«Es
gibt bald keinen Grund mehr, tiefe Löcher in die Erde zu graben, um
fossile Energieträger herauszuholen”, brachte es Ayodhya N. Tiwari,
Leiter der Abteilung «Dünnfilme und Photovoltaik», auf den Punkt. Gut
300 interessierte Fachleute und Privatpersonen hatten sich am Mittwoch
in der Empa-Akademie versammelt, um sich zum Thema «Solarstrom für die
Schweiz» zu informieren. Tiwari und sein Kollege Stephan Bücheler
stellten zunächst die verschiedenen Generationen von
Photovoltaiktechnologien vor – von der kristallinen Siliziumzelle über
Dünnschicht-Zellen auf Glas oder flexibler Folie bis zu Solarzellen der
nächsten Generation.
Weitere Preissenkung bei Solarzellen zu erwarten
Allein
durch Skalierungseffekte und stetig wachsende Produktion, so erklärten
die Forscher, seien weitere Preissenkungen bei Solarzellen zu erwarten.
Schon die Vergangenheit zeigt: Immer wenn sich die installierte
Kapazität verdoppelt, sinkt der Preis für ein Solarmodul um rund 20
Prozent. Auch die Forschung – zum Beispiel an der Empa – wird ihren Teil
dazu beitragen: Flexible Dünnschicht-Zellen, wie die aus Tiwaris
Labors, könnten kostengünstig im «Roll-to-Roll»-Verfahren hergestellt
werden. Wenn keine starren Glasplatten mehr nötig sind, um Solarzellen
zu bauen, können auf kompakten Produktionsmaschinen grosse Mengen von
Solarpanelen erzeugt werden. Auch die Auslieferung an den Einsatzort und
die Montage würde deutlich einfacher.
Der Solarunternehmer Thomas Nordmann unterstützte in seinem Vortrag
diese Perspektive. Seit er 1989 an einer Lärmschutzwand der Autobahn A13
die ersten Solarzellen installieren liess, sind die Verkäufe in der
Schweiz rasant angestiegen. Dennoch liegt das Land mit einer
installierten Leistung von 14,2 Watt pro Kopf noch weit hinter dem
Nachbarn Deutschland zurück. Dort sind Solarpanele mit einer Leistung
von 212 Watt pro Person installiert – der Freistaat Bayern hat es gar
auf 510 Watt gebracht. Nordmann macht folgende Rechnung: Um bis zum Jahr
2035 rund sieben Prozent des Schweizer Strombedarfs solar zu decken,
müssten 626 Watt solare Leistung pro Kopf installiert werden. Das sei
zwar 44-mal mehr als heute, aber mit Blick auf die bayerischen Nachbarn
durchaus machbar.
Kein zusätzlicher FlächenverbrauchWer sich nun vor
einem von Solaranlagen zugepflasterten Land fürchtet, den beruhigt
Nordmann mit einer weiteren Rechnung: Für die erwähnten 626 Watt pro
Kopf seien 4,5 Quadratmeter Solarpanele pro Einwohner nötig. Dies
entspricht der halben Dachfläche der Schweizer Industrieflächen oder der
Hälfte aller Bahnanlagen – oder neun Prozent aller Dachflächen der
Schweiz; weder Wald noch landwirtschaftliche Nutzflächen müssten
geopfert werden.