Globalisierung: Interview zu den Megatrends

Globalisierung: Interview zu den Megatrends
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Hans Baumgartner, Leiter KMU-Geschaft Schweiz
19.07.2010 | Megatrends verändern Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig. In ihrer jüngsten Studie haben die Ökonomen der Credit Suisse rund 1800 kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz zum Thema Megatrends befragt. Hans Baumgartner, Leiter KMU – Firmenkunden Schweiz der Credit Suisse und Martin Neff, Leiter Economic Research Schweiz der Credit Suisse, zu Chancen und Risiken für Schweizer Unternehmen.

Video-Interview zur Studie:

Joy Bolli: Herr Neff, was beschäftigt die Schweizer Unternehmen gemäss der neuen Umfrage am meisten?
Martin Neff:
Die Studie hat zum Ziel, längerfristige Trends der Schweizer Unternehmen einzufangen. Wir prüfen, ob diese längerfristige Optik – beispielsweise demographische Veränderungen, die Frage des Wertewandels in der Gesellschaft, oder auch die Globalisierung – über einen längeren Zeithorizont ungefähr gleich beurteilt werden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Thematik der Megatrends in der Schweiz sehr positiv aufgenommen wurde. Die Unternehmen sind mehrheitlich der Meinung, dass ihnen die Megatrends Chancen bieten, obwohl die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung den Optimismus etwas dämpft. Insbesondere beim Thema Globalisierung werden die Chancen nicht mehr so stark beurteilt wie noch in den Vorjahren.

Herr Baumgartner, Sie verantworten das Schweizer KMU-Geschäft bei der Credit Suisse. Wie schätzen Sie die Situation der Schweizer KMU ein und wie können diese weiterhin erfolgreich am Exportwachstum teilhaben?
Hans Baumgartner:
Die Schweizer Unternehmen und KMU haben ihre Hausaufgaben gemacht und die sich bietenden Chancen durch die Marktöffnungen der letzten 20 Jahre sehr gut genutzt. Es ist den Schweizer KMU immer wieder gelungen, Exportchancen zu erkennen, dank einer erfolgreichen Nischenstrategie ins Ausland zu expandieren und sich in der ganzen Welt gut zu etablieren. Bei einer Expansion ins Ausland ist es ist sehr wichtig, dass sich die Unternehmen gut vernetzen und sich mit starken Partnern zusammentun. Wenn Sie heute schauen, sehen Sie überall in der Welt gut aufgestellte Schweizer KMU. Und diese Entwicklung hält an: Dank des erreichten Wachstums im Exportbereich schaffen auch immer wieder neue Schweizer Unternehmen den Eintritt in den Weltmarkt.

Wie wichtig ist in diesem Zusammenhang das Label „Swiss Made“ noch?
Hans Baumgartner:
Das Label „Swiss Made“ ist nach wie vor sehr wertvoll. Viele Schweizer Unternehmen – insbesondere KMU – haben ja nicht eine eigene starke Marke. Und das Label „Swiss Made“ wird immer noch weltweit mit Attributen wie Qualität, Zuverlässigkeit und höchste Kompetenz besetzt. Das ist für den Markteintritt enorm wichtig, gerade auch in China, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Es ist ein riesiger Vorteil, wenn man als Schweizer Unternehmen mit dem Label „Swiss Made“ auftreten kann.

Herr Neff, wie kann die Schweiz den KMU helfen, ihre Position weiter zu verbessern?
Martin Neff:
Zunächst kann man sagen, dass die Schweiz den KMU schon sehr viel geholfen hat. Herr Baumgartner hat das treffend gesagt: Der Brand „Schweiz“ ist ein bedeutendes Marketingtool für Schweizer KMU, die Schweiz ist ein Qualitätssiegel weltweit und das ist mit Sicherheit auch für die KMU von Vorteil. Wenn man die Schweizer KMU direkt nach Verbesserungen fragt, dann wird an erster Stelle der administrative Aufwand genannt. Schweizer KMU wünschen sich Behörden, die ihnen die Möglichkeit geben, ihre Pläne zu verwirklichen und dabei den administrativen Aufwand möglichst gering halten, auch, um allenfalls ins Ausland zu expandieren. Ein weiterer Punkt ist das Thema Hochpreisinsel, mit dem sich einige Unternehmen schwer tun. Allerdings gilt es dort zu berücksichtigen, dass auch hochpreisige Güter exportiert werden, womit sich dieser Aspekt wieder etwas relativiert. Weiter ist die Erschliessung des Auslands ein Thema – gerade für die Schweiz, die ja nicht Mitglied eines grossen Wirtschaftsraums ist und die auf bilaterale Handelsabkommen angewiesen ist. Für manche Schweizer KMU scheint der Zugang zum Ausland dadurch etwas erschwert. Allerdings, und das ist erstaunlich, ist die Forderung nach einem besseren Zugang zum Ausland nicht mit der Forderung nach einem EU-Beitritt verbunden. Einen EU-Beitritt beurteilen nur noch knapp 10% der Unternehmen als chancenreich.

Welche Dienstleistungen bietet denn die Credit Suisse international tätigen KMU?
Hans Baumgartner:
Exporteure und Importeure sind für die Abwicklung ihrer Geschäftstransaktionen auf eine global vernetzte Bank angewiesen. Die Credit Suisse ist hervorragend positioniert, um international tätige KMU zu unterstützen. Wir bieten sämtliche Finanzdienstleistungen an. Im internationalen Zahlungsverkehr unterhalten wir beispielsweise Beziehungen mit rund 2500 Banken auf der ganzen Welt. Wir helfen bei der Absicherung von Währungs- und Zinsgeschäften, bei Exportfinanzierungen, oder auch beim Garantie- und Dokumentargeschäft, das eine zentrale Rolle für Exporteure und Importeure spielt. Ebenfalls sehr wichtig ist die enge Zusammenarbeit, welche die Credit Suisse mit der Osec und der Schweizerischen Exportrisikoversicherung (SERV) etabliert hat. Die SERV ist eine staatliche Organisation, die Exporteuren bei einer Expansion ins Ausland entsprechende Garantien gibt. Darüber hinaus können Schweizer KMU bei Aufträgen aus dem Ausland einen von der SERV garantierten Fabrikationskreditversicherung erhalten, bei dem ihnen das Auftragsvolumen zu 80% vorausbezahlt wird. Kurzum: Die Credit Suisse hat sehr viel zu bieten und wer international tätig ist, braucht eine global vernetzte Bank.

Die Credit Suisse hat anfangs Juni zusammen mit dem Swiss Venture Club eine spezielle Firma ins Leben gerufen, um Schweizer KMU mit Risikokapital zu unterstützen...
Hans Baumgartner:
Die SVC AG für Risikokaptal wurde mit CHF 100 Millionen Risikokapital dotiert, um das Unternehmertum in der Schweiz zu fördern und neue und nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen. Mit dieser Initiative wollen wir innovative und junge Unternehmen, sogenannte „Start-ups“ fördern, oder gerade auch Unternehmen, die ins Ausland expandieren wollen. Die Credit Suisse engagiert sich sehr für eine wettbewerbsstarke Firmenlandschaft, damit die Schweiz sowohl im Inland wie auch im internationalen Vergleich wettbewerbsstark bleibt.

Herr Neff, wie wirkt sich denn die gegenwärtige Euro-Krise auf die Exportwirtschaft aus, was macht den Schweizer KMU zu schaffen?
Martin Neff:
Es ist wichtig, zwischen der Euro-Krise und dem, was im Moment in der Exportwirtschaft läuft, zu unterscheiden. Wir haben in der Tat im zweiten Quartal im Finanzmarkt einige Wolken aufziehen sehen, Stichworte sind Griechenland und der Euro-Zerfall. Parallel dazu haben wir aber im Exportgeschäft nach dem tiefen Fall im Jahr 2009 einen enormen Aufschwung gehabt, der sich heute noch tendenziell positiv auswirkt - will heissen, wir haben hervorragende Zuwachsraten im Export. Natürlich streut die gegenwärtige Entwicklung Unsicherheit, und das spüren auch die KMU. Die erste grosse Unsicherheit betrifft die Frage, wohin der Euro weiter driftet und vor allem, wie weit runter er noch geht. Wir haben jetzt die Marke von 1.40 unterschritten und viele Unternehmen sind doch schon bei 1.30 positioniert. Das beschäftigt die Unternehmen, weil sie sich genau überlegen müssen, ab welchem Punkt sie sich absichern müssen. Die zweite Unsicherheit betrifft die grossen Sparübungen im Europa-Raum und was diese an Wachstumsprozenten kosten werden. Hier glaube ich aber, dass man etwas entwarnen kann. Natürlich wird es Wachstum kosten, aber es ist ja nicht ein einmaliger Schock, der 2010 oder 2011 anfällt, sondern es sind wahrscheinlich 0.5 Wachstumsprozente pro Jahr. Mit dem kann die Schweiz leben. Fest steht, dass das Wachstum ein viel wichtigerer Faktor ist für die Exportindustrie der Schweiz als die Wechselkursentwicklung.

Herr Baumgartner, was müssen KMU tun, um für die Zukunft gerüstet zu sein?
Hans Baumgartner:
Grosse Ratschläge muss ich den Schweizer Unternehmen nicht erteilen, denn sie wissen sehr genau, was sie tun. Viele Schweizer KMU operieren ja sehr erfolgreich im In- und Ausland. Ich beobachte, dass Schweizer Unternehmen eine Expansion ins Ausland sehr sorgfältig planen, gerade in fernere Märkte. In der Regel werden zuerst nahe Märkte erschlossen, wie zum Beispiel Deutschland, bevor der Schritt in fernere Märkte geplant wird. Wichtig ist: Die Erschliessung eines neuen Marktes ist Chefsache. Die Unternehmensleiter müssen mit dabei sein, sie müssen die Strategie formulieren, die Planung an die Hand nehmen und dann die Umsetzung sehr nahe begleiten. Begibt sich ein Unternehmen in fremde Märkte und Kulturen, ist zudem entscheidend, dass es sich mit vertrauensvollen Partnern umgibt, mit Leuten, die bereits vor Ort tätig sind, aber auch mit Leuten in der Schweiz, die Erfahrung haben und diese Märkte kennen. Als Bank können wir unsere Kunden hier gezielt unterstützen, da die Credit Suisse international etabliert ist und wir unseren Kunden diese Netzwerke zur Verfügung stellen können.

Die Studie können Sie kostenlos herunterladen unter: Megatrends Studie - Globalisierung 2010

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