch eines im Grunde lange überfälligen Kommunikationsstandards. Hier ist das IO-Link Konsortium aber bereits tätig und hat einen Arbeitskreis gegründet, der sich mit der geforderten Vereinheitlichung in dem so genannten „Smart Sensor Profil“ beschäftigt. „Letztlich ist für uns entscheidend, dass wir den mit IO-Link inside erzielbaren Nutzen und Mehrwert unseren Kunden auch begreiflich machen können. Aber da sind wir auf einem guten Weg“, fasst Christian Nientimp zusammen.

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