Führungskräfte sind zukünftig noch mehr gefordert

31.01.2012 | Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Die Grenzen zwischen den einzelnen Hierarchien und Abteilungen werden immer fliessender. Dies erfordert neue Denkgewohnheiten der Mitarbeiter und vor allem der Führung. Die Anforderungen werden komplexer und ganzheitliche Aspekte sind zu berücksichtigen.

Es zeichnet sich immer mehr ab, dass die zukünftige Arbeitswelt mehrheitlich von Projekten bestimmt wird. In diesen Projekten arbeiten Teams übergreifend miteinander. Da nicht nur die fachliche Komplexität steigt, sondern auch mit unterschiedlichen Charakteren umgegangen werden muss, bringt dies neue Herausforderungen für die Führung.

Beispiel Google
In der IT oder Beratungsbranche sind diese Arbeitsmodelle bereits eingeführt. Bei Google wird zum Beispiel nach dem Modell „70-20-10“ gearbeitet. Google Mitarbeiter nutzen 70% ihrer Arbeitszeit für die effektive Arbeit an vorhandenen Projekten. 20% ihrer Arbeitszeit dürfen Google Mitarbeiter damit verbringen, an Projekten zu arbeiten, die das Kerngeschäft deutlich erweitern. So sind z. Bsp. Produkte wie Google Checkout (Einkaufen im Internet) oder Google Translate (Übersetzungssoftware) entstanden. Die verbleibenden 10% dürfen Google Mitarbeiter für neue und ausgefallene Ideen verwenden. Bei Google entsteht so ein Ort der Innovation, wo neue Ideen gefördert werden, sich die Mitarbeiter wohl fühlen und das Unternehmen jedes Jahr hohe Gewinne schreibt.

Neue Führungsart
Die Anforderungen an die Führungskräfte verändern sich erheblich. Das reine Projekt managen gerät immer mehr in den Hintergrund und wird zur Voraussetzung. Führungskräfte müssen sich viel mehr mit ihren Mitarbeitern befassen. Sie wahrnehmen, fordern und fördern. Ein neuer Balanceakt, der jeden Tag von neuem beginnt.

Von den Führungskräften wird neu erwartet, dass sie ihre Mitarbeiter als Mensch betrachten und nicht mehr als ausbeutbare Ressourcen. Die Mitarbeiter wollen spüren, dass sie ernst genommen werden und auf sie individuell eingegangen wird. Die Mitarbeiter sind zu inspirieren und zu Höchstleistungen zu motivieren, ohne dass sie so stark unter Druck gesetzt werden, dass sie nicht mehr leistungsfähig sind und sogar ausbrennen.

Die Zeiten, wo sich Führungskräfte hinter ihren Schreibtischen verstecken konnten, um nur das Administrative zu erledigen, sind vorbei. Die Arbeitsteams sind aus unterschiedlichen Menschen zusammengesetzt. Diese benötigen eine viel intensivere individuelle Begleitung. Diese Begleitung ist nötig, damit die Führungskraft die Lage im Team erkennt und handeln kann. So können Konflikte frühzeitig erkannt werden. Die Zielerreichung von Projekten wird dadurch stark begünstigt.

Dabei ist darauf zu achten, dass die Mitarbeiter ihre Freiräume haben und sich selber entfalten können. So bleiben sie motiviert. Dies bedingt ein grösseres Vertrauen in die Fähigkeiten der Mitarbeiter. Die Führungskraft wird dadurch mehr in die Rolle eines Coaches/Mentors schlüpfen.

Andere Organisationsformen
Die vermehrte Arbeit in Projekten bedingt zukünftig, dass die Arbeit auf Zwischenziele und das Endziel ausgerichtet ist. Dies setzt voraus, dass alle Teammitglieder zielorientiert arbeiten. Daraus entsteht eine Verpflichtung für alle. Diese Verpflichtung natürlich zu erhalten, ist die Aufgabe der Führungskraft. Wobei in gut funktionierenden Teams, sich das Team selber reguliert und gemeinsam die Zielerreichung sicherstellt. Wenn dies geschieht, hat die Führungskraft ihren Job sehr gut gemacht.

Dadurch entfallen herkömmliche hierarchische Organisationsstrukturen. Diese werden immer fliessender und orientieren sich an den auszuführenden Aufgaben und den vorhandenen Mitarbeitern. Die Aufgaben und die Hauptverantwortung für die Resultate werden an dafür zuständige Teams abgegeben. Diese sind aus Mitgliedern zusammengesetzt, die verschiedene Fähigkeiten besitzen. Es sind diese spezifischen Fähigkeiten oder auch Talente, die die Zielerreichung und erfolgreiche Projektabwicklung gewährleisten. Dabei spielt es keine Rolle mehr, aus welchem Unternehmensbereich ein Teammitglied kommt.

Teamzusammensetzung und Rekrutierung entscheidend
Die Auswahl und Zusammensetzung von Arbeitsteams, bestimmt bis zu 90% den Erfolg eines Projektes und des Unternehmens. Dieser Umstand gilt es in Zukunft noch mehr zu berücksichtigen. Darum spielt die Personalauswahl die wichtigste Rolle.

Die Unternehmen, die in Zukunft rein nach Talent rekrutieren, werden eine überdurchschnittlich hohe Produktivität erzielen. Dies belegen Studien von Gallup. Gem. Gallup produzieren talentierte Mitarbeiter in der richtigen Position, das Mehrfache als durchschnittliche Mitarbeiter. Überdurchschnittlich produktive Unternehmen rekrutieren nur nach Talent. Fachwissen und Erfahrung sind dabei sekundär. In Zukunft werden hauptsächlich die Unternehmen erfolgreich sein, die es ihren Mitarbeitern ermöglichen, ihre natürlichen Talente am Arbeitsplatz auszuleben.

Für erfolgreiche Fussballtrainer ist dies längstens eine Selbstverständlichkeit. Es würde keinem Trainer in den Sinn kommen, seinen besten Stürmer in die Verteidigung zu stellen. Denn er weiss, dass er alle Spiele verlieren würde und um seinen Job fürchten muss. Beispiele aus der Praxis zeigen immer wieder, dass dies in Unternehmen noch nicht auf allen Führungsebenen angekommen ist.

Neue Qualitäten
Für Führungskräfte sind neue Qualitäten gefragt. Einerseits arbeiten Sie nach wie vor ihren Arbeitsalltag ab, andererseits müssen sie ihre Mitarbeiter besser wahrnehmen und sich vom klassischen Hierarchiedenken lösen. Zudem lässt sich auf talentierte Mitarbeiter weniger Einfluss nehmen, denn diese wissen am besten, wie sie ihre Arbeit zu erledigen haben. Die Führungskraft schlüpft immer mehr in die Rolle eines Coaches, der seine Mitarbeiter fördert und das richtige Umfeld für natürliche Spitzenleistungen schafft.

Dieter Kissling, Leiter des Instituts für Arbeitsmedizin in Baden (AG), hat es so formuliert „Nichts ist so wichtig, wie ein Chef, der eine menschenachtende Grundhaltung hat.“ In Zukunft ist nichts so wichtig, wie eine Führungskraft, die menschlich und fachlich auf der Höhe ist und seinen Mitarbeitern die Entfaltung ihrer natürlichen Fähigkeiten gewährt.

Als Ergebnis daraus zollen die Mitarbeiter ihrem Chef mehr Respekt und gehen für ihn „durchs Feuer“. Freiwillig und von sich aus. Die Mitarbeiterzufriedenheit und die Kundenzufriedenheit steigen. Das Unternehmen schreibt bessere Zahlen.

Bewertung Ø:
   
Meine Bewertung:
Bookmark and Share
  Zur Homepage Fachbericht weiterempfehlen

Fragen und Kommentare (0)

nach oben