|
|
Vernetzte Welt: Moment des Absprungs ist da
 Mobile Revolution: 2014 überholt mobiles Internet das Desktop-Pendant (Foto: YouTube)
Archiv | 12.11.2011 | Der gegenwärtige Moment ist ein historischer für die Menschheit: Wir tauchen gerade endgültig ins Zeitalter der Netzwerk-Gesellschaft ein und bekommen durch die Technik nie geahnte Möglichkeiten - sei es bei Nachrichten, Bildung, der Regierungsform oder der Wirtschaft.
Diese Analyse liefert der 21-Minuten-Dokumentarfilm "On the
Brink", den
Ericsson Multimedia soeben veröffentlicht hat. "Erst langsam erkennen wir,
was wir da mit der Technik aufgebaut haben", so der US-Technologe David
Weinberger, einer der Protagonisten.
Altes wird weggeblasen
Schon allein die im Film präsentierten Fakten sprechen eine klare Sprache.
Bereits 57 Prozent der Menschen kommunizieren demnach online mehr als im realen
Leben. Jedes sechste heutige Ehepaar hat sich im Internet kennen gelernt,
Kinder zwischen acht und 18 verbringen täglich 7,5 Stunden mit Mobilgeräten und
für 48 Prozent in der Gruppe der 18- bis 34 Jährigen ist der Facebook-Check das
Erste, was sie am Morgen tun. Mobilen Anfragen haben sich im Vorjahr
vervierfacht, und schon 2014 wird das mobile Internet die Zugriffe über den
Desktop überholen. 2020 werden über 50 Mrd. Geräte miteinander vernetzt sein.
Die neue Ära, so die Botschaft des Films, wird vom Zusammentreffen vieler
günstiger Faktoren eingeläutet: Von der Explosion der Mobilgeräte und der
schnellen Internetvernetzung, von über Open-Source frei verfügbarer Software
und neuen Business-Modellen. SoundCloud-Mitbegründer Eric Wahlforss sieht darin den
perfekten Boden für Neues. "Die Musikindustrie hat den Wandel von physisch
zu digital geschafft. Größere Änderungen stehen jedoch anderswo noch bevor. Die
alten Geschäftsmodelle, an die sich viele heute noch klammern, werden bald weggeblasen
werden von etwas ganz Neuem."
Chips überall
Alle heute erfundenen Geräte können sich vernetzen und alles, was einen Chip
haben könnte, wird bald auch einen besitzen. So wird etwa die Landwirtschaft
dank völlig neuartiger Informationen über den Acker neue Methoden entwickeln,
Autobauer neue Bremssysteme infolge der Auswertung des Nutzerverhaltens und
Stromerzeuger neue Strategien zur Engpass-Vermeidung, was ein genaues Wissen
über die Art des Verbrauchs des Konsumenten ermöglichen kann. Startups und Apps-Entwickler
zeigen schon heute vor, dass Kreativität und Unternehmergeist keine nationalen
Grenzen mehr kennen und neue, demokratischere Formen des Erfolgs möglich
werden.
Der Wandel der nächsten zehn Jahre wird laut den Experten jenen der
vergangenen 50 Jahren in den Schatten stellen. Robin Teigland,
Virtual-Worlds-Spezialistin an der Stockholm School of Economics, knüpft hier an: "Eine
halbe Mrd. Menschen der Altersgruppe bis 15 benutzt heute virtuelle Welten. Man
muss sich nur vorstellen, was passiert, wenn diese in drei bis fünf Jahren in
die Arbeitswelt eindringen." Geradezu euphorisch sind Aussagen, denen
zufolge der Wandel den Menschen dazu befähigt, mehr er selbst zu sein und das
zu tun, was er eigentlich will. Inwiefern die Prognosen ins Schwarze treffen,
wird man 2020 beurteilen können. (pte)

|
|