Die Evolution in der Aufbau- und Verbindungstechnik

Die Evolution in der Aufbau- und Verbindungstechnik
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18.11.2011 | Die Leistungselektronik leistet einen zunehmenden Beitrag bei aktuellen Megathemen wie regenerative Energien, Elektromobilität und Energieeinsparung. Diese Anwendungsfelder konnten nur mit Hilfe von Innovationen erschlossen werden, denn die Anforderungen der verschiedenen Märkte erfordern technologische Lösungen, die über den allgemeinen Industriestandard der 90er Jahre hinausgehen.

Semikron als Innovationsführer versucht Trends frühzeitig aufzuspüren und bietet entsprechende Technologien an. Dafür werden kontinuierlich die Limits existierender Technologien durch neue Wege ersetzt. Wärmeleitpaste und Drahtbonds sind die verbliebenen "Erbstücke" des Industriemoduls und die werden nun für bestimmte Applikationen durch hochzuverlässige Sinterschichten und flexible Platinen ersetzt.

Die weltweit in den Fokus gerückte Umweltpolitik und ein stärker an Umweltaspekten ausgerichtetes Konsumentenverhalten bei der Auswahl von Energiequellen hat der Leistungselektronik eine größere Bedeutung als Möglichkeit der Energieumwandlung und
–Steuerung zukommen lassen. Produkte und Anwendungen werden auf Wirkungsgrad, Zuverlässigkeit und Kompaktheit optimiert.  Leistungselektronik ist eine Schlüsseltechnologie um eine zukünftige Mobilität auf Basis der Hybridtechnik und der Elektrofahrzeuge zu ermöglichen sowie den steigenden Emissionen und abnehmenden Ressourcen entgegenzutreten. Um die Anforderungen dieser Märkte gerecht zu werden und die Akzeptanz zu verbessern, sind Weiterentwicklungen der Leistungselektronik unumgänglich. Wichtige Themen dabei sind die höheren Leistungsdichten, geringeres Volumen und erhöhte Zuverlässigkeit. Für Hersteller von Leistungselektronik ist es eine Herausforderung, diese diametralen Anforderungen zu realisieren. Zusätzlich werden immer höhere Leistungen gefordert – dies heißt Themen wie Parallelschaltung und thermisches Management  erhalten zusätzliche Bedeutung. Die Leistungselektronik für den zukünftigen und stark wachsenden Markt der erneuerbare Energien und der Elektrofahrzeuge profitiert in zwei Bereichen. Erstens sind Leistungshalbleiter für die Energieumwandlung bei der Erzeugung z.B. bei Umrichtern in Windkrafträdern notwendig. Zweitens sind Leistungshalbleiter das Kernelement bei drehzahlgesteuerten Umrichtern und damit der effizienten Nutzbarmachung der Energie.

Hohe Zuverlässigkeit und niedrige Kosten

In elektrisch betriebenen Fahrzeugen muss die Leistungselektronik besonders platzsparend und gewichtsarm sein und zuverlässig auch in rauer Umgebung funktionieren. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat Semikron vor langer Zeit den klassischen Technologieweg der Modulbasis verlassen und soweit wie möglich alle Funktionen des leistungselektronischen Systems mechanisch integriert. 
Die Herausforderung in der Entwicklung liegt darin, widerstrebende elektrische, mechanische und thermische Anforderungen mit höchstmöglicher Zuverlässigkeit und zu vernünftigen Kosten zu realisieren. Der Umrichter mit einem Volumen von 5,7 Litern hat einen Spitzenstrom von 400 Aeff bei einer Batteriespannung von 160 V und ist geeignet, direkt auf der Antriebsachse eines Fahrzeugs montiert zu werden. Für diese Anordnung muss das System einwandfreie Funktion bei Vibrationen von 12 g und mechanischem Stoß bis 100 g gewähren, und das für 20.000 Betriebsstunden unter Außentemperaturen zwischen –40 und +85 °C.

Schon für die ersten Windkraftanlagen entwickelte Semikron vor 20 Jahren IGBT-Module, die mit einer völlig neuen Druckkontakttechnik und funktionaler Integration von Leistung, Ansteuerung und Sensorik den Herausforderungen dieser völlig neuen Anwendung bezüglich Langzeitzuverlässigkeit und Leistungsdichte gewachsen waren. Heute sind die SKiiP-IPMs in der dritten Generation im Einsatz. Mehr als 80 GW wurden bisher installiert, was in etwa der Hälfte der bis heute installierten Windgenerator-Leistung entspricht.
Nun ist die vierte Generation, der SKiiP4, in der Markteinführungsphase. Das SKiiP4-Intelligentes Integriertes Modul in der 6-fach- Ausführung leistet 3600 A (im Vergleich SKiiP3 als 4-fach-Ausführung 1800 A, jeweils für 1700 V Sperrspannung). Mit SKiiP4 ist es gelungen ein IPM zu entwickeln, das bei identischer Baugröße 30% höhere Leistung ermöglicht. Im Leistungshalbleitermodul werden die Chips der neuesten IGBT- und Diodengeneration nicht auf das Substrat gelötet, sondern gesintert. Zwischenkreisspannungen bis zu 1300 V werden durch eine verbesserte Ansteuerung sicher beherrscht und den Anforderungen hinsichtlich der Aufstellung von Anlagen in größerer Höhe ü.d.M. und außerhalb des Küstenbereiches Rechnung getragen. Zur Absicherung der geforderten extrem geringen Ausfallwahrscheinlichkeit wird jede Einheit vor Auslieferung einem Burn-in-Test unterzogen. Wenn die Leistungselektronik in den Massenmarkt Automobil eingesetzt wird, müssen die Systeme noch kleiner und zuverlässiger werden. Das gleiche gilt für Windkraftanlagen. Bei Off-Shore Installationen sind Wartungseinsätze extrem teuer.

Im Blickpunkt: Aufbau – und Verbindungstechnik

Bei der klassischen Aufbau- und Verbindungstechnik existieren heute unterschiedliche technische Limits, die zu überwinden sind.
  1. Lötverbindungen
    In einem konventionell gelöteten Leistungsmodul mit einer Kupferbodenplatte stellt die Lötverbindung oft den mechanisch schwächsten Punkt des Gesamtsystems dar. Durch die unterschiedlichen Ausdehnungskoeffizienten der Materialien, hohe Temperaturänderungen und wechselnde elektrische Lasten während des Betriebes entstehen Ermüdungserscheinungen der Lötlagen im Modulaufbau. Indizien dafür sind die während des Betriebes sich erhöhenden thermischen Widerstände die zu höheren Chiptemperaturen führen. Dieser Wechselwirkungsprozeß führt unweigerlich zu einem Komponentenfehler durch abhebende Bonddrähte. Bei gelöteten Verbindungen zu einer Leiterplatte gibt es zusätzlich das Zuverlässigkeitsrisiko kalter Lötstellen.

  2. Bodenplatte
    Bodenplatten für Module mit großen Abmessungen und dementsprechend höherer Leistung können bezüglich thermischer  und mechanischer Performance nur mit technischen Schwierigkeiten und unter hohen Kosten realisiert werden. Die einseitige Substratlötung erzeugt einen Bimetalleffekt die  nicht homogene Verwindungen verursacht. Dadurch ist die thermische Anbindung an den Kühlkörper nicht optimal. Anstelle einer idealen Kühlkörperanbindung mit quasi metallischem Kontakt muß mit Wärmeleitpaste, die schlechte thermische Eigenschaften hat, die Lücke zwischen Bodenplatte und Kühlkörper ausgefüllt werden. Das Ergebnis ist eine Barriere im thermischen Gesamtsystem. Die Wärmeleitpaste hat einen thermischen Widerstand der 400-mal höher als der von Kupfer ist und diese Schicht ist für bis zu 60% des thermischen Widerstandes zwischen Chip und Kühlmedium verantwortlich.

  3. Das Modullayout
    Bei Modulen ab 150 A müssen Chips auf der DCB parallel geschaltet werden, um größere Stromratings zu erzielen. Durch die mechanischen Restriktionen beim Layout konventioneller Bodenplattenmodule ist eine ideale Symmetrie oft nicht erreichbar. Das Ergebnis sind Inhomogenitäten im Schaltverhalten parallel geschalteter Chips und unterschiedliche Ströme an den Chippositionen. Deshalb wird im Datenblatt immer der schwächste Chip spezifiziert. Interne Aufbauten mit Bonddrähten oder Verbindern verschlechtern die Leitwiderstände im Modul und führen zu höheren Streuinduktivitäten.

  4. Chiptemperaturen
    Weiterentwicklungen in der IGBT-Technologie ermöglichen feinere IGBT Zellstrukturen und damit kleinere Chips. Das wird auch durch den Druck zu niedrigeren Kosten der Leistungshalbleiter forciert. Mit kleineren Chips geht eine Erhöhung der Stromdichten einher, denn die Chips sind die letzten Jahre im Schnitt um 35% kleiner geworden. Gleichzeitig sind die maximalen Sperrschichttemperaturen auf 175°C angehoben worden. Das bedeutet, daß die Module immer kompakter werden können, aber andererseits, daß der Temperaturgradient zwischen IGBT und Umgebungstemperatur immer größer wird und die Belastungen für die Materialien steigen. Eine Erhöhung der Temperatur um 25K bedeutet eine Verringerung der Zuverlässigkeit um den Faktor 5. Neue Materialien wie SiC und GaN erlauben noch höhere Temperaturen.

  5. Stromdichten
    Neue IGBT- und MOSFET-Chiptechnologien haben höhere Stromdichten im Vergleich zu früheren Generationen. Das konventionelle Aluminimum Dickdrahtbonden stellt bei kleinen Oberseitenkontakten ein Hindernis für höhere Lastströme und verbesserte Zuverlässigkeit dar. Es ist zwar möglich, das Drahtbonden weiter zu optimieren und neue Materialien einzusetzen, dies bedeutet aber Aufwand bei der Chipherstellung und damit höhere Kosten der Halbleiter.
Die beschriebenen Limits der Aufbau- und Verbindungstechnologie sind alle unabhängige Faktoren. Deshalb ist es sinnvoll nach einer integralen technischen Lösung anstatt Einzellösungen zu suchen.

Das Silber-Sintern ist heute bereits ein Serienverfahren, Lötverbindungen zwischen Chip und DCB zu ersetzen. Durch die hohe Schmelztemperatur von 962°C im Vergleich zu klassischen Loten ist die Zuverlässigkeit einer Sinterschicht um ein Vielfaches höher und ermöglicht damit den Einsatz der Leistungselektronik bei hohen Temperaturen in anspruchsvollen Anwendungen wie Fahrzeugen. Die maximale Sperrschichttemperatur von 175°C beträgt nur 18% der Schmelztemperatur der Sinterlage. Dies ist ein großer Unterschied zur klassischen Lötverbindung, wo die maximale Chiptemperatur bei 60% der Schmelztemperatur liegt und damit zu den bereits erwähnten Degradierungen führt. Jedoch bleibt eine Zuverlässigkeitsbarriere erhalten – die Bonddrähte auf der Chipoberseite. Der Ersatz der Bonddrähte auf der Chipoberseite wird in der Industrie und auf Konferenzen bereits seit einigen Jahren diskutiert. Die meisten Ansätze basieren auf Lötungen und integrierten Verbindungstechnologien.

Ein neues Verfahren ist, die Silber-Sintertechnologie auch auf die Chipoberseite und die thermische Verbindung zum Kühlkörper anzuwenden. Die Chips werden auf der Oberseite mittels Sinterverfahren an eine flexible und strukturierte Platine angebunden. Die Leiterstrukturen sind so dick, dass sie Lastströme tragen können. Die DCB–Unterseite wird direkt auf den Kühlkörper gesintert. (siehe Bild ) Auch die elektrischen Hauptanschlüsse können auf die DCB gesintert werden und damit bisherige Löt- oder Bondverbindungen ersetzen. Der Ersatz der Wärmeleitpaste mittels einer Silber-Sinterlage und damit die Reduktion des thermischen Widerstandes erlaubt die Leistungsdichte um über 30% zu erhöhen. Die flexible Platine mit der flächigen Chip-Kontaktierung anstelle von Bonddrähten verbessert die Zuverlässigkeit. Die bessere Übereinstimmung der thermischen Ausdehnungskoeffizienten zwischen der Kontaktfläche des Chips und dem Material der Platine ist der Grund für die verbesserte Lastwechselfestigkeit. Damit ist eine Aufbautechnik ohne Drahtbonds, Lötungen und Wärmeleitpaste möglich.

Diese Technologie bietet Potential für technische Weiterentwicklungen. Stromsensorik und Gate-Ansteuerung werden ständig weiter miniaturisiert. Auf der Oberseite der Platine ist zukünftig eine 3D-Integration möglich.

Mit der Anwendung der neuen Technologie wird es möglich sein, Umrichter zu bauen, die gegenüber dem heutigen, modernsten System nochmals eine Erhöhung des spezifischen Leistungsvolumens von bis zu 100% realistisch erscheinen lassen. Die Technologie wird ihre Vorteile am besten durch integrierte, kompakte Systeme mit optimaler mechanischer Integration entfalten.

Bild: Ein neues Verfahren ist, die Silber-Sintertechnologie auch auf die Chipoberseite und die thermische Verbindung zum Kühlkörper anzuwenden. Die Chips werden auf der Oberseite mittels Sinterverfahren an eine flexible und strukturierte Platine angebunden.

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